Monbet, Gabriel

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Gabriel Monbet

Gabriel Monbet

Prior von N.-D. des Neiges 1851–1854, Abt von Aiguebelle 1854–1882

* 05. Juni 1823 Toulouse
† 16. Juni 1882

Gabriel Monbet, Taufname Joseph, wurde 1823 in Toulouse, in der Pfarrei La Daurade, geboren. Mit zehn Jahren verlor er seinen Vater. Seine Mutter überlebte ihn, im Trappistinnenkloster Blagnac bei Toulouse. Nach dem Besuch des Priesterseminars wurde er Lehrer am Collège de l'Esquile, das er selbst auch als Schüler besucht hatte, und trat bald nach der Priesterweihe 1849 in die Zisterzienserabtei (strengerer Observanz) Aiguebelle ein.

Schon 1851 wurde er zum Oberen (1852 Prior) der Tochtergründung Notre-Dame-des-Neiges eingesetzt. Obwohl erst 29 Jahre alt, unterlag er bei der Abtwahl 1852 in Aiguebelle mit einer Stimme. Nachdem der stattdessen gewählte Dom Bonaventure Charayron im folgenden Jahr gestorben war, wurde Dom Gabriel am 22. August 1854 unter dem Vorsitz des (kommissarischen) Vaterabtes[1] Fulgence Guillaume von Bellefontaine zum Abt von Aiguebelle gewählt. Generalsuperior Angelo Geniani, Abt von Santa Croce in Gerusalemme, bestätigte seine Wahl am 18. September 1854. Die feierliche Benediktion erfolgte am 8. Oktober 1854 in der Abteikirche durch Bischof Chatrousse von Valence in Anwesenheit von Bischof Guibert von Viviers, dem späteren Kardinalerzbischof von Paris, und Abt François-Régis de Martrin-Donos von Staoueli.

Als Abt von Aiguebelle war Gabriel Monbet für die gesamte zu Aiguebelle gehörige Klosterfamilie (Filiation) mit weit über 200 Mitgliedern zuständig, die größtenteils während seiner 28 Jahre währenden Amtszeit gegründet wurde: Staoueli (Algerien, gegr. 1843), Neiges (Ardêche, 1851), Désert (Haute-Garonne, 1852), Dombes (Ain, 1863), Acey (Jura, 1872), Bonnecombe (Aveyron, 1872) und das Frauenkloster Bonneval (Aveyron, 1875), letzteres besiedelt von der Abtei Maubec, die ebenfalls zu Aiguebelle gehörte.[2]

Die große Zahl an Mönchen machte aber nicht nur Neugründungen möglich, sondern erforderte auch den Bau einer größeren Abteikirche, die am 24. September 1856 unter großer Anteilnahme des Klerus und der Bevölkerung von Bischof Chatrousse geweiht wurde.[3] Am 20. August 1859, dem Gedenktag des hl. Bernhard von Clairvaux, wurde das zum Konversenflügel umgebaute ehemalige Refektorium aus dem 12. Jahrhundert seiner Bestimmung übergeben. 1870 wurde eine Oblatenschule zur Nachwuchsgewinnung und -förderung gegründet. Am nächsten Tag weihte Bischof Lyonnet von Valence zwölf Mönche zum Priester, Diakon oder Subdiakon und am übernächsten Tag (22. August) wurden die Gebeine der Äbte Etienne Malmy (1744–1840) und Bonaventure Charayron (1808–1854) feierlich in die Äbtegruft übertragen.

Wie schon Abt Stephan Harding im 12. Jahrhundert bemühte sich auch Gabriel Monbet um eine möglichst authentische Form des gregorianischen Chorals und ließ dazu Fachtagungen in Aiguebelle abhalten, die u.a. von dem bekannten Choralforscher Joseph Pothier OSB geleitet wurden. Im Mai 1863 besuchte Kaiser Napoleon III. das Kloster Aiguebelle. Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 brachte etwa sechzig Religiosen von Aiguebelle die Einberufung zum Kriegsdienst (nicht alle kehrten zurück) und Abt Monbet in der aufgeheizten Stimmung der Zeit eine kurzzeitige Inhaftierung in Lyon (Sep. 1870).

