Müller, Verena II

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Verena Müller

Verena Müller

Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Magdenau 1777–1808

* 03. Feb. 1729 Zug
† 21. Juni 1808 Magdenau

M. Verena VI. Müller, oder Verena Müller II. [1], Taufname Katharina, war eine Tochter des Zuger Magistraten und Landvogts Franz Paul Müller im Roost (1692–1754) und der Brigitta von Brandenberg und eine Schwester des Abtes Peter Müller (reg. 1762–1765) von Wettingen. Ihr Bruder Franz Leonzf (1724–1775) war Chorherr im Stift Bischofszell, ein anderer Bruder, Franz Michael (1740–1810), Kastvogt des Franziskanerinnenklosters Mariä Opferung in Zug, später Landamman.

Verena legte am 4. Juli 1745 in der Zisterzienserinnenabtei die Profess ab. 1774 war sie Schreiberin und spätestens 1777 Kellnerin (Cellerarin). Am 11. August 1777 unter dem Vorsitz des Vaterabtes Sebastian Steinegger von Wettingen zur Äbtissin gewählt, wurde sie am 24. August 1777 von Generalabt François Trouvé bestätigt und am 5. Oktober 1777 von Abt Sebastian benediziert. Am 19. August 1777 erbat sie von Fürstabt Beda Angehrn von St. Gallen, dem Landesherrn, die Fisch- und Jagdrechte innerhalb ihres Gerichtsbannes; die übrigen st. gallischen Lehen übernahm in ihrem Namen der neu bestellte Vogt Ignaz Neff am 24. Oktober 1781 im Hofe zu Wil.

Äbtissin Verena leitete die Angelegenheiten des Klosters mit Geschick und der Hilfe einflussreicher Freunde und Verwandter, u.a. des Landvogtes Müller v. Friedberg. In ihrer Amtszeit kam es zu zahlreichen Gütermarkungen und Zehntbeschreibungen. Auch die von ihrer Vorgängerin Josepha Barbara Ochsner begonnene umfangreiche Bautätigkeit führte sie weiter; das Sprechgitter trägt noch heute ihr Wappen.[2] Schwierigkeiten gab es mit der Verwaltung der Weinberge in Weinfelden und mit dem Kostenanteil des Klosters an der neuerbauten Straße durch das Toggenburg. Eine große Belastungsprobe hatte das Kloster in der Zeit der Helvetik zu bestehen, als es einen großen Teil seiner Besitzungen und im Februar 1798 die Gerichtsbarkeit (und damit einen großen Teil seiner Einnahmen) verlor und unter staatliche Verwaltung kam. Dazu kam das Novizenaufnahmeverbot.

Eine Urkunde von 1792 enthält ein Verzeichnis der aus Frankreich und Deutschland Emigrierten, die im Kloster unterkamen. Die Invasion der Schweiz durch französische Revolutionstruppen 1798 brachte dem Kloster hohe Abgaben in Geld und Naturalien (Weinlieferungen) und mehrfache Einquartierungen von etwa 200 Soldaten mit ihren Pferden. Die Ausführungsbestimmungen zur Mediationsakte von 1803 gewährleisteten die Weiterexistenz des Klosters und legten ihm Steuern auf, die Äbtissin Verena zum erstenmal am 2. Juni 1806 bezahlte.

Am 21. Juni 1808 meldeten Priorin und Konvent von Magdenau den übrigen Klöstern den am selben Tag eingetretenen Tod der Äbtissin Verena Müller im 80 Lebensjahr und im 32. ihrer Regierung. Im Totenbuch heißt es: „War ein Frau von grossem Verstand und Tugend“.

gge, Dez. 2018

  1. Es hatte im 17. Jahrhundert schon einmal eine Äbtissin Verena Müller gegeben.
  2. Nacheinander erstanden acht Bauernhäuser und 16 Scheunen; auf 19 weiteren Pachthöfen ließ sie größere bauliche Veränderungen durchführen. 1781 erhielt die große Stube im Gastflügel ein neues Aussehen. Die Prälatengemächer wurden instand gesetzt, 1783 Küche und Kräuterkammer neu hergerichtet. 1787 wurde die kleine Mühle bei St. Verena ausgebessert und 1789 eine Feuerspritze erworben. Der 1791 angestellte Baumeister Hans Jerg Waldner ließ das uralte Bauernhaus Noteshoven niederreißen und ein großes Gebäude, den späteren Gasthof zum Rössli, bauen. Auch wurden das Mesnerhaus samt Scheune und fast gleichzeitig der Anstoss des Bannwarts Johann Fischbach neu gebaut. Für die Kirche wurde 1778 eine neue Monstranz, später auch eine kleine Orgel erworben. 1794 gab sie eine neue große Orgel in Auftrag.

Daten:

Prof.: 4. Juli 1745; Abbatissa: el. 11. Aug. 1777, ben. 5. Okt. 1777.

Literatur:

Helvetia Sacra III/3 (1982), S. 793 · Helvetia Sacra II. Teil (1861), S. 120 · Hardegger, August: Die Cisterzienserinnen zu Maggenau. St. Gallen: Zollikofer, 1893 · Gruber, Eugen: Geschichte des Klosters Magdenau von seiner Gründung 1244 bis 1944. Ingenbohl: Theodosius-Buchdruckerei, 1944, 1954.

Zitierempfehlung: Müller, Verena II, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 19.12.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/M%C3%BCller,_Verena_II