Kölich, Christoph

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Christoph Köhlich

Christoph Kölich

letzter Abt des Klosters Walkenried 1629–1631

† 13. Okt. 1636 Lichtenstern, Löwenstein

Christoph Kölich, ein Böhme, war Professe des Zisterzienserklosters Kaisheim bei Donauwörth. Nachdem Kaiser Ferdinand II. 1629 mit dem Rekonstitutionsedikt vom 6. März 1629 die Rekatholisierung der in der Reformation protestantisch gewordenen und inzwischen ruinierten Abtei Walkenried im Südharz verfügt hatte, reiste er mit seinem Abt Jakob Mosbach, dem als Generalvikar der Klöster in Sachsen die Verantwortung dafür zufiel, und weiteren Mönchen dorthin und wurde am 26. April/2. Mai in der zuvor von Abt Jakob rekonziliierten Abteikirche zum Abt gewählt und installiert.[1] Die Benediktion fand im Februar des Folgejahres im Beisein des Abtes Philipp Busse von Reifenstein statt. Proteste des protestantischen Landesherrn Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel waren wirkungslos verhallt. Der protestantische Prior Friedrich Hildebrand konnte im Kloster bleiben. Er berichtete seinem Landesherrn in mehreren Briefen von der „päpstischen Occupation und Reformation“, u.a. auch, dass der neue Abt „gut teutsch uf schwäbisch“ sprach.

Abt Christoph wurden auch die Frauenklöster Dietenborn und Wöltingerode unterstellt, um deren landwirtschaftlichen Betrieb er sich kümmern musste. Bei einem Ritt dorthin stürzte er vom Pferd, brach sich ein Bein und musste im Frankenberger Kloster in Goslar auf seine Genesung warten. Zu ihrer Förderung spendete er der Wallfahrtskirche auf dem Hülfensberg im Eichsfeld einen Beutel Geld. In Walkenried führte währenddessen der katholische Nordhäuser Domherr Thomas Schott die Geschäfte (Reinboth, S. 33). Im selben Jahr noch setzte er sich aktiv für die Rekatholisierung weiterer Klöster ein. Am 14. Oktober 1629 begegnet er als kaiserlicher Spezialkommissar zusammen mit dem Abt von Reifenstein (Philipp Busse) und zehn Soldaten Tillys im evangelischen Nonnenkloster Mariengarten bei Göttingen, dass mit militärischer Hilfe in Besitz genommen wurde (Heutger, S. 187). Der Sieg der Schweden über die Kaiserlichen bei Breitenfeld am 7./17. September 1631 machte dem Rekatholisierungsversuch im Harz ein schnelles Ende. Die Mönche und ihr Abt Christoph Kölich flohen – unter Mitnahme des berühmten „Walkenrieder Altars“ von Hans Raphon, der sich seither in Prag befindet.

Abt Christoph Kölich taucht 1634 im Rahmen der Restitution des Nonnenklosters Lichtenstern bei Heilbronn wieder auf, dessen Administration er im Oktober übernahm. Am 5. Februar 1635 leitete er im Kloster Schöntal die Wahl des Abtes Leonhard Meinhart. Er starb am 13. Oktober 1636 und wurde in der Klosterkirche Lichtenstern bestattet. Sein 1867 noch vorhandener Grabstein wurde wahrscheinlich noch im 19. Jahrhundert bei Baumaßnahmen beseitigt. Erhalten ist nur eine Skizze von 1768 (in: F. W. Pistorius: Monumenta des Frauenklosters zu Lichtenstern, Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Cod. hist. fol. 91, Bl. 40v.).

gge, Jan. 2019

  1. Sein in lateinischer Sprache verfasster Amtseid ist erhalten.

Daten:

Abbas: el. 26. April/6. Mai 1629.

Literatur:

Reinboth, Fritz: Die letzten Zisterzienser in Walkenried 1629–1631. Verein für Heimatgeschichte Walkenried/Bad Sachsa und Umgebung. Clausthal-Zellerfeld: Papierflieger, 2015 · Heutger, Nicolaus: Kloster Walkenried: Geschichte und Gegenwart. Berlin: Lukas, 2007, S. 187.

Zitierempfehlung: Kölich, Christoph, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 16.1.2019, URL: http://www.biocist.org/wiki/K%C3%B6lich,_Christoph