Kis-Horváth, Pascal

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Pascal Kis-Horváth OCist

Pascal Kis-Horváth OCist

Zisterzienser der Abtei Our Lady of Dallas

* 09. Dez. 1924 Petőháza, Ungarn
† 10. Aug. 2013 Irving, Texas

Pascal Kis-Horváth, Taufname Mihály, wurde 1924 in Petőháza (dt. Pöttelshausen) geboren, einer kleinen Gemeinde an der Grenze zu Österreich. Seine Mutter Maria Hadarits war eine Verwandte des Abtes Vendel Endrédy; sein Vater Domonkos Kis-Horváth starb als Mihály und seine ältere Schwester Maria noch Kinder waren. Als Kind erkrankte Mihály an Knochentuberkulose. Das erkrankte Knochenstück wurde zwar entfernt, jedoch blieb er zeitlebens gehbehindert.

Nachdem Mihály wegen seiner Erkrankung die Schule hatte verlassen müssen, lebte und arbeitete er als Konventdiener im Studienhaus „Bernhardinum“ der Zisterzienser in Budapest, um seine Matura durch Privatunterricht nachzuholen. Dort erlebte er auch das Kriegsende und die dreimonatige Belagerung der Stadt durch die sowjetische Armee. Am 29. August 1947 trat er in das Noviziat der Zisterzienserabtei Zirc ein. Am 30. August 1948 legte er dort die zeitliche Profess ab. Die fünf von den ungarischen Zisterziensern unterhaltenen Schulen und die Ländereien der Abtei waren zu diesem Zeitpunkt schon enteignet. In den folgenden zwei Jahren wurden die Zisterzienserklöster, wie fast alle Ordensgemeinschaften, von der kommunistischen Regierung komplett unterdrückt.

Sechs Wochen bevor der Konvent zerstreut und Abt Vendel verhaftet wurde (29. Okt. 1950) entwarf fr. Pascal, der sich seit seiner Kindheit im Grenzgebiet zu Österreich genau auskannte, einen geheimen Fluchtplan durch den Eisernen Vorhang. Am 5. September 1950 überquerte eine Gruppe von etwa 20 Zisterziensern die Grenze nach Österreich, jedoch wurden neun Flüchtlinge von der unter dem Kommando der sowjetischen Besatzungsmacht stehenden österreichischen Gendarmerie aufgegriffen und zurück nach Ungarn überstellt. Einer von diesen war Pascal Kis-Horváth.

Als Organisator der Flucht und Verwandter des Abtes wurde Pascal Kis-Horváth von den kommunistischen Behörden besonders hart behandelt. Im Schauprozess gegen Abt Vendel als Kronzeuge vorgesehen, verweigerte er jedoch alle belastenden Aussagen gegen seinen Onkel. Wie dieser wurde er gefoltert und schließlich zu vier Jahren Haft verurteilt. Als am 30. August 1951 die Zeit seiner dreijährigen Profess ablief, befand sich Kis-Horváth noch in Einzelhaft. Da es keine Zeugen gab, in deren Anwesenheit er seine Gelübdeerneuerung hätte ablegen können, schrieb er die Professformel an die Zellenwand. Zur Zeit der feierlichen Profess drei Jahre danach befand er sich immer noch in Haft, durfte aber in der Gefängniswerkstatt arbeiten. Dort legte er am 30. August 1954 die ewigen Gelübde in einer geheimen Zeremonie in Gegenwart von fünf zisterziensischen Mithäftlingen ab.

Nach seiner Freilassung 1956 verließ Kis-Horvath auf Anraten seines ebenfalls freigekommenen Onkels Ungarn – die Grenzen waren infolge des Ungarischen Volksaufstands für kurze Zeit durchlässig – und begab sich nach Rom. Nach einem intensiven Theologiestudium in Rom und Rein wurde er am 21. Juli 1957 in der Abteikirche Zwettl zum Priester geweiht und war in den folgenden zwei Jahren als Kaplan in ungarischen Flüchtlingslagern und einer kleinen österreichischen Pfarrei tätig.

1959 reiste er in die Vereinigten Staaten von Amerika, in die neugegründete Zisterzienserabtei Our Lady of Dallas in Irving, Texas, und arbeitete in verschiedenen Pfarreien in Dallas und Ft. Worth. Von 1976 bis 1988 war er Subprior und bis 1990 Bursar und Cellerar. Viele Jahre war er in der Pfarrei Saint Monica in Dallas tätig, wo er als Beichtvater und geistlicher Begleiter sehr gefragt war.

Pascal Kis-Horváth starb am 10. August 2013 und wurde auf dem Calvary Hill Cemetery in Dallas, Texas, beigesetzt.

Denis Farkasfalvy


Data:

Prof.: simpl. 30. Aug. 1948, sol. 30. Aug. 1954; Sac.: 21. Juli 1957 (Zwettl).

Zitierempfehlung: Kis-Horváth, Pascal, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 21.2.2014, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Kis-Horv%C3%A1th,_Pascal

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