Müller, Gregor

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Gregor Müller OCist

Gregor Müller OCist

Zisterzienser der Abtei Wettingen-Mehrerau; Begründer und erster Redakteur der Cistercienser Chronik

* 24. Aug. 1842 Baden, Aargau
† 02. Jan. 1934 Mehrerau, Bregenz

Gregor (Rudolf) Müller, Sohn des Jakob Müller und der Anna geb. Herzog, trat nach dem Schulbesuch in Baden und Mehrerau 1861 als Novize in die Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau ein und legte am 2. Februar 1862 die Profess ab. Das Studium der Philosophie und Theologie absolvierte er an den Hauslehranstalten Einsiedeln und Mehrerau und wurde am 6. April 1866 zum Priester geweiht. Sogleich wurde er am Privatgymnasium Mehrerau als Lehrer für Deutsch und Französisch eingesetzt. Im Kloster wurden ihm die Aufgaben des Abt- und Kapitelsekretärs anvertraut. 1872 bis 1888 leitete er als Großkellner die Verwaltung des Klosters. 1888 bis 1895 war er Prior. Bei der Erfüllung dieser Aufgaben war er äußerst korrekt und streng. Die Verpflichtungen des monastischen Lebens, besonders das Chorgebet, die Nutzung der Arbeitszeit und das Schweigen im Kloster erfüllte er beispielhaft, verlangte sie aber auch von den Mitbrüdern.

1889 gründete er mit Zustimmung des Abtes Maurus Kalkum die monatlich erscheinende Zeitschrift Cistercienser Chronik. Damit beschritt er Neuland. In keiner Sprache gab es bisher ein regelmäßig erscheinendes Sprachrohr der Zisterzienser. Die Klöster, welche die Aufhebungswellen des Josephinismus, der französischen Revolution und der Säkularisierung überlebt hatten, lebten weithin isoliert. Gregor Müller wollte durch Mitteilungen aus dem Gegenwartsgeschehen des Ordens das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit wecken und stärken. Das Leben und Wirken heiliger und anderer bedeutender Frauen und Männer des Ordens, die Schicksale ehemaliger Klöster sollten erforscht und das Interesse an der Liturgie und den Gebräuchen des Ordens geweckt werden. Jedes Heft enthielt kurze Nachrufe für die verstorbenen Schwestern und Brüder sowie Anzeigen und Besprechungen neu erschienener Bücher und Aufsätze über den Orden. Es gelang, im und außerhalb des Ordens gute Mitarbeiter und Korrespondenten zu finden. Ein großer Teil der Beiträge stammt aus der Feder des Redakteurs, genau gesagt aus seinem Federkiel, dem er bis zum Tod treu blieb.

Obwohl Autodidakt, eignete sich Gregor Müller solide Kenntnisse der Quellen und Literatur zur Zisterziensergeschichte an, die er gründlich, klar und kritisch auswertete und sprachlich gediegen darstellte. Seine Aufsätze zur ursprünglichen Struktur, der Liturgie und den Gebräuchen des Ordens, zu heiligen und vorbildlichen Mönchen und Nonnen, zeitigten vielfach in den Klöstern eine Erneuerung des Ordensgeistes und klösterlichen Lebens. 45 Jahre lang war Pater Gregor Schriftleiter der Zeitschrift. Neben P. Leopold Janauschek vom Stift Zwettl kann Gregor Müller als Nestor der Zisterzienser-Geschichtsschreibung gelten. In Anerkennung seiner Verdienste um die Cistercienser Chronik verlieh ihm Papst Leo XIII. das silberne Ehrenkreuz pro ecclesia et pontifice.

Obwohl krank und fiebrig, arbeitete Müller am ganzen Neujahrstag 1934 am Januarheft seiner Chronik. Am nächsten Tag starb er im 92. Alters- und 70. Professjahr als Senior des gesamten Ordens.

Kassian Lauterer


Daten:

Vest.: 1. Feb. 1861; Prof.: 2. Feb. 1862, 16. April 1865; Sac.: 8. April 1866

Werke:

 
  • Der hl. Petrus II. Erzbischof von Tarentaise O. Cist. Separatdruck aus der Cistercienser Chronik, Bregenz 1891.
  • Aus Cîteaux in den Jahren 1719 bis 1744. In: CistC 11 (1899) bis 15 (1903).
  • Studien über das Generalkapitel. In: CistC 12 (1900) bis 20 (1908), über 400 Seiten.
  • Vom Cistercienser Orden. Sonderdruck aus CistC 37 (1925) bis 39 (1927), Bregenz 1927.
 

Bibliographie:

 
  • Dominicus Willi, Album Wettingense, Limburg 1904, Nr. 855, S. 198–200.
  • Maurus Stratz, P. Gregor Müller (Nachruf). In: CistC 46 (1934) S. 37–50.
  • Kassian Haid, P. Gregor Müller als Ordenshistoriker. In: CistC 46 (1934) S. 50–56.
  • Guido Hendrix, Müller Gregor. CistC 1 (1889) bis 100 (1994) Autoren- und Personenverzeichnis, Gent 2002, S. 69–84 (= sämtliche gezeichneten Artikel).
 

Normdaten:

GND: 117588385 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Kassian Lauterer: Müller, Gregor, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 28.9.2012, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/M%C3%BCller,_Gregor