Müller, Leonhard

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Leonhard Müller

Leonhard Müller

58. und letzter Abt des Klosters Eberbach 1795–1803

* 21. Jan. 1745 Rüdesheim
† 18. Dez 1818 Rüdesheim

Leonhard Müller, Taufname Laurentius, war einer der fünf Söhne des Oberschultheißen Johannes Müller und seiner Ehefrau Maria Magdalena, geb. Reusch, und Enkel des reichen Rüdesheimer Marktschiffers Cornelius Müller (1684–1713). Er trat 1765 im Alter von 20 Jahren in die Zisterzienserabtei Eberbach ein, legte am 29. Juli 1766 (zugleich mit fr. Albert Müller, vielleicht sein Bruder) die Profess ab und wurde am 30. Juni 1771 Priester[1]. 1787 wurde er Seelsorger (Propst) des Eberbach unterstellten Frauenklosters Marienhausen (Aulhausen) und am 6. Juli 1795 zum Abt gewählt. Seine kurze Amtszeit ist geprägt von den Revolutionskriegen, dem jahrelangen Wüten französischer Revolutionstruppen, die die Mönchsgemeinschaft zeitweise (19. Juli 1796–1797) zur Flucht zwangen, und der Aufhebung des Klosters Eberbach 1803. Mit 22 Patres und neun Novizen musste Abt Leonhard sein Kloster am 27. November 1803 für immer verlassen.

Nach der Ausweisung lebte Abt Leonhard, mit einer staatlichen Pension versehen[2], im Haus seines Bruders, des Bürgermeisters Josef Müller, in Rüdesheim und übernahm noch geistliche Dienste an der Pfarrkirche. Zu seinen im Rheingau und darüber hinaus verstreuten Mitbrüdern hielt er regen Kontakt, auch mit dem ehemaligen Eberbacher Bursar und Chronisten P. Hermann Bär, dessen Manuskript der Diplomatischen Geschichte der Abtei Eberbach er nach Bärs Tod 1814 sichern und dem Nassauischen Verein für Altertumskunde übergeben konnte, der es 1855 drucken ließ. Abt Leonhards leiblicher Bruder P. Joh. Anton Müller OPraem nahm ebenfalls in Rüdesheim Wohnung und versah von 1794 bis 1809 das Amt des Frühmesners. P. Bernhard Ittstein OCist wohnte mit dem Abt im selben Haus.

Nach seinem Tod 1818 wurde Abt Leonhard auf dem Friedhof an der Südseite der Rüdesheimer Jakobuskirche bestattet. Bei der Vergößerung der Kirche 1905 wurden seine Gebeine in das Kircheninnere umgebettet. Eine exakte Lokalisierung der Grabstätte in der Kirche ist wegen der Zerstörungen infolge der Bombardierung 1944 nicht mehr möglich; eine Gedenkinschrift im Fußboden des Kirchenneubaus erinnert an ihn.

Prachtvolle Messgewänder und ein kostbarer Kelch aus seinem Nachlass befinden sich heute im Besitz der Rüdesheimer Kirchengemeinde, vielleicht auch sein Brustkreuz und sein Ring, die ihm aber nicht sicher zugeordnet werden können. Sein Abtstab ging im Zweiten Weltkrieg im Landesmuseum Mainz unter.

gge, Dez. 2018

  1. Die anonyme Abtschronik Abbatum Eberbacensium series chronologico-biographica ex diplomatis et coaevis monumentis (im Liber continens Nomina Professorum Eberbacensium, 1750–1818, HStA Wi Abt. 22, Nr. 628) hat das Datum 25. Mai 1771. Vielleicht ist das frühere das Weihedatum und das spätere der Tag der Primiz?
  2. 2550 Gulden, freie Wohnung mit Garten und eine Equipage mit zwei Pferden.

Daten:

Prof.: 29. Juli 1766; Sac. oder Prim.: 30. Juni 1771; Abbas: el. 6. Juli 1795, ben. 30. Aug. 1795.

Literatur:

Meyer zu Ermgassen, Heinrich: Die letzten Mönche von Ebersbach, in: Nassauische Annalen 103 (1992), S. 77–114 · Göttert, Rolf: Das Schicksal eines Rüdesheimers. Laurentius Müller (1745–1818), in: Rheingau-Forum. Zeitschrift für Wein, Geschichte, Kultur 3 (1994), S. 24–26 · Domarus, Max: Kleine Beiträge zur Geschichte des Rheingaus 1. Die letzten Eberbacher Mönche und Novizen, in: Nassauische Heimat 6, 1 (1926), S. 1–4. Ergänzungen ebd. 7,10 (1927), 10, S. 78–79.

Zitierempfehlung: Müller, Leonhard, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 9.12.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/M%C3%BCller,_Leonhard