Meier, Juliana

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Juliana Meier
Foto: Abtei Thyrnau

Juliana Meier OCist

1. Äbtissin von Rathausen-Thyrnau 1919/1925–1949

* 20. Dez. 1867 Zürich
09. Nov. 1949

Juliana Meier, Taufname Bertha, wurde am 20. Dezember 1867 in Zürich als Tochter des wohlhabenden Kaufmanns Johann Meier geboren und erhielt, da sie in Todesgefahr schwebte, noch am selben Tag zuhause die Nottaufe. Sie besuchte die Primar- und Sekundarschule in Zürich und danach das Lehrerinnenseminar in Menzingen ZG. Nach der Lehrerinnenprüfung für Sekundarschulen trat sie dort bei den Menzinger Schwestern ein, wurde aber wegen Krankheit entlassen. Danach unterrichtete sie drei Jahre an der Waisenanstalt Fischingen. 1891 mit einem Auftrag zu den (1848 aus Rathausen in der Schweiz vertriebenen) Zisterzienserinnen nach Vézelise geschickt, kehrte sie nicht zurück, sondern trat dort in das Noviziat ein und legte am 23. Mai 1893, Pfingstdienstag, vor dem Superior, Kanonikus Lorrain, die Profess ab. In Vézelise lernte sie bei Äbtissin Juliana Füglister das Stickerhandwerk, in dem sie solche Fertigkeiten entwickelte, dass sie 1896 ins Kloster Eschenbach in der Schweiz geschickt wurde, um die dortigen Schwestern in die Stickkunst einzuführen. Von 1896 bis 1899 war sie Novizenmeisterin und wurde am 29. Juni 1899 zur Priorin bestellt.

Durch die antiklerikale Gesetzgebung der Dritten Französischen Republik (Vereinsgesetz vom 1. Juli 1901) als ausländischer Konvent aus Frankreich vertrieben, kam der Konvent 1902 nach Thyrnau in Bayern, wo er als Priorat bischöflichen Rechts weiterbestehen konnte (Gründungstag 12. März 1902). Hier leitete Juliana Meier die Paramentenwerkstatt und den Handarbeitsunterricht in der Schule. Bis zum 11. Februar 1911 war sie auch dort Priorin und wurde wieder zur 1916 zur Novizenmeisterin bestellt. Am 28. Juli 1919 wurde sie unter dem Vorsitz des Passauer Diözesanbischofs Sigismund Felix zur 44. Äbtissin von Rathausen und 2. Priorin von Thyrnau gewählt und am 4. August benediziert.

Obwohl finanziell geschwächt (die Inflation von 1922/23 hatte das ganze Vermögen des Klosters aufgezehrt) erhielt das Priorat Thyrnau mit Dekret Nr.999/23 vom 28.Februar 1925 die alten Rathauser Privilegien wieder zurück und wurde am 20. Mai 1925 feierlich zur Abtei erhoben. Damit verbunden war die Aufnahme in die Mehrerauer Kongregation, die Unterstellung unter die Abtei Marienstatt und das Recht der Äbtissin, sich Äbtissin von Rathausen-Thyrnau zu nennen (Bis dahin nannte sie sich Äbtissin von Rathausen und Priorin von Thyrnau). Ausgenommen blieb vorerst die Ablegung der feierlichen Gelübde.

Obwohl die Stickerei der wichtigste Erwerbszweig blieb, wurde in M. Julianas Amtszeit die Landwirtschaft weiter ausgebaut. 1929 wurden die ersten drei Schwestern zur Unterstützung des Klosters Apolo nach Bolivien gesandt. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde durch Regierungsverordnung zunächst die Suppenküche, am 1. April 1939 dann die Arbeitsschule geschlossen. Mehrmals wurde das Kloster wegen der Einrichtung eines Lazaretts bzw. der Unterbringung von Kindern besichtigt, jedoch galten die Räumlichkeiten als unzweckmäßig. Während des Krieges war die Aufnahme von Novizen verboten. Die Näherei wurde v.a. mit kriegswichtigen Arbeiten (Socken stopfen, Reichsadler sticken) beschäftigt, die Übernahme kirchlicher Aufträge war verboten. 1942 wurden zehn Schwestern zum Dienst in Lazaretten und Krankenhäusern verpflichtet, 1945 das 700-jährige Gründungsjubiläum des Klosters in aller Stille gefeiert.

Am 28. Juli 1949 feierte die schon lange herzkranke Äbtissin Juliana Meier den 30. Jahrestag ihrer Wahl, starb aber schon wenige Monate später, am 9. November 1949, im Alter von 81 Jahren und wurde am 12. November auf dem Abteifriedhof bestattet. Das Pontifikalrequiem hielt Bischof Simon Konrad Landersdorfer OSB, die Traueransprache und die Einsegung Vaterabt Idesbald Eicheler von Marienstatt.

gge, Dez. 2015, rev. Juli 2018


Daten:

Vest.: 15. Mai 1892; Prof.: 23. Mai 1893; Abbatissa: el. 28. Juli 1919, ben. 4. Aug. 1919.

Literatur:

Cistercienser Chronik 58 (1951) 59–61 (Nachruf) · Helvetia Sacra III/3, Band 2, S. 891 · 750 Jahre Zisterzienserinnenabtei Rathausen-Thyrnau 1245–1995, [Thyrnau]: Abtei Thyrnau, 1995 · Verzeichnis aller Schwestern der Zisterzienserinnenabtei Rathausen-Thyrnau 1245–1995. [Thyrnau]: Abtei Thyrnau, 1995.

Zitierempfehlung: Meier, Juliana, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 13.7.2018, URL: http://www.biocist.org/wiki/Meier,_Juliana