Meyer, Ulrich

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Ulrich Meyer
Bild: Gemeinde Mellingen

Ulrich Meyer

34. Abt des Zisterzienserklosters Wettingen 1686–1694

* 21. Jan. 1647 Mellingen
09. Juni 1694 Wettingen

Johann Ulrich Meyer wurde 1647 als Sohn des Kleinrats Niklaus Meyer und der Magdalena Hüsler in Mellingen im Aargau geboren. Sein Bruder Franz Xaver (1637–1713) war zuerst Weltpriester, später Konventuale in der Benediktinerabtei Einsiedeln.

Unter Abt Gerhard Bürgisser in die Zisterzienserabtei Wettingen eingetreten, legte Ulrich Meyer 1666 die Profess ab und wurde 1671 in Konstanz zum Priester geweiht. Von 1671 bis 1673 war er Succentor, von 1673 bis 1684 Sekretär des Abtes und zugleich von 1679 bis 1683 Subprior, Professor der Theologie und Philosophie am Hausstudium und cellerarius conventualis. Von 1674 bis 1689 war er, auch noch als Abt, Präses der Marianischen Kongregation. Seine Ernennung zum Prior erfolgte am 28. Oktober 1683.

Am 22. Februar 1686 wurde er unter dem Vorsitz des Salemer Vaterabtes Emanuel Sulger im ersten Wahlgang als Nachfolger Nikolaus Göldlins zum Abt gewählt[1]. Bei der Wahl hatte es Schwierigkeiten mit dem aus Luzern herbeigeeilten Nuntius Giacomo Cantelmo gegeben, der in das Wahllokal (das Winterrefektorium) drängte und verlangte, den Vorsitz zu übernehmen. Abt Sulger konnte ihn mit Hinweisen auf die Rechtslage und gutes Zureden von seinem Vorhaben abbringen. Dieser Zwischenfall ist möglicherweise der Grund, warum die päpstliche Bestätigungsbulle erst nach 16 Monaten eintraf (6. Juni 1687) und die Benediktion durch den Generalvikar Karl Dulliker von St. Urban erst am 24. August 1687 vorgenommen werden konnte.[2]

Die Abtei Wettingen verdankt Ulrich Meyer die Edition und eigenhändige Drucklegung des monumentalen Urkundenwerks Archiv Dess Hochloblichen Gottshaus Wettingen (1694, 1350 Seiten), an dem auch der Konventuale Joseph Meglinger großen Anteil hatte. Schon im Jahr zuvor war auf Meyers Veranlassung der Geometrische Grundriß aller Marken der Gerichtsherrlichkeit deß Gottshauses Wettingen erschienen. Anlass für beide Werke waren wohl Konflikte um Gerichtsrechte mit der Stadt Baden und Schiffahrts- und Fährrechte mit der Abtei Einsiedeln. Das druckfertig vorliegende Archivium Tigurinum, das die auf die Züricher Güter bezüglichen Urkunden enthält, gelangte nicht mehr zum Druck, weil Abt Ulrich und P. Joseph bald nach Vollendung des „Archivs“ starben. Bezüglich der Urkunden, die keinen praktischen Wert mehr hatten, begnügte sich Abt Ulrich mit der Anfertigung eines Repertoriums.

Um 1690 hatte Abt Ulrich Differenzen mit der Stadt Baden um den Pfarrsatz (Patronatsrecht) auszutragen. In Walterswil begann er mit dem Bau des Wohn- und Badehauses. 1689 konnte er die restaurierte Marienkapelle neu weihen. 1693 führte er im Nonnenkloster Frauenthal Exerzitien ein.

Ulrich Meyer erkrankte am 31. Mai 1694 und starb schon am 9. Juni 1694, am Vorabend des Fronleichnamsfestes, nach achtjähriger Regierung. Er wurde im Mittelschiff der Klosterkirche zur Linken seines Vorgängers Nikolaus Göldlin beigesetzt. Der Konvent bestand damals aus 35 Priestern, fünf Klerikern und sieben Konversen, insgesamt 47 Mitgliedern. Zu seinem Nachfolger wurde Basilius Reuty gewählt.

gge, Dez. 2018

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  2. Assistenten waren die Äbte Placidus Zurlauben OSB von Muri und Robert Handtmann von Tennenbach.

Daten:

Prof.: 6. Jan. 1666; Sac.: 14. März 1671; Abbas: el. 22. Feb. 1686, ben. 24. Aug. 1687.

Werke:

Geometrischer Grundriß aller Marken der Gerichtsherrlichkeit deß Gottshauses Wettingen, 1683 · Archiv Dess Hochloblichen Gottshaus Wettingen, 1694 (Faksimile-Nachdruck: [Baden], [1992].

Literatur:

Willi, Dominikus: Album Wettingense: Verzeichnis Der Mitglieder Des Exemten Und Konsistorialen Cistercienser-Stiftes B. V. M. de Marisstella Zu Wettingen-Mehrerau 1227–1904. Limburg a. d. Lahn, Limburger Vereinsdruckerei, 1904, Nr. 653 · Ders.: Zur Geschichte des Klosters Wettingen-Mehrerau, in: Cistercienser Chronik 14 (1902), S. 153–155 · Helvetia Sacra III/3, S. 478–479.

Zitierempfehlung: Meyer, Ulrich, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 4.12.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Meyer,_Ulrich