Kolb, Konrad

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Konrad II. Kolb OCist

Konrad Kolb OCist

2. Abt der wiederhergestellten Abtei Marienstatt 1898–1918

* 29. April 1852 Friesenhofen, Württemberg
† 21. Mai 1918 Dernbach, Westerwald

Konrad Kolb, Taufname Franz Xaver, wurde am 29. April 1852 als Sohn der Eheleute Konrad Kolb und Lidwina geb. Lingg im heute zu Leutkirch im Allgäu gehörenden Friesenhofen geboren, wo seine Eltern einen kleinen Bauernhof bewirtschafteten. Er kam mit elf Jahren in die Schule der Zisterzienserabtei Mehrerau am Bodensee und trat am 11. November 1869 in das Noviziat ein. Am 13. November 1870 legte er die Profess ab und wurde am 6. September 1874 zum Priester geweiht.

Schon vor der Priesterweihe ernannte ihn Abt Martin Reimann zum Lehrer und Subpräfekten der Klosterschule Mehrerau (Collegium Bernardi). Da er wegen einer Halskrankheit nur wenig am Chorgebet teilnehmen konnte, kam er im Herbst 1877, noch sehr jung, für zehn Jahre als Beichtvater in die Zisterzienserinnenabtei Wurmsbach, wo er auch als Religionslehrer am Mädchenpensionat tätig war. 1888 rief ihn Abt Maurus Kalkum zurück nach Mehrerau und ernannte ihn zum Großkellner (Verwalter) und 1890 zum Bursarius (Geldverwalter) und Bibliothekar. 1892 ging er als Beichtvater der Zisterzienserinnen nach Eschenbach und 1896 wieder nach Wurmsbach. Am 25. August 1898 wurde er unter dem Vorsitz von Abt Augustin Stöckli als Abt nach Marienstatt im Westerwald postuliert, einem Kloster, das er kaum kannte. Er hatte es nur 1890 einmal besucht, als Begleiter des Mehrerauer Abtes Maurus Kalkum anlässlich der Installation des ersten Abtes Dominikus Willi. Am 3. September 1898 erfolgte seine eigene Installation und am 11. September spendete ihm sein am 15. Juni 1898 zum Bischof von Limburg gewählter Amtsvorgänger die feierliche Benediktion.

Als nicht aus dem Marienstatter Konvent hervorgegangener Abt stand Konrad Kolb zunächst vor der Aufgabe, sich das Vertrauen und die Zuneigung der Klostergemeinschaft zu erwerben. Darüber hinaus bedurften die 1803 säkularisierten und erst seit 1888 wieder als Kloster genutzten Gebäude immer noch der Renovierung und Verbesserung, wofür allerdings nur wenig Geld vorhanden war. „Mit Klugheit und Umsicht“, wie es im Nachruf heißt, gelang es Abt Konrad, „die finanziellen Schwierigkeiten zu überwinden und und das mehr und mehr aufblühende Kloster auf sichere Füße zu stellen“. Er ließ die Wohngebäude renovieren und mit Licht, Wasser und Heizung ausstatten. Der Kreuzgang wurde gründlich erneuert und die Innenausstattung der Abteikirche durch den Einbau gotischer Altäre und neuer Glasfenster im Chorumgang verbessert. 1912 ließ Abt Kolb im nördlichen Querschiff eine neue Chororgel mit 44 Registern errichten (Organist war P. Dominikus Pamler, ehemals Domorganist in Passau).

Zur Förderung der wissenschaftlichen Bildung seiner Konventualen ließ er 1909 eine neue Bibliothek erbauen. Im Herbst 1910 eröffnete er – statt der 1908 wegen Unwirtschaftlichkeit geschlossenen Bierbrauerei – eine sechsklassige Oblatenschule zur Gewinnung und Ausbildung des Ordensnachwuchses und ließ dafür, anschließend an die Bibliothek, ein vierstöckiges Gebäude erbauen (Einweihung am 30. Aug. 1915). Gleichzeitig ließ er die St.-Anna-Kapelle erweitern und stellte sie den Oblatenschülern zur Verfügung. Sechs Mönche schickte er zum Studium und zur Erlangung von akademischen Graden auf auswärtige Universitäten; sie sollten als Lehrer an der Schule unterrichten oder an der theologischen Hauslehranstalt dozieren.