Mehrfach wurde Dom Gabriel von Generalvikar Timothée Gruyer in schwierigen Angelegenheiten der Kongregation (von La Trappe) eingesetzt. Bischof Lyonnet von Valence und seine Nachfolger übertrugen ihm die Vollmachten eines Generalvikars der Diözese. Auch in die gesamtkirchlichen Entwicklungen der damaligen Zeit war Dom Gabriel vielfach eingebunden. Als am 4. März 1855 die Promulgation des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis Mariens in der Diözese Valence begangen wurde, beteiligte sich auch Aiguebelle an den Festlichkeiten und gewährte ausnahmsweise der (männlichen) Öffentlichkeit den Zugang zur Abteikirche. Am 20. Mai 1860 nahm Monbet an der feierlichen Übertragung der Schädelreliquie der Diözesanpatronin Sainte-Magdeleine in der Kathedrale St. Maximin in Frejus teil, wie auch sein Vorgänger Pons de Saint-Bonnet, der 15. Abt von Aiguebelle, an der zweiten Translation 1281. Bei der Heiligsprechung der sog. Märtyrer von Nagasaki am 8. Juni 1862 in Rom nahm er, als besonderen Gunstbeweis Papst Pius’ IX., einen Platz unter den Bischöfen und Generaläbten ein und war auch am 9. November 1868 bei der Übertragung des Klosters Tre Fontane an die Zisterzienser der strengeren Observanz („Trappisten“) dabei.

In den letzten Jahren seiner Regierung ließ Monbets Gesundheit deutlich nach. Der Nachruf nennt ausdrücklich seine übermäßige Fettleibigkeit (excessive obésité) als Ursache vieler Schmerzen und Demütigungen. Dazu kamen äußere Rückschläge wie die (vorübergehenden) Klosteraufhebungen der dritten französischen Republik 1880, die auch vor Aiguebelle nicht haltmachten. Um ihnen zu begegnen hatte Abt Monbet zwei Mönche nach Nordamerika (Mexiko) geschickt, die sich dort nach einem Zufluchtsort umsehen sollten. Gabriel Monbet starb am 16. Juni 1882, dem Herz-Jesu-Fest. Sein (gegen den Ordensbrauch) einbalsamierter Leichnam wurde am 19. Juni 1882 in der Äbtegruft neben seinen Vorgängern beigesetzt. Dem Trauergottesdienst stand Bischof Cotton von Valence vor.

gge, März 2010, rev. April 2016

  1. Nach dem Tod von Abt Joseph-Marie Hercelin von La Trappe 1855 wurde die Paternität über Aiguebelle wieder an den Abt von La Trappe (damals Timothée Gruyer) übertragen, der Aiguebelle am 24. Oktober 1856 erstmals visitierte.
  2. Im 20. Jahrhundert kamen dann noch Notre-Dame de l’Atlas in Tibhirine, Algerien, (1934) und Notre-Dame de Koutaba in Kamerun (gegr. 1951 in Minlaba, seit 1968 in Koutaba) dazu.
  3. An der Zeremonie nahmen außer den Bischöfen Chatrousse von Valence und Morlon von Puy die Äbte Gabriel Monbet von Aiguebelle, Timothée Gruyer von La Trappe, Antoine Bernard von Melleray, Fulgence Guillaume von Bellefontaine und der Generalprokurator François-Régis de Martrin-Donos (ehemals Staoueli), außerdem die Prioren von Staoueli, Fontgombault und Désert, dazu mehrere Mitglieder des Domkapitels von Valence und zahlreiche Priester der umliegenden Diözesen.

Daten:

Sac.: 22. Sep. 1849; Sup.: (Neiges) 21. Nov. 1852 – 22. Aug. 1854; Abbas: el. 22. Aug. 1854; ben. 8. Okt. 1854; Dev.: Diligat fratres, oderit vitia.

Werke:

L'Abbaye des Trois-Fontaines situé aux Eeaux-Salviennes, prés de Rome, et dédiée aux saints martyrs Vincent & Anastase, Lyon 1869, ²1879.

Literatur:

Dominique-Marie Dauzet: Dom Gabriel Monbet, abbé de la Trappe d'Aiguebelle (1853–1882). Éléments d'un portrait spirituel. In: Cîteaux commentarii cistercienses 55 (2004) pp. 155–173 · Bulletin d' hist. eccles. de Valence, III, 1882, 46–53 (Nachruf) [1] · Annales de l'abbaye d'Aiguebelle, Band 2. Valence : Jules Céas & fils, 1863, S. 457ff. [2] · L’abbatiat de Dom Gabriel Monbet (1854–1882), in: Huit siècles de vie monastique : L'Abbaye de Notre-Dame d'Aiguebelle, 1978, S. 61–66.)

Zitierempfehlung: Monbet, Gabriel, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 28.10.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Monbet,_Gabriel