Köhler, Guido

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Guido Köhler

Guido Köhler

Abt des Klosters Reifenstein 1769–1792

† 5. Feb. 1793 Reifenstein

Guido Köhler aus Heiligenstadt war Bursar in Reifenstein, dann Ökonom im Zisterzienserinnenkloster Meyendorf, bis er am 14. März 1769 anstelle seines verstorbenen Vorgängers Adrian Löffler zum Abt gewählt und am 16. Dezember 1769 von Generalabt François Trouvé bestätigt wurde.

In seine 23jährige Regierungszeit fallen die Eingriffe der strikt aufklärerisch gesinnten kurfürstlichen Regierung in das Klosterleben. 1772 musste Reifenstein die Pfarreien Beberstedt und Birkungen, die ihm 500 Jahre und länger inkorporiert gewesen waren, an Weltgeistliche abtreten, während die Pfarreien Kallmerode, Kleinbartloff und Hausen weiter von Klostergeistlichen versehen werden durften, weil sie nicht ausreichend bepfründet waren. Eine am 1. Juli 1774 an das Mainzer Domkapitel gerichtete Eingabe um die Rückgabe der Pfarreien blieb erfolglos. Der Verlust Birkungens war umso schmerzlicher als das Kloster dort kurz zuvor das Pfarrhaus hatte neu erbauen lassen.

1773 wurden nach der Aufhebung ihres Heiligenstädter Kollegs sechs Jesuiten eine zeitlang in Reifenstein untergebracht, darunter P. Johann Wolf, der Verfasser einer Politischen Geschichte und einer Kirchengeschichte des Eichsfelds. Die 1777 von kurfürstlichen Kommissaren vorgenommene Visitation stellte den guten wirtschaftlichen Stand der Abtei fest und lobte die Anstrengungen des Klosters zur Linderung der Hungersnöte 1771 und 1772 durch die Ausgabe von Almosen. 1771 lieh Abt Guido 500 Reichstaler, ob in Zusammenhang mit der Hungersnot oder der Vollendung der von seinem Vorgänger begonnenen Bauten (Dormitorium) ist nicht überliefert.

1778 wurde Abt Guido vom Ordensgeneral zum Spezialkommissar für die Klöster im Magdeburgischen und Halberstädtischen Gebiet bestellt, 1786 zum Visitator für Marienrode. 1783 war er zum Generalkapitel eingeladen und wurde 1787 vom Kurfürsten zum Primas der Stände des Eichsfelds ernannt. Als solcher war er zugleich Assessor des Oberlandesgerichts und des Steueramtes mit einem Gehalt von 100 Talern. Besorgt um das leibliche Wohl seiner Untertanen besoldete er einen Arzt, der alle Konventualen (1783: 23) einmal jährlich untersuchen musste.

Von einem Schlaganfall getroffen und gänzlich erblindet, resignierte Abt Guido am 28. September 1792 und starb am 5. Februar 1793.

gge, Jan. 2019


Daten:

Abbas: el. 14. März 1769, res. 28. Sep.1792.

Literatur:

Knieb, Philipp: Zur Geschichte des ehemaligen Zisterzienser- Klosters Reifenstein, in: Unser Eichsfeld 9, Heiligenstadt 1914, S. 8–26, 103–119, 191–245.

Zitierempfehlung: Köhler, Guido, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 17.1.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/K%C3%B6hler,_Guido