Knauer, Mauritius

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Mauritius Knauer

Mauritius Knauer

Abt des Zisterzienserklosters Langheim 1649–1664

~ 14. März 1613 Weismain
09. Nov. 1664 Klosterlangheim

Mauritius (Moritz) Knauer wurde am 14. März 1613[1] als ältester Sohn des Bürgermeisters Moritz Knauer und seiner Frau Barbara Senft in Weismain bei Lichtenfels getauft. Sein Neffe Gallus Knauer, der das Kloster Langheim 37 Jahre lang regierte, von 1690 bis 1728, war der Sohn seines Bruders Ambrosius Knauer, Stadtschreiber, Organist und Notar in Weismain.

Seinen ersten Unterricht erhielt Moritz Knauer durch den Ortspfarrer und besuchte dann von 1628 bis 1629 das Collegium Ernestinum in Bamberg. Da sein Vater die Studiengebühren nicht aufbringen konnte, wurde Moritz Knauer von seinem Verwandten, dem späteren Langheimer Abt Nikolaus Eber, damals Pfarrer in Merkershausen, unterstützt. Wohl aus Dankbarkeit gegenüber Eber schlug er das Angebot seiner Lehrer, Jesuit zu werden, aus und trat 1630 in die Zisterzienserabtei Langheim ein. Im Februar 1632, als der Dreißigjährige Krieg den Obermain erreicht hatte und schwedische Reiter die Abtei Langheim plünderten, schickte Abt Eber Knauer mit zwei weiteren Konventualen in das Kloster Heiligenkreuz im Wienerwald, wo Knauer neun Jahre blieb. 1636 wurde er in der Wiener Schottenkirche zum Diakon geweiht und schrieb sich Ende 1637 an der Universität Wien ein (Philosophie, Theologie, Mathematik, Astrologie), wo er 1639 zum Magister promoviert wurde. Neben seinen Studien ordnete er das Heiligenkreuzer Stiftsarchiv, das sich damals (bis 1904) im Heiligenkreuzerhof in Wien befand. Am 22. September 1640 im Stephansdom zum Priester geweiht, war er dann in den inkorporierten Pfarren des Stiftes Heiligenkreuz tätig, unter anderem in Alland.[2]

1644 nach Langheim zurückgekehrt, wurde er 1645 Subprior und 1646 Prior. 1647/48 erhielt er vom Bamberger Fürstbischof Melchior Otto Voit von Salzburg, der die Zisterze Langheim finanziell unterstützen wollte, die Pfarrei Weismain, wo er bis 1650 blieb, und wurde einen Tag nach der Eröffnung der Universität Bamberg (Ottonianische Akademie), am 2. September 1648, zum ersten Doktor der Theologie der neugeschaffenen Lehranstalt promoviert.

Nachdem Abt Johann Gagel am 29. Juni 1649 in Vierzehnheiligen gestorben war, wurde Prior Knauer am 25. Juli 1649 unter dem Vorsitz des Visitators und Vaterabts Petrus Scherenberger von Ebrach zum Abt gewählt und am 29. Juli 1649 von Fürstbischof Melchior Otto investiert. Obwohl die ebenfalls anwesenden fürstbischöflichen Kommissare versucht hatten, die Wahl zu beeinflussen und auch selbst zwei Stimmen abgegeben hatten, hatte er nur drei Gegenstimmen erhalten. Die fürstbischöfliche Bestätigung jedoch musste sich Abt Knauer teuer erkaufen. Der Bischof nötigte ihm die Zusage ab, jährlich über den Vermögensstand des Klosters zu berichten, ohne bischöfliche Genehmigung nichts zu bauen und ohne sein Wissen keinen Mönch auf eine auswärtige Hochschule zu schicken. Außerdem sollte an allen Klostergebäuden das Wappen des Bischofs angebracht werden.

Als der auf der (angenommenen oder wirklichen) Reichsunmittelbarkeit des Klosters beharrende Knauer sich weigerte die Hoheit des Bischofs anzuerkennen, sich vom Ebracher Abt infulieren und von den Scheßlitzer Untertanen huldigen ließ, eskalierte die Lage schließlich im Mai 1652 zum sog. Knauerschen Klosterkrieg. Das Provinzialkapitel der oberdeutschen Zisterzienserkongregation forderte den Bischof auf, die Rechte Langheims zu respektieren und drohte mit einer Klage beim Kaiser. Der Bischof lud den Abt nach Bamberg vor und ließ, als dieser nicht erschien, das Kloster militärisch besetzten. Der vorgewarnte Knauer reiste zum Reichshofrat nach Prag und erreichte dort ein Reskript Kaiser Ferdinands III. gegen den Fürstbischof, wurde aber nach seiner Rückkehr neun Wochen und fünf Tage in Bamberg inhaftiert und musste schließlich, nachdem sich auch Abt Petrus auf die bambergische Seite gestellt hatte, dem Druck Melchior Ottos nachgeben und den Bischof 1652 als Landesfürsten und Protektor anerkennen.[3]

Am 9. November 1664 starb Mauritius Knauer nach 15-jähriger Regierung an den Folgen eines Schlaganfall, den er drei Tage zuvor erlitten hatte.

