Henricus Kuypers OCSO
1. Abt der Zisterzienserabtei Rochefort 1912–1948
* 2. Aug. 1874 Someren, Niederlande
† 12./20. März 1951 Rochefort
Henricus Kuypers (Kuijpers), geboren am 2. August 1874 in der niederländischen Provinz Nordbrabant als Sohn von Pieter (Peer) Kuijpers (1833–1888) und Hendrina van de Ven (1832–1902), trat als erster Postulant in das Zisterzienserkloster strengerer Observanz Notre-Dame de Saint-Remy in Rochefort (Belgien) ein und wurde am 28. Oktober 1891 als Novize eingekleidet.
1898 zum Priester geweiht, wurde er 1909 zum Subprior ernannt, und trat bereits am 21. November desselben Jahres die Nachfolge seines Vorgängers Anselmus Judong als Titularprior an. Drei Jahre später, am 7. Oktober 1912, wurde er zum ersten Abt des wiedererrichteten Klosters gewählt (24. in der Gesamtzählung). Die feierliche Benediktion durch Bischof Heylen von Namur fand am 21. November 1912 in der St.-Johannes-Kirche in ’s-Hertogenbosch statt. Zwei Wappensteine mit seinem Wappen schmücken noch heute die Fassade der Abtei.
Dom Henricus war ein Mann der Tat, pflegte gute Beziehungen zu den Behörden, zur Provinzregierung und sogar zu Mitgliedern des belgischen Königshauses, die ihn regelmäßig im Kloster besuchten. In den Jahren seiner vierzigjährigen Amtszeit erlebte St. Remy eine große Blüte. Es gelang ihm, zahlreiche niederländische und flämische Patres und Brüder zu gewinnen – was dazu führte, dass Niederländisch zur Hauptsprache im Herzen der französischsprachigen Ardennenregion wurde. Im Jahr 1900 zählte die Abtei 50 Ordensangehörige, 1931 erreichte sie mit 78 Mitgliedern (48 Mönche und 30 Brüder) ihren Personalhöchststand. Es waren so viele, dass Dom Henricus ernsthaft über eine Neugründung nachdachte, als das Noviziat 23 Mitglieder zählte. Die Konventstärke stabilisierte sich bis 1943 bei 75. Danach war der Rückgang – wie auch anderswo – unumkehrbar.
Abt Henricus wandelte die Abtei in eine vollständig autarke Gemeinschaft um. Auf dem von Bruder Bernardinus Welten aus Asten geleiteten Bauernhof wurden 80 Milchkühe zur Käseherstellung gehalten. Außerdem gab es große Ställe für Hühner und Schweine sowie über 150 Bienenstöcke. Die kleine Brauerei wurde modernisiert und um neue, wesentlich größere Braukessel erweitert. Es wurde ein Labor zur Qualitätsprüfung des Bieres eingerichtet, während das Rezept nur wenigen Mönchen bekannt blieb.
In der Nähe des Klosters befindet sich eine natürliche Quelle, die einen kleinen Bach, die Tridaine, speist; ihr Wasser wird für die Herstellung des „Rochefort-Trappistenbiers“ verwendet. Er leitete den aus dieser Quelle entspringenden Bach durch einen Graben im Kloster, wo ein großes Wasserrad installiert wurde, das eine Getreidemühle und eine eigene Stromerzeugung antrieb. Zudem besaß das Kloster einen Marmorsteinbruch, in dem die Mönche den bekannten Rochefort-Marmor gewannen. Als in den Jahren 1956–1957 in Someren-Eind eine neue Kirche errichtet wurde, fertigte man den Altar, die Seitenaltäre sowie das große Taufbecken aus diesem Rochefort-Marmor.
Dom Henricus Kuypers musste seine Abtei durch zwei Weltkriege führen; dabei setzte er alles daran, die Bewohner von Rochefort und der Umgebung zu unterstützen, damit sie diese entbehrungsreichen Zeiten überstehen konnten. Für seinen Einsatz wurde er sowohl vom Papst als auch vom belgischen König hoch ausgezeichnet.
Gegen 1948 setzte ein starker, altersbedingter geistiger Verfall ein, der seine Position untergrub und (obwohl auf Lebenszeit gewählt) Forderungen nach seinem Rücktritt laut werden ließ. Am 20. September 1948 feierte er sein goldenes Priesterjubiläum und legte am folgenden Tag sein Amt in die Hände des aus Rom angereisten Generalabts Dominique Nogues nieder. Er starb am 12. oder 20. März 1951.
gge, Feb. 2017, rev. Juli 2026
Daten:
Vest.: 28. Okt. 1891; Sac.: 1898; Abbas: el. 7. Okt. 1912, ben. 21. Nov. 1912, res. 21. Sep. 1948; Dev.: Plus amari quam timere (Lieber geliebt als gefürchtet werden).Literatur:
Sterbebild · Remy Lammers: De Abdij Notre-Dame de Saint-Remy in Rochefort, in: De Vonder, Jg. 22, Nr. 3 (2016), S. 13–14.Vorlage:Page.name: KUYPERS, Henricus OCSO (1874–1951) – Biographia Cisterciensis