Neben der Tätigkeit im Kloster war Abt Konrad als Visitator der ihm zugeordneten Frauenklöster tätig, die er soweit möglich jedes Jahr persönlich besuchte. Für Thyrnau, das damals noch unter der Jurisdiktion des Bischofs von Passau stand, stellte er seit 1911 einen Beichtvater ab. In Oberschönenfeld hatte er kraft Delegation des Bischofs von Augsburg die Rechte eines Visitators. In Maigrauge (Magerau) in der Schweiz, das lange vom Orden getrennt gewesen war, war er seit 1901 als Subdelegierter des Bischofs von Lausanne-Genf tätig, nach Wiederherstellung der Exemption 1913 als Bevollmächtigter des Generalabts. Daneben besuchte er auch häufig seine ehemaligen Wirkungsstätten Wurmsbach und Eschenbach.

Zusätzlich zur Betreuung der Wallfahrt zum Gnadenbild der Schmerzensmutter von Marienstatt und vielen Seelsorgsaushilfen in der Umgebung wurde während Abt Konrads Regierungszeit eine große Zahl von Volksmissionen und Exerzitien für Priester, Welt- und Ordensleute gehalten. Einen großen Einschnitt brachte der Erste Weltkrieg, der mehrere Mönche und Laienbrüder zu den Waffen rief. Abt Konrad stellte das von ihm baulich erweiterte Pfortenhaus dem Roten Kreuz als Lazarett zur Verfügung und gab noch Lebensmittel und Geldbeträge dazu. Er starb nach 20-jähriger Regierung am 21. Mai 1918 im Krankenhaus Dernbach nach einer Bruchoperation und wurde am 25. Mai auf dem Klosterfriedhof beigesetzt. Das Requiem zelebrierte Bischof Augustin Kilian von Limburg. Ebenfalls anwesend waren die Äbte Hermann Renzel OSB von Merkelbeek-Siegburg und Laurentius Wimmer OCSO von Mariawald.

In der Cistercienser Chronik veröffentlichte Kolb Heiligenbiographien. Der Nachruf von P. Hugo Höver, dem späteren Prior von Hardehausen, beschreibt ihn als „würdevolle Erscheinung“ und „willensstarke, energievolle Persönlichkeit“. Zu seinem Nachfolger wurde der Rektor der Oblatenschule, P. Dr. Eberhard Hoffmann, gewählt, einer der Patres, die Abt Kolb hatte studieren und promovieren lassen.

gge, Feb. 2008, rev. Feb. 2016


Daten:

Vest.: 11. Nov. 1869; Prof.: 13. Nov. 1870 (Mehrerau), 1873; Sac.: 6. Sep. 1874; Abbas: el. 25. Aug. 1898, ben. 11. Sep. 1898.

Auszeichnungen:

Verdienstkreuz für Kriegshilfe (1917).

Werke:

Die Ehrwürdige Catharina. CistC 4 (1892) S. 20–25 · Die hl. Ascelina.: CistC 4 (1892) S. [193]–199, [225]–231 · Die selige Ida von Leeuwen. CistC 5 (1893) S. 129–140 · Die hl. Franca. Abtissin O. Cist. CistC 8 (1896) S. [97]–102, 137–143, 175–187.

Literatur:

Walter, Leodegar: In Christi Gefolgschaft, in: 100 Jahre Zisterzienser in Mehrerau. (= Mehrerauer Grüße, NF 1). Mehrerau, Sommer 1954, S. 79 · 100 Jahre Wiederbesiedlung Marienstatt. (= Marienstatter Aufsätze VI), Marienstatt, Buch- und Kunstverlag, 1988 · Höver, Hugo: Konrad II Kolb, Abt von Marienstatt †. Cistercienser Chronik 30 (1918), S. 161–168.

Zitierempfehlung: Kolb, Konrad, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 5.4.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Kolb,_Konrad