Knauer, Gallus

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Gallus Knauer

Gallus Knauer

Abt des Zisterzienserklosters Langheim 1690–1728

* 15. Jan. 1654 Weismain
† 3. Feb. 1728 Klosterlangheim

Gallus Knauer war ein Sohn des Weismainer Stadtschreibers und Notars Ambrosius Knauer und seiner Frau Margaretha Schönfelder und ein Neffe des früheren Abtes Mauritius Knauer. Er erhielt seine Gymnasialbildung (mit Auszeichnung) in Bamberg und trat in die Zisterzienserabtei Langheim ein. Nach dreijährigem Studium der Philosophie erhielt er im August 1673 zum Bakkalaureat auch die Magisterwürde. Zu dieser Gelegenheit erschien eine Schrift, in deren Vorwort er Abt Alberich Semmelmann für die Förderung dankt. Im Herbst 1673 legte er die Profess ab und wurde 1678 zum Priester geweiht.

Danach war er von 1685 bis 1690 Verwalter der Langheimschen Güter in Schmachtenberg und versah vom Gutshof Schmachtenberg aus die Pfarrei Zeil am Main, bis er am 13. Juli 1690 zum Abt gewählt und am 15. Juli von Fürstbischof Marquard Sebastian von Bamberg bestätigt und mit den Temporalien und Spiritualien belehnt wurde. Bei dieser Wahl wurden von den fürstbischöflichen Kommissaren mehrere Neuerungen vorgenommen, gegen die sich der Konvent und der Ordensvisitator Ludwig Ludwig von Ebrach vergebens wehrten. Unter anderem musste der neue Abt dem Fürstbischof jährlich die Rechnungsbücher vorlegen, ihm anzeigen, wenn er das Bistum verließ oder der Ordensvisitator das Kloster besuchte. Jedoch wurde die erste Beschränkung durch kaiserliches Reskript vom 2. April 1691 wieder aufgehoben und die übrigen Artikel wurden nicht beachtet. Mit dem fast ebenso lange wie er regierenden Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn (1693–1729) teilte Knauer die Baufreude und stand mit ihm in gutem Einvernehmen.

In den 37 Jahren seiner Regierungszeit machte sich Knauer um den barocken Ausbau des Klosters verdient. Er ließ den Naßanger (Aasanger), das Schloss und das Hofmeistergebäude in Trieb erbauen, den großen Mönchshof mit dem Felsenkeller in Kulmbach und 1697–1700 den heutigen Ostflügel des Tambacher Schlosses, außerdem das stattliche Backhaus (das alte war 1700 abgebrannt) und das Abteigebäude (Prälatur) in Langheim mit den Gastzimmern und der Abtwohnung (1826 abgerissen). Er ersparte große Geldsummen und Naturalvorräte und konnte im Januar 1693 dem Markgrafen Christian Ernst zu Brandenburg-Kulmbach gegen Verpfändung des ehemaligen Klosters Himmelkron, damals Jagdschloss des Markgrafen, 15.000 Taler leihen und gegen Ende des 17. Jahrhunderts eine sehr kostspielige längere Reise nach Rom unternehmen, von wo er architektonische Anregungen für den Bau des Schlosses Trieb mitbrachte.

Die Rechte der Abtei gegenüber dem Fürstbistum Bamberg und der Markgrafschaft Brandenburg-Kulmbach vertrat er energisch, aber ohne Streitsucht. So bewilligte er 1695 die ungerechtfertigten Ansprüche des Bambergischen Vikariats auf die Opfergelder von Vierzehnheiligen, Isling und Altenkunstadt und versuchte 1697, den von seinem Vorgänger begonnenen Rechtsstreit mit Bamberg durch gütlichen Vergleich zu beenden. Offenen Rechtsverletzungen aber widersetzte er sich mit Nachdruck. 1701 erreichte er die Erlaubnis, das Vierzehnheiligenbuch wieder aufzulegen, wogegen sich das Vikariat in Wien wehrte, und erhielt 1702 das Recht, von den Langheimschen Untertanen in Kulmbach die Steuern zu erheben. 1703 verweigerte er die Mitarbeit derselben bei Schanzarbeiten zum Bau der Festung Plassenburg (bei Kulmbach) und erwirkte 1704 beim Reichshofrat in Wien ein Reskript, nach dem Bamberg kommissionsweise die Rückzahlung des Bayreuth gegebenen Darlehens für Langheim befördern sollte. 1708 gab er der dringenden Forderung des Vikariats nicht nach, die ersten Stiftungsbriefe der klösterlichen Pfarreien vorzulegen usw. usf.

Obwohl ihn die vielen Rechtsstreitigkeiten sehr in Anspruch nahmen, konnte er dennoch 1723 an der Kirche von Altenkunstadt einen Chor anbauen lassen, 1724 das Schiff der Kirche in Isling vergrößern und in Kulmbach einen großen Felsenkeller graben lassen. Dort ließ er auch 1726 als Erster seit der Reformation wieder öffentliche katholische Gottesdienste halten.

Er starb um Mitternacht des 3. Februar 1728 und wurde in der Abteikirche bestattet. Auf ihn folgte Martin Wolf. Knauers Epitaph (ohne Namen und Jahreszahl), im Sommer 1924 aufgefunden, befindet sich heute am Torbau des Schlösschens Trieb.

gge, Nov. 2019


Daten:

Prof.: 1673; Sac.: 1678; Abbas: el. 13. Juli 1690.

Werke:

Cautes Marpesia, sive triennalis philosophia e caliginoso scientiae Stagireae oceano. [Bambergae] : Immel, 1673.

Literatur:

Jäck, Joachim Heinrich: Denkschrift für das Jubelfest der Buchdruckerkunst zu Bamberg. Bamberg: Enke, 1840, S. 148 · Ders.: Pantheon der Literaten und Künstler Bambergs, 3. Heft, 1813 · Heid, Max: Abt Gallus Knauer von Langheim: ein Förderer der Baukunst in Franken, in: Geschichte am Obermain. Lichtenfels 1965, S. 88–103.

Normdaten:

GND: 118991299 · BEACON-Findbuch · CERL: cnp00544322 · GSN: 052-01271-001

Zitierempfehlung: Knauer, Gallus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 26.11.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Knauer,_Gallus