Kasche, Nikolaus

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Nikolaus Kasche OCist

Nikolaus Kasche

Abt von Heiligenkreuz und St. Gotthard

* 16. Nov. 1754 Groß‐Glogau, Schlesien
04. Feb. 1824 Wien

Nikolaus Kasche, geboren in Groß‐Glogau in Oberschlesien, hatte 1778 die Profess auf die Abtei Heiligenkreuz abgelegt und am 27. März 1780 seine Primiz gefeiert. Von 1788 bis 1791 war er als Seelsorger an der Pfarre Trumau tätig, danach diente er im Stift als Waldschaffer, Grundbuchverweser und Amtswalter des Abtes Marian Reutter. Nach dem Tode Reutters 1805 wurde er Administrator. Am 6. August 1806 – dem Tag, an dem Kaiser Franz II. die deutsche Kaiserwürde niederlegte – wurde Kasche einstimmig zum 59. Abt von Heiligenkreuz und 4. Abt von St. Gotthard gewählt. Seine Wahl geschah mit spezieller kaiserlicher Dispens, da Kasche preußisch-schlesischer Untertan war.

Während Kasches Regierungszeit hatte das Stift die Folgen der zweiten französischen Invasion (1809) zu ertragen, die wieder große Kosten verursachte. Die Wertgegenstände des Klosters wurden tief nach Ungarn geflüchtet, ein Teil des Stiftsgebäudes als Hospital verwendet und nur die Umsicht des energischen Amtsverwalters P. Theodor Kraft – Abt Nikolaus hielt sich als Verordneter der Stände in Wien auf – bewahrte Heiligenkreuz auch diesmal vor vollständiger Plünderung. Die Nachwirkungen des Krieges brachten noch großen Schaden: das Kirchensilber musste abgeliefert, der Stiftshof in Baden verkauft werden; die dafür erhaltenen Staatspapiere wurden 1811 abgewertet. Am 4. Mai 1811 brannten sämtliche stiftseigenen Gebäude in Trumau ab, deren Wiederaufbau große Summen verschlang. Auch die fast unerschwinglichen Landesbeiträge und freiwillige Gaben stellten die Finanzkraft des Stiftes auf eine harte Probe.

Durch Kasches kluge Leitung erholte sich das Stift langsam wieder von allen diesen Bedrängnissen. Abt Nikolaus fand noch Mittel, Vieles an Kirchen und Schulgebäuden zu restaurieren und durch Vermeidung unnötigen Aufwandes die Verhältnisse wieder ziemlich zu ordnen. 1822 wurde das während des Josephinismus 1800 »aus gesundheitlichen Gründen« aufgegebene gemeinsame Chorgebet wieder aufgenommen.

Abt Kasche endigte sein Leben und seine Regierung am 4. Februar 1824 in Wien. Er wurde auf dem Stiftsfriedhof in Heiligenkreuz begraben. Sein Grabstein befindet sich heute an der nördlichen Außenwand der Bernardikapelle.

gge, Feb. 2010, rev. Sep. 2012


Werke:

Dies primitialis sacerdotii dies gratiae, et beneficii divini omnino primitialis, sei praeeminens in humana natura, 1821.

Literatur:

Kurzbiographie in: Schachenmayr, Prägende Professoren, Langwaden 2004, S. 267f. · Watzl, Florian: Die Cistercienser von Heiligenkreuz, Graz 1898, S. 200. · Gsell, Benedikt: Die Abtei Heiligenkreuz in Nieder-Oesterreich, in: Brunner, Sebastian: Ein Cisterzienserbuch. Würzburg 1881, S. 52ff., bes. S. 104–105.

Zitierempfehlung: Kasche, Nikolaus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 4.8.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Kasche,_Nikolaus