Lenzburg, Bernhard Emmanuel

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Bernhard Emmanuel von Lenzburg

Bernhard Emmanuel von Lenzburg

Abt des Klosters Hauterive 1761–1795; Bischof von Lausanne 1782–1795

~ 29. Nov. 1723 Freiburg/Schweiz
† 14. Sep. 1795 Freiburg/Schweiz

Bernhard von Lenzburg, Taufname Emmanuel, zweiter Sohn des Offiziers Jean-Antoine Lentzburger (1692–1755) und der Marie-Ursule de Vevey (1691–1765), stammte aus einer in Freiburg in der Schweiz ansässigen Familie, die 1766 mit der Nobilitierung des ältesten Sohnes[1] die Erlaubnis erhielt, den Namen Lentzburger in „von Lenzburg“ (de Lentzbourg) umzuwandeln. Nach dem Besuch des Jesuitenkollegiums St. Michael in Freiburg trat er in die Zisterzienserabtei Hauterive (Altenryf) ein, legte 1741 die Profess ab und wurde 1747 zum Priester geweiht. Bei der Wahl seines Vorgängers Emmanuel Thumbé 1754 wird er als Prokurator genannt. Nach Thumbés Tod wurde er am 6. Dezember 1761 zum Nachfolger gewählt, am 21. September 1761 durch Generalabt François Trouvé und am 26. September 1763 durch Papst Clemens XIII. bestätigt. Die Benediktion erhielt er am 21. November 1763 in der Abteikirche durch Bischof Joseph-Nicolas de Montenach von Lausanne.

Obwohl Abt Bernhard die Abtei mit einem Schuldenstand von 80.000 Livres übernommen hatte, konnte er 1765–1770 den Bau des Westflügels der Abtei im barocken Stil vollenden und das Gut Vuisternens-devant-Pont erwerben. Die Freiburger Regierung zwang die Abtei jedoch, ein Drittel ihrer Güter zum Schuldenabbau zu verkaufen. 1768 wurde Abt Bernhard vom Generalkapitel zum Mitglied der aus fünf Äbten bestehenden Kommission zur Erarbeitung neuer Ordensstatuten ernannt und hielt sich zu diesem Zweck im Juli 1770 im Collège St Bernard in Paris auf. Als Delegierter des Nuntius Giovanni Battista Caprara promulgierte er mit anderen Delegierten der Freiburger Stände 1778 die päpstliche Bulle über die Auflösung der Kartause La Valsainte. Sie wurde 1791 von französischen Zisterziensern unter der Führung Augustin de Lestranges wiederbesiedelt.

Angesichts des Widerstands der Freiburger Regierung gegen die Wahl des ehemaligen Jesuiten Niklaus Albert von Diesbach zum Bischof, ernannte Papst Pius VI. Lenzburg 1782 zum Bischof von Lausanne (mit Sitz in Freiburg). 1783 wurde er in der Abteikirche von Bellelay (OPraem) durch den stellvertretenden Bischof von Basel, Johann Baptist Joseph Gobel, geweiht. Dem Abt Sebastian Steinegger von Wettingen schrieb er nach seiner Wahl, dass er wohl gezwungen worden sei, das Bischofskleid zu tragen, dass aber sein Herz dem Orden treu bleiben werde. Obwohl ihm der Papst mit Breve vom 1. März 1783 gestattete, die Abtei Hauterive zu behalten, hatte Bischof Lenzburg am 23. Januar 1783 auf die wirtschaftliche Leitung des Klosters verzichtet. Für diese setzte die Freiburger Regierung einen Mönch als Administrator ein.

Bischof Lenzburg visitierte bis 1786 seine Diözese, veröffentlichte 1785 einen neuen Katechismus[2] und begann 1787 mit Hilfe des Chorherrn Charles-Aloyse Fontaine (ein ehemaliger Jesuit) die Reform des Diözesanbreviars nach dem Modell der Breviere von Paris und Besançon. Einer Erneuerung der katholischen Kirche stand er zwar offen gegenüber, kritisierte aber antireligiöse Tendenzen der Aufklärung und verurteilte revolutionäre Schriften. 1784 wurde er zum Visitator der Kapuziner in Montorge bestellt, 1788 übertrug ihm König Ludwig XVI. das Priorat Prévessin in Kommende. Nach dem Tod des Bischofs Raymond de Durfort 1792 wurde er apostolischer Administrator des Erzbistums Besançon und der Diözese Belley. Er ernannte zwölf Generalvikare und rügte den verfassungstreuen Klerus Frankreichs. Zahlreiche französische Bischöfe, Priester und Ordensleute, die wegen der Französischen Revolution ins Exil gezwungen waren, nahm er in seinem Bistum auf.

Abt Lenzburg war ein gelehrter Mann. Er bereicherte die Bibliothek, befasste sich mit der Geschichte des Klosters Hauterive und der Diözese Lausanne und stand mit zahlreichen Gelehrten wie Beat Fidel Zurlauben in Briefwechsel. 1786 wurde er Ehrenmitglied der Akademie von Besançon. Er hinterließ wissenschaftliche Arbeiten in Manuskripten, die sich heute in Freiburg befinden.

Bernhard Emmanuel von Lenzburg starb 1795 in Freiburg und wurde in der Kapuzinerkirche bestattet.

gge, Nov. 2018

  1. Simon Nicolas Lenzburger (1717–1806), Offizier in französischen Diensten, 1766 französischer Graf von Lenzburg, 1783 italienischer Graf von Porto Reale, Bernhard-Emmanuels älterer Bruder.
  2. Catechisme, ou Abrege de la Doctrine Chretienne: A L'Usage de La Jeunesse & de Tous Les Fideles du Diocese de Lausanne.

Daten:

Prof.: 29. Nov. 1741; Sac.: 23. Dez. 1747; Abbas: el. 6. Sep. 1761, ben. 21. Nov. 1763, Ep.: nom. 2. Nov. 1782, cons. 24. Aug. 1783.

Werke:

Collectio episcopalis Lausannensis · Lausanna Christiana (d. h. Histoire des Evêques de Lausanne) 1789 · Copies des Bulles, Chartes, Titres, Privileges et Donations de l’Abbaye de Hauterive · Notices sur les couvents de femmes ä la Maigrauge (Magerau) près Fribourg et á la Fille-Dieu-sous-Romont, les deux dépendants de l’Abbaye d'Hauterive · Anecdotes Fribourgeoises (Chronique) · Les Hommes illustres et célèbres de la ville et canton de Fribourg (savants, officiers, etc.).

Literatur:

Georg von Wyß: „Lenzburg, Bernhard Emanuel von“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 18, Leipzig: Duncker & Humblot, 1883, S. 280 · Marie-Anne Heimo / MD: „Lenzburg, Bernhard Emmanuel von“, in: Historisches Lexikon der Schweiz. 30. November 2007 · Helvetia Sacra I/4, S. 165–167 und III/3, S. 237–240 (Jean-Pierre Renard).

Normdaten:

GND: 136636594 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Lenzburg, Bernhard Emmanuel, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 26.11.2018, URL: http://www.biocist.org/wiki/Lenzburg,_Bernhard_Emmanuel