Maier, Gerhard

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Gerhard Maier OCist
Foto: Abtei Mehrerau

Gerhard Maier OCist

1. Abt der erneuerten Abtei Sittich/Stična

* 13. Nov. 1855 Steinberg, Württemberg
† 20. Mai 1926 Luzern

Gerhard Maier, Taufname Simon, wurde am 13. November 1855 in Essendorf, Pfarrei Steinberg (Oberamt Laupheim), als Sohn wohlhabender Bauern geboren. Er besuchte die Lateinschule in Ravensburg und das Jesuitenkollegium Maria-Hilf in Schwyz (1873–1876) und studierte nach dem Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger drei Jahre Theologie am bischöflichen Seminar in Dillingen. 1879 trat er in die Zisterzienserabtei Mehrerau am Bodensee ein, u.a. weil er kein deutsches Abitur und daher schlechte Berufsaussichten als Weltpriester hatte. 1880 legte er vor Abt Maurus Kalkum die Profess ab und wurde nach dreijährigem Studium an der Hauslehranstalt 1883 zum Priester geweiht. Die Weihe spendete ihm der Generalvikar von Feldkirch Simon Aichner, Bischof von Sebaste i.p.i., in der Mehrerauer Abteikirche.

Nach der Priesterweihe unterrichtete er die Schüler des Collegium Bernardi, v.a. in Deutsch, Latein und Griechisch (1883–1886, 1895–1897). Am 20. August 1888 zog er mit der Gründerkolonie nach Marienstatt im Westerwald. Von 1888 bis 1895 war er dort Kantor und Cellerar, von 1894 bis 1895 dazu noch Pfarrvikar. Am 27. Juli 1895 rief ihn Abt Augustin Stöckli als Prior und Vestiar nach Mehrerau zurück. Am 1. Februar 1896 wurde er, wie damals alle Mehrerauer Stiftsprioren, vom Hl. Stuhl zum Apostolischen Notar ernannt.

Am 21. April 1898 zum Prior und Administrator der wieder erworbenen, 1784 säkularisierten Zisterzienserabtei Sittich (Stična) im damaligen österreichischen Kronland Krain (Slowenien) ernannt, reiste er schon am nächsten Tag mit der Gründungskolonie dorthin. Am 29. April 1903 bestätigte die Religiosenkongregation Maiers Ernennung zum Abt und am Fest Peter und Paul (29. Juni.) wurde er durch den Fürstbischof Jeglič von Laibach – unter Assistenz der Äbte von Mehrerau (Eugen Notz) und Marienstatt (Konrad Kolb) – feierlich benediziert.

Zunehmende innere und äußere Spannungen und wohl auch finanzielle Schwierigkeiten führten schließlich dazu, dass Abt Maier bei Generalabt Amadeus de Bie seine Resignation einreichte, die im Mai 1912 gewährt wurde. Schon am 16. April hatte er Sittich verlassen und sich zur Erholung nach Zemunica in Dalmatien begeben. Danach hielt er sich einige Jahre im Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal in Sachsen auf und ging 1922 in die Propstei Birnau bei Überlingen am Bodensee. Hier verbrachte er die nächsten Jahre, unterbrochen durch verschiedene Aufenthalte in Mehrerau, wo er zeitweise auch Moraltheologie lehrte (1924/25). Abt Kassian Haid übertrug ihm den Posten des Beichtvaters im Zisterzienserinnenkloster Eschenbach, Luzern. Schon länger leidend starb er dort wenige Monate später (20. Mai 1926), nach einer Operation, in der St.-Anna-Klinik in Luzern, und wurde auf dem Klosterfriedhof Eschenbach beerdigt.

gge, Jan. 2008, rev. März 2017


Daten:

Vest.: 29. Sep. 1879; Prof.: 30. Sep. 1880 (Mehrerau); Sac.: 21. Okt. 1883; prim.: 28. Okt. 1883; Abbas: nom. 14. April 1903 (Sittich), ben. 29. Juni 1903 (Fbf. Jeglič), res. 14. Mai 1912.

Literatur:

Walter, Leodegar: In Christi Gefolgschaft, in: 100 Jahre Zisterzienser in Mehrerau. (= Mehrerauer Grüße, NF 1), Mehrerau, Sommer 1954, S. 79f. · 100 Jahre Wiederbesiedlung Marienstatt. (= Marienstatter Aufsätze VI), Marienstatt, Buch- und Kunstverlag, 1988, S. 149 · Stratz, Maurus: Cistercienser Chronik 38 (1926) S. 268–276 [Nachruf].

Zitierempfehlung: Maier, Gerhard, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 29.7.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Maier,_Gerhard