Medingen

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Medingen, St. Mauritius

ehem. Zisterzienserinnenabtei in Bad Bevensen, Niedersachsen; entstanden 1228 als Filiale des Zisterzienserinnenklosters Wolmirstedt bei Magdeburg; 1336 siedelte sich der Wolmirstedter Konvent dauerhaft in Medingen an; seit 1559 ein evangelisches Damenstift.

Geschichte

Die Nonnengemeinschaft des Zisterzienserinnenklosters Medingen (bei Bad Bevensen) war zunächst in Wolmirstedt (bei Magdeburg) entstanden (1228). Ansiedlungen in Restorf am Höhbeck (1228 bis ca.1234/35), in Plate (bei Lüchow) (ca.1234/35 bis 123) und Bohndorf (bei Dahlenburg) (1237–1241) erwiesen sich als kurzlebig, wenn auch das Kloster wahrscheinlich Unterstützung beim Magdeburger Erzbischof Albrecht II. (1205–1232) fand.

Erst der Umzug nach (Alten-)Medingen stellte vor dem Hintergrund einer durch die Ritter von Meding erfolgten Schenkung von (Alten-)Medinger Kirche und Klostergelände (1241) die geistliche Kommunität auf eine solide, auch wirtschaftliche Grundlage. Hinzu kamen 1251 die Zuweisung des Medinger Zehnten durch Bischof Lüder von Verden (1231–1251), 1253 das Schutzprivileg König Wilhelms von Holland (1247–1256) sowie 1261 die Schenkung eines Königszinses in Niendorf und Secklendorf. Unter den Medinger Pröpsten Nikolaus (II.) (1261–1287) und Hartwig von der Sülze (1287–1306) schritt der wirtschaftliche Ausbau des Klosters weiter voran (Zehntrechte an Orten der Umgebung 1262, Anteil an der Lüneburger Saline 1263), für das ausgehende 13. Jahrhundert lassen sich in Medingen hergestellte Musikhandschriften ausmachen. Unter den Pröpsten Christian (1306-1326) und Ludolf von Lüneburg (1326–1352) erfolgte im Zusammenhang mit einer Verschärfung der Nonnenklausur bei bestehendem Konversinneninstitut (1313) der Umzug des Zisterzienserinnenklosters nach Zellensen oder – wie es nun hieß – Neu-Medingen (1336).

Das 14. Jahrhundert sah den Erwerb von Kirchenpatronaten u.a. in Römstedt (1319), Bardowick (1333) und Wichmannsburg (1339), die Einkünfte des Klosters ergaben sich aus dem Salinengut, aus grundherrschaftlichen Renten, aus Memorialstiftungen und Seelmessen; ein Vertrag zwischen Kloster und Stadt Lüneburg regelte die Schifffahrt auf der Ilmenau (1343).

Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts werden Veränderungen bei der Nonnenklausur bemerkbar. Die Nonnen verfügten zunehmend über Privateigentum (1370), gehörten vielfach auch Lüneburger Bürgerfamilien an. Die engen Beziehungen der Zisterzienserinnengemeinschaft zur Stadt Lüneburg wirkten sich indes im Lüneburger Nachfolgekrieg (1371–1388) und im „Prälatenkrieg“ (1449–1462) negativ auf das Kloster aus. Parallel dazu verstärkte sich die finanzielle Belastung des Klosters durch die Landesherren und Herzöge von Braunschweig-Lüneburg (Auslösung von herzoglichen Bürgschaften 1464); klösterliche Misswirtschaft kam hinzu. Propst Tilemann von Bavenstedt (1467–1494) führte spätestens ab 1477 erfolgreich eine Reform des Klosters durch. Der Neubau von Wirtschaftsgebäuden, eine 1479 erfolgte Visitation der Frauengemeinschaft durch den Verdener Bischof Berthold von Landsberg (1470–1502), die Bereitstellung von Ordensregel und liturgischen Handschriften sowie die Einführung der vita communis bei Verzicht der Nonnen auf Privateigentum und Verschärfung der Klausur gehören hierher; statt der bisherigen Priorinnen führte ab 1494 eine Äbtissin den Frauenkonvent. Dieser sollte während der Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523) in die Stadt Lüneburg fliehen (1519).

Ab 1524 gab es Versuche des Landesherrn, in Medingen die Reformation einzuführen. Der Konvent wehrte sich, Herzog Ernst der Bekenner (1521-1546) richtete das Amt Medingen ein (ab 1529) und zerstörte Teile der Klostergebäude (ab 1536). Im Jahr 1554 wurde schließlich die lutherische Reformation in Medingen eingeführt. 1559 wurde das Zisterzienserinnenkloster in ein protestantisches Damenstift umgewandelt, das noch heute existiert und von der Klosterkammer Hannover verwaltet wird.

Die ursprünglichen Gebäude wurden 1781 durch einen Großbrand, der nur das gotische Brauhaus verschonte, zerstört und in den folgenden Jahren im spätbarocken, teils auch frühklassizistischen Stil wieder erbaut. Von den Kunstschätzen sind nur noch der wertvolle Krummstab der Äbtissin, eine vergoldete Reliquienstatue des Heiligen Mauritius (Patron der Kirche), ein gewebter Wandteppich und eine gotische Eichentruhe erhalten.

Michael Buhlmann


Literatur:

Reinhardt, Uta: Medingen, in: Germania Benedictina, Bd. XII: Norddeutschland, St. Ottilien 1994, S. 518–547 · Riggert, Ida-Christine: Die Lüneburger Frauenklöster (= Veröffentlichungen der historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, Abt. XXXVII, Bd. 19), Hannover 1996, S. 33–37 · Urkundenbuch des Klosters Medingen, bearb. v. Joachim Homeyer (= Lüneburger Urkundenbuch, 10. Abt. (= Veröffentlichungen der historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, Bd. 233), Hannover 2006, S. 11–22.