Leeb, Robert

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Kaiser Karl VI. übergibt die Abtei St. Gotthard an Abt Robert Leeb, Gemälde von Stephan Dorffmeister

Robert Leeb

55. Abt von Heiligenkreuz 1728–1755 und bedeutender Baumeister

* 23. Aug. 1688 Wien
† 15. Aug. 1755 ebd.

Robert Leeb, jüngster Sohn des Wiener Handelsmanns und Ratsherrn Zacharias Leeb (1649–1695), legte am 24. August 1704 Profess im Stift Heiligenkreuz ab und wurde 1712 zum Priester geweiht. Von Nov. 1712 bis Juni 1714 war er Sakristan in Heiligenkreuz und wurde dann bis Mai 1719 als Kellermeister in den Heiligenkreuzerhof in Wien versetzt. Von Mai 1719 bis September 1720 unternahm er – im Gefolge einer kaiserlichen Gesandtschaft nach Konstantinopel – eine 16-monatige Pilgerreise ins Heilige Land. Nach Heiligenkeuz zurückgekehrt, war er dort nacheinander Küchenmeister, Bibliothekar und Novizenmeister bis er im September 1728 zum Abt gewählt wurde.

Robert Leeb entfaltete eine rege Bautätigkeit im Stift und seinen Filialkirchen; u.a. ließ er die von seinem Vorgänger Abt Klemens Scheffer erbaute Bernhardskapelle des Heiligenkreuzerhofes in Wien renovieren, die 1730 in einem beinahe völligen Neubau vollendet wurde. 1736 ließ er das Gartenschloss seines Vaters im Augarten (Palais Leeb oder Augarten-Palais) erweitern, das das Stift 1780 mit beträchtlichem Gewinn an Kaiser Josef II. verkaufte. 1740 wurde der 1734 begonnene Neubau des barocken Filialkirchleins St. Ulrich in Siegenfeld fertiggestellt. Im Stift Heiligenkreuz ließ Abt Robert von Martino Altomonte zwei Altarbilder für die Kirche und später das große Bild für das Sommerrefektorium anfertigen (1741). Im Stiftshof wurden die von Leebs Vorgänger Gerhard Weixelberger nach der Pestepidemie von 1713 gelobte Dreifaltigkeitssäule (Pestsäule) und der Josefsbrunnen errichtet.

Besonders förderte Leeb die Verehrung der Kreuzreliquie, deren heute noch erhaltene barocke Einfassung auf seinen Entwurf zurückgeht (1729). Er ließ die barocken Kreuzwegstationen errichten und gründete eine Bruderschaft zur Ehren des hl. Kreuzes.

1734 konnte Leeb die seit 1570 in den Türkenkriegen untergegangene westungarische Abtei Szentgotthárd (Sankt Gotthard) mit allen ihren Besitzungen für den Zisterzienserorden zurückgewinnen und mit Mönchen aus Heiligenkreuz wiederbesiedeln. Durch Diplom Kaiser Karls VI. vom 29. Juli 1734 wurde St. Gotthard „für immerwährende Zeiten" mit Heiligenkreuz vereint. 1738 reiste Abt Robert persönlich zum Generalkapitel nach Cîteaux, um auch von Seiten des Ordens die Bestätigung für die Vereinigung beider Abteien zu erlangen, die ihm auch gewährt wurde. Das Generalkapitel ernannte ihn zum Generalvikar für alle österreichischen und ungarischen Zisterzienserklöster. Die Fertigstellung der seit 1740 in St. Gotthard – unter größten finanziellen Anstrengungen – im Stil des Barock neuerrichteten Gebäude (Kloster und Kirche) erlebte Robert Leeb nicht mehr. Die Einsegnung der Abteikirche nahm sein Nachfolger Abt Alberik Fritz 1764 vor.

Abt Robert starb am 15. August 1755 in Wien und wurde in der »Totenkapelle« des Stiftes Heiligenkreuz beigesetzt. Nach seinem Tod zeigte sich die enorme Schuldenlast von über 400.000 Gulden, die alle Kräfte des Stiftes zu übersteigen schien, so dass Kaiserin Maria Theresia zunächst keine neue Abtwahl erlauben wollte. Erst die Intervention des Abtes von Zwettl, Rainer Kollmann, brachte es dahin, dass am 16. Januar 1756 doch zur Abtwahl geschritten werden durfte. Gewählt wurde der Administrator von St. Gotthard, Alberik Fritz.

Wappen

Abt Roberts Wappen zeigt rechts oben die Schwurhand des Stiftes Heiligenkreuz, links Anker, Jerusalemer Kreuz, Löwe, unten Stift Gotthard. Sein Wahlspruch: mit Hoffnung und Starkmut.

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Daten:

Prof.: 24. Aug. 1704; Sac.: 3. Jan. 1712; Abbas: el. 13. Sep. 1728, conf. 7. Okt. 1728 (Kaiser Karl VI.), inst. 21. Okt. 1728.

Werke:

Der andächtige Pilgrim: oder Beschreibung der Reise, welche der ... Herr Robertus, des... Closters Unser Lieben Frauen zum heiligen Creutz im Wald... Abt ... in das heilige Land und nach Jerusalem glücklich hinterleget ; Aus dem Lateinischen ins Teutsche übersetzet von Jasander. Nürnberg: Johann Adam Schmidt, 1740.

Literatur:

Georg Krones: Robert Leeb, der letzte Barockabt von Heiligenkreuz (1688–1755). Phil. Diss. Wien 1935. Postum veröffentlicht in: ASOC Bd. 11 (1955), S. 45–138. · Gsell, Benedikt: Die Abtei Heiligenkreuz in Nieder-Oesterreich, in: Brunner, Sebastian: Ein Cisterzienserbuch. Würzburg 1881, S. 52ff., bes. S. 99–102.

Normdaten:

GND: 139172955 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Leeb, Robert, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 31.1.2016, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Leeb,_Robert