Hundertjähriger Kalender

Besonders bekannt ist Knauer heute für den auf seine meteorologischen und astronomischen Beobachtungen zurückgehenden sog. Hundertjährigen Kalender. Sein Manuskript Calendarium oeconomicum practicum perpetuum (1664) war für die Landwirtschaft des eigenen Klosters gedacht.

Seine Prognosen gingen von der Annahme aus, dass sich die Wetterlagen zyklisch wiederholen. Danach würden die Himmelskörper Mond, Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus und Merkur in festem Turnus jeweils ein Jahr lang von Frühlingsanfang bis Winterende das Wetter bestimmen. So könne man nach siebenjähriger Wetterbeobachtungen aus den gewonnen Daten die künftige Witterung vorhersagen zu können. Allerdings räumte Knauer ein, dass Kometen, Sonnen- und Mondfinsternisse als Störfaktoren wirken könnten. Er selbst dürfte seine Wetteraufzeichnungen in den Jahren 1652 bis 1658 durchgeführt haben.

Das Calendarium erschien erstmals 1704 in Kulmbach unter Knauers Namen. Später hat es der Erfurter Arzt J. Christoph von Hellwig überarbeitet. ergänzt und unter dem Titel Hundertjähriger Kalender in Druck gegeben (Weimar 1721). Dabei wurden auch die von Knauer für die Zeit von 1600 bis 1912 errechneten Planetentafeln eingefügt. Bis heute erscheinen Ausgaben des „Hundertjährigen“, obwohl seine meteorologischen Aussagen überholt sind. Das Original Knauers ist erst 1934 von E. Heimeran wiederentdeckt worden.

gge, Nov. 2019; der Abschnitt zum Kalender von H. J. Roth

  1. Dieses Datum gibt Jäck an. Auch am 15. September 1614 wurde ein Sohn „Mauritius“ derselben Eltern getauft, jedoch erscheint das Vorjahr plausibler.
  2. Nach seiner Rückkehr nach Langheim 1644 kommunizierte Kanuer bis zu seinem Tod 1664 brieflich mit den Heiligenkreuzer Äbten. Der Briefwechsel ist im Archiv des Stifts Heiligenkreuz erhalten, bisher aber nur ansatzweise ausgewertet.
  3. Der Streit um die Jurisdiktion des Bamberger Bischofs über Langheim wurde von den Nachfolgern Knauers weitergeführt (auch Alberich Semmelmann wurde inhaftiert) und erst von Abt Stephan Mösinger 1741 gelöst.

Daten:

Sac.: 22. Sep. 1640; Abbas: el. 25. Juli 1649.

Werke:

Calendarium oeconomicum practicum perpetuum. Staatsbibliothek Bamberg: R. B. Msc. 165 · Echter Hundertjähriger Kalender: aufgefunden und nach dem eigenhändigen Konzept des Abtes Mauritius Knauer von 1652 und den ältesten Handschriften zum ersten Male vollständig herausgegeben, verdeutscht und für das 20. Jahrhundert erläutert. München: Heimeran, 1934

Literatur:

Jäck, Joachim Heinrich: Biographie des Abbts Mauriz Knauer, Verfasser des hundertjährigen Kalenders. Erlangen: Joh. Jakob. Palm, 1813 · Dippold, Günter: Mauritius Knauer: Abt und Gelehrter, in: Ders. (Hrsg.): Weismain. Eine fränkische Stadt am nördlichen Jura. Band 2, Weismain 1996, S. 393–410 · Paas, J.: Der Langheimer Abt Mauritius Knauer als Arzt und medizinischer Schriftsteller, in: Bamberger Blätter für fränkische Kunst und Geschichte 4 (1927) Nr. 23 · Rieckenberg, Hans Jürgen: Knauer, Mauritius, in: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 12, Berlin: Duncker & Humblot, 1980, S. 160 f. · Paas, J.: Der Langheimer Abt Mauritius Knauer als Arzt und medizinischer Schriftsteller, in: Bamberger Blätter für fränkische Kunst und Geschichte I, 1927. Nr. 2-1 · Roth, Hermann Josef: Mauritius Knauer: Hundertjähriger Kalender, in: Die Zisterzienser: Köln, Bonn: Rheinland/Habelt, 1980, S. 648, Kat.-Nr. I 27.

Zitierempfehlung: Knauer, Mauritius, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 21.1.2020, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Knauer,_Mauritius