Konrad von Ebrach

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Repro eines Siegels auf einer Urkunde von 1384, Umschrift: s' fratris cunradi abbatis morimundi
Hauptstaatsarchiv München, Kloster Fürstenfeld Urk. 574

Konrad von Ebrach

lat. Conradus de Ebraco, Conradus Ebracensis

Zisterzienser der Abtei Ebrach, Professor der Theologie in Prag und Wien, Titularabt von Morimond während des Großen Schismas

* um 1330 Franken
† 9. Dez. 1399 bei Wien

Konrad war Mönch der Zisterzienserabtei Ebrach im Bistum Würzburg, dürfte aber die wenigsten Jahre seines bewegten Lebens in seinem Professkloster zugebracht haben. Als junger Mönch wurde er zum Studium der Philosophie und Theologie an das St. Bernhardskolleg in Paris geschickt. 1370 wurde er nach der Sentenzenlesung in Bologna zum Magister der Theologie promoviert. Seit 1375 finden wir ihn als Professor an der theologischen Fakultät der Universität Prag, wo er maßgeblich am Aufbau des neu gegründeten Zisterzienserkollegs mitarbeitete. 1384 kam es in Prag zu einem großen Exitus deutscher Professoren, weil der Kanzler der Universität Erzbischof Johannes von Jenzenstein der natio bohemica den überwiegenden Teil der Lehrerstellen zubilligte. Von diesem Auszug profitierten vor allem die jungen Universitäten Heidelberg und Wien. 1385 kam Konrad nach Wien an die erst ein Jahr vorher eröffnete theologische Fakultät. Er war Mitbegründer und erster Magister regens des unter der Aufsicht des Abtes von Heiligenkreuz stehenden St. Nikolaus-Kollegs der Zisterzienser. Bis zu seinem Tod blieb Konrad hoch geschätzter Lehrer der Gotteswissenschaft und beteiligte sich aktiv an der Entwicklung der Universität.

Zur Zeit des großen abendländischen Schismas 1378 bis 1417 waren die meisten internationalen Orden in eine Obedienz von Rom und von Avignon gespalten. Die römischen Päpste mussten die ihnen anhängenden Zisterzienser, deren Ordenszentrale Cîteaux im Bereich des Papstes von Avignon lag, neu organisieren. Für die Äbte von Deutschland, Böhmen, Polen und Skandinavien wurden ab 1379 mehrere Generalkapitel einberufen. Spätestens 1383 taucht ein Konrad „Abt von Morimund“ als von Urban VI. ernannter Visitator und Vorsitzender von Generalkapiteln auf. Dieser Konrad ist in der Äbtereihe von Morimund nicht unterzubringen. In Wirklichkeit ist es Konrad von Ebrach, dem der Papst diese anspruchsvolle Aufgabe übertragen hatte. Neben seinem Beruf als Theologieprofessor hatte er ausgedehnte Visitationsreisen zu unternehmen und war Vorsitzender der Generalkapitel in Wien 1393 und in der Abtei Heilsbronn 1394. Im Jahr 1399 leitete er die Wahl des Abtes Angelus von Rein.

Im Spätherbst 1399 grassierte in Wien eine pestartige Krankheit, die den Betrieb der Universität lahm legte. Konrad begab sich nach Heiligenkreuz. Von dort aus reiste er noch zu den Herzögen Albert und Wilhelm, die sich auf der Burg Neulengbach aufhielten. Dort oder auf der Reise starb Konrad und wurde wahrscheinlich in Heiligenkreuz beigesetzt. Am Tag der Unschuldigen Kinder, 28. Dezember 1399, hielt die Wiener Universität für ihr verstorbenes Mitglied statutengemäß die feierlichen Exequien, bei denen der Augustinereremit Magister Johannes von Retz einen Nachruf mit mehreren interessanten Informationen zur Biografie Konrads vortrug.

Von Konrads theologischem Hauptwerk Quaestiones super Sententias, einem vollständigen Kurs der katholischen Dogmatik und Moral, konnten bisher 13 Handschriften gefunden werden. Sie wurden – an einigen Stellen vermischt mit dem Sentenzenkommentar des Augustiners Dionysius de Montina – unter dem irreführenden Namen Dionysius Cisterciensis 1511 bei Poncet Le Preux in Paris gedruckt. Dazu kommen mehrere Traktate und Predigten.

Kassian Lauterer


Bibliographie:

 
  • Adolar Zumkeller: Der Zisterziensertheologe Konrad von Ebrach im Kampf um Thomas von Aquin. In: Cist Chron. 56 (1949) S. 1–24.
  • Kassian Lauterer: Konrad von Ebrach S.O.Cist. (+1399), Lebenslauf und Schrifttum. In: ACi 17 (1961) 151–214; 18 (1962) 60–120; 19 (1963) 3–50, auch als Separatdruck in: Editiones Cistercienses. Rom 1962 (Diss., Freiburg/CH, 1960).
  • Ders.: Konrad von Ebrach im Kampf um St. Bernhard. In: Cist.Chron. 66 (1959) S. 58–81.
  • Ders.: Johannes von Retz, Collatio in Exequiis Mag. Conradi de Ebraco. Ein Nachruf für Konrad von Ebrach In: Cist. Chron. 68 (1961) S. 23–40.
  • Ders.: Konrad von Ebrach. In: Verfasserlexikon Band 5, Berlin 1985, S. 160–162.
 

Normdaten:

GND: 11923453X · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Kassian Lauterer: Konrad von Ebrach, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 17.12.2010, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Konrad_von_Ebrach