Keller, Franziska

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Franziska Keller

Franziska Keller

30. Äbtissin des Klosters Rathausen 1653–1666

* 1599
† 29. Juli 1666 Rathausen

Franziska Keller, von Luzern, stammte aus einer Luzerner Metzger- und Wirtsfamilie. Ihr Vater Johann Keller wurde 1615 mit der neuen Wirtschaft beim Wallfahrtsort Werthenstein belehnt, die nachweislich drei Generationen in der Familie blieb. Ihre Mutter hieß Barbara Ratzenhofer. Neben dem Bruder Kaspar, der als Metzgermeister die Wirtschaft weiterführte, wählten mehrere Geschwister den geistlichen Beruf: eine Schwester Benedikta war 1644 bis 1663 Äbtissin des Klosters Hermetschwil OSB, ein Bruder Johann Kanonikus in Luzern und Beromünster. Der Wettinger Abt Bernhard Keller war ihr Bruder, auch wenn Dominikus Willi ihn in seinem Album Wettingense als Onkel bezeichnet.

Franziska ist auf der Glasscheibe Nr. 24 von 1616 als Novizin abgebildet. Das Datum ihrer Profess ist nicht bekannt, dürfte aber 1617 oder 1618 anzusetzen sein, auf jeden Fall vor 1620. Von 1642 bis 1652 war sie Pförtnerin und unter Äbtissin Eustachia Ratzenhofer Priorin (1652). Schon als Pförtnerin und Priorin, besonders aber als Äbtissin, stand sie im sog. Beichtigerstreit oder Beichtigerhandel auf der Seite der Ordenspartei (im Gegensatz zur Jesuitenpartei) und kämpfte um die Rechte des 1649 dem Nuntius unterstellten Klosters. Nuntius Girolamo Farnese verlangte schon 1642 ihre Absetzung als Pförtnerin, scheiterte aber am Widerstand des Abtes Edmund Schnyder von St. Urban. Bei der Visitation im Februar/März 1652 versuchten die Visitatoren, sie mit Versprechungen auf ihre Seite zu ziehen, hatten aber keinen Erfolg.

Am 22. Juni 1653 unter dem Vorsitz des neuen Nuntius Carlo Carafa zur Äbtissin (Domina) gewählt, wurde sie am 29. Juni 1653 von Nuntius Carafa benediziert. Es war die erste Wahl in Rathausen, der ein Nuntius vorstand. Bei ihrer Wahl war die Schreiberin Basilissa Pfyffer als Favoritin der jüngeren Schwestern eine ernsthafte Gegenkandidatin gewesen, hatte aber zu ihren Gunsten verzichtet.

Die Rathauser Chronik charakterisiert Domina Franziska als „gewaltige, heroische, tapfere Frau, die das Gotteshaus in Geistlichem und Zeitlichem wohl und löblich regiert hat“. Sie hatte eine glückliche Hand in wirtschaftlichen Belangen, konnte daher die Schulden tilgen und den Urbar um 1500 gl. vermehren. 1657 ließ sie die Einkünfte in Neuenkirch und Ebersecken bereinigen und das Urbar durch Junker Leopold Cysat neu schreiben. Während ihrer Regierung wurde die Apotheke im Kloster aufgebaut. 1654 wurden die Reliquien des Katakombenheiligen Venantius feierlich in die Klosterkirche übertragen. Sie kümmerte sich auch sehr um die tägliche Arbeit ihrer Mitschwestern, die sie persönlich mehrere Male im Jahr in der Konventstube beaufsichtigte und kontrollierte.

Sie starb am 29. Juli 1666 im Alter von 67 Jahren nach langer schmerzhafter Krankheit und wurde von dem Franziskaner-Guardian Eustachius Mey beerdigt. Sie hinterließ 41 Chorfrauen, zwei Novizen, zehn Laienschwestern und sechs Kosttöchter.

gge, Juli 2018


Daten:

Domina: el. 22. Juni 1653, ben. 29. Juni 1653.

Literatur:

750 Jahre Zisterzienserinnenabtei Rathausen-Thyrnau 1245–1995, [Thyrnau]: Abtei Thyrnau, 1995 · Verzeichnis aller Schwestern der Zisterzienserinnenabtei Rathausen-Thyrnau 1245–1995. [Thyrnau]: Abtei Thyrnau, 1995 · Zisterzienserinnenkloster Rathausen, in: Helvetia Sacra III/3 · Haid, Kassian: Die Reihe der Äbtissinnen von Rathausen 1245–1945: zum Siebenjahrhundert-Jubiläum des Klosters Rathausen 1245–1945, in: Der Geschichtsfreund: Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz, Bd. 99 (1946), S. 193–229.

Zitierempfehlung: Keller, Franziska, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 24.7.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Keller,_Franziska