Antoine Marietti
Oberer bzw. Abt des Klosters Novalesa/Mont-Cenis
* um 1773 Bernex
† 31. Dez. 1820
Antoine Marietti (eigentlich Mariettaz), Taufname François, aus Bernex in Savoyen, trat 1791 in die Zisterzienserabtei Tamié ein. Als Napoleon 1801 dem Restkonvent der 1792 von den Revolutionären aufgehobenen Abtei gestattete, das Hospiz am Mont-Cenis (ital. Moncenisio), einer wichtigen Passstraße über die Alpen, zu führen, war er 28 Jahre alt.
Er war Ökonom und Verwalter (Prokurator) der zum Mont-Cenis gehörenden Güter, später auch Pfarrer der neugegründeten Pfarrei und Prior. Nach dem Tod des Abtes Antoine Gabet († 1813) hatte er von 1814 bis 1820 die Leitung der (autokephalen) Gemeinschaft.
Als Viktor Emanuel I. 1815 auf den Thron seiner Vorfahren zurückkehrte, gewährte die sardische Regierung dem Hospiz am Mont Cenis eine jährliche Zuwendung von 18.000 Francs als Ausgleich für sämtliche Einkünfte, die ihm zuvor von der französischen Regierung zugewiesen worden waren und nun an die königliche Verwaltung zurückfielen. Der Abt und die Gemeinschaft residierten fortan in der Abtei Novalesa im Susatal am Fuß des Mont Cenis – mit Ausnahme von vier Mönchen, die sich abwechselten, um eine ständige Präsenz im Hospiz zu gewährleisten, während Laienpersonal den täglichen Betrieb führte. Der französische Standort Montgenèvre wurde aufgegeben, und Dom Mariettaz legte den Titel eines Abtes von Montgenèvre ab.
Am 31. Januar 1820 erhielt Marietti von Rom für sich und seine Nachfolger das Recht, den Titel eines Abtes von Novalesa und Mont-Cenis zu führen; doch war es ihm nicht vergönnt, sich lange an dieser Ehre zu erfreuen, denn schon am Morgen des 31. Dezember 1820 ereilte ihn der Tod. Die wenigen verbliebenen Mönche schlossen sich der Cassinensischen Benediktinerkongregation an. Dies wurde durch eine Bulle von Papst Pius VII. vom 11. September 1821 genehmigt. Damit waren die letzten Verbindungen zum alten Kloster Tamié gelöst.
Neuer Oberer wurde Étienne Chappuis.
gge, Juli 2026
Literatur:
Giovanni Lunardi, Natalino Bartolomasi, Gianluca Popolla: La Abbazia di Novalesa 726–1996. Alzani, 1998 · Martin, Bruno-Jean: Histoire des moines de Tamié et de quelques autres. 1982, S. 113 · Regat, Christian: L’abbé, le pape et l’empereur : les moines de Tamié au Mont-Cenis.Vorlage:Page.name: MARIETTI, Antoine OCSO – Biographia Cisterciensis
