Veit Nuber
Abt der Zisterzienserabtei Säusenstein 1550–1554
* ca. 1520 Bayern
† 21. Mai 1612 Haynau, Schlesien
Veit (lat. Vitus) Nuber war nach dem ihm von der Wittenberger theologischen Fakultät für den Danziger Rat ausgestellten Zeugnis vom 30. Juni 1563 in Bayern geboren und erzogen worden (Kötz, S. 7). 1544 war er Prediger in Burglengenfeld, 1545 in Schwandorf in der Oberpfalz. Nach seiner Profess in der oberösterreichischen Zisterzienserabtei Wilhering wurde er 1550 Abt im Tochterkloster Säusenstein bei Ybbs, das er 1554 „heimlich“ mit einer Frau und der Klosterkasse verließ. Säusenstein war finanziell so ruiniert, dass an eine neue Abtwahl nicht zu denken war. Abt Martin Gottfried von Wilhering schickte deshalb seinen Professen Wolfgang Schmidtberg als Administrator in das Tochterkloster, unter dessen Verwaltung es zwei Jahre lang blieb, bis mit Benedikt Prieler wieder ein Abt gewählt, d.h. aus Lilienfeld postuliert, werden konnte.
Vitus Nuber hatte sich mit seinem Schüler Pantaleon Candidus (eigentlich Weiß) nach Amberg in der Oberpfalz begeben, wo damals Pfalzgraf Wolfgang von Zweibrücken als kurfürstlicher Statthalter residierte, der die beiden Flüchtlinge 1556 in sein Herzogtum nach Meisenheim bei Sobernheim mitnahm. Protestantisch geworden, wurde Nuber evangelischer Geistlicher in Stöckelsberg im Dekanat Neumarkt in der Oberpfalz (1556/57) und Hofprediger des Pfalzgrafen in Zweibrücken (1558/59). Als solcher gehörte er der 1558 zusammengestellten neunköpfigen Kommission an, die im Auftrag des Herzogs Wolfgang das Herzogtum visitierte und darüber einen Bericht (Bedencken) verfasste.[1] Am 19. Juli 1558 hielt er in Zweibrücken eine Predigt über dem Leichnam des zwei Tage zuvor verstorbenen Grafen Georg zu Württemberg-Mömpelgard (die in Mühlhausen im Oberelsass gedruckt wurde).
Danach wandte sich Nuber (mit seiner Frau) nach Ostpreußen. Er wurde Prediger in Königsberg, 1560 in Bartenstein. Als Grund, warum Nuber den Dienst beim Pfalzgrafen Wolfgang von Zweibrücken verließ, wird vermutet, dass er in den Ruf des Kryptocalvinismus (Philippismus) gekommen war. Auch sein Weggang von Bartenstein wird (von Kötz, S. 14) damit begründet. In Königsberg geriet Nuber in einen heftigen theologischen Streit (über den Umgang mit den Abendmahls-„Reliquien“) mit dem Theologen Erhard Sperber. Daraufhin 1561 (wie auch Sperber) seines Amtes enthoben und des Landes verwiesen, ging er, „ein gelehrter und beredter Mann mit vernehmlicher starker Stimme“ als zweiter Pastor an die Marienkirche in Danzig in Preußisch-Pommern, wo er wieder auf seinen erbitterten Gegner Sperber traf, der weiter gegen ihn vorging (und deswegen im September 1561 aus seinem Predigeramt entlassen und aus der Stadt gewiesen wurde).
1563 wurde Nuber, ausgestattet mit Geldmitteln für einen Zeitraum von zwei Jahren, nach Wittenberg geschickt, um erstens seine Lehre dem Urteil der Universität zu unterwerfen und zweitens eine Widerlegung der Anschuldigungen Sperbers zu publizieren. Den ersten Zweck erreichte er schnell. Am 30 Juni 1563 an demselben Tage an dem er als „magister promotus in academia Viennensi“ in die Universitätsmatrikel eingetragen wurde, stellte ihm die theologische Fakultät ein Zeugnis über die Reinheit seiner Abendsmahlslehre sowie über die Untadeligkeit seines Lebenswandels aus. Die zweite Aufgabe dagegen konnte er nicht lösen, weil der Kurfürst von Sachsen den Universitäten Leipzig und Wittenberg die Publikation von Streitschriften untersagt hatte. Deshalb erbat sich Nuber Urlaub, um einem Ruf zur Verbreitung des Evangeliums in Österreich (Steyr) folgen zu können, den er auch erhielt. Er kehrte dann auch später nicht mehr nach Danzig zurück (Freytag, S. 92).
1569 ist er Hofprediger in Braunschweig, 1575/76 Pastor primarius im sorbischen Lauban in Schlesien, von 1593 bis 1600 Pastor in Königshain in der Grafschaft Glatz, von 1600 bis 1603 in Reichenstein und vom 1. November 1603 bis zum Tod am 21. Mai 1612 in Haynau, Niederschlesien.[2] Er muss also in seiner Zeit als Abt von Säusenstein noch ein junger Mann gewesen sein.
Mehrere Werke, Aufsätze, Predigten und Gebete Nubers erschienen in Nürnberg bzw. Regensburg im Druck: 1544 Eine kurtze vnd einfeltige vnterweisung zum sterben nutzlich vnd heilsam den krancken…, 1545 Eine kurtze vnnd nützliche warnung, des grewlichen lasters des zutrinckens, 1553 Eine schöne Beicht vnd Gebet welche anzeigt wie ein Evangelischer sünder […] Busse thut und sich bekeret und Von den fürnemsten vnnd nötigsten Propheceyen, Weissagungen vnd verheissunge von Christo Iesu vnserm herrn…, schließlich 1554 Ejn Kurtze vnnd Wolgegrünte Lehre auß der Heyligenn Schrifft Von rechtenn guthen werckenn so die Christen sollen vnnd müssenn thun…, gewidmet den Bürgermeistern der Stadt Weiden.
gge, Dez. 2025
- ↑ Molitor, Ludwig: Vollständige Geschichte der ehemals pfalz-bayerischen Residenzstadt Zweibrücken von ihren ältesten Zeiten bis zur Vereinigung des Herzogthums Zweibrücken mit der Bayerischen Krone. Zweibrücken, 1885, S. 203, 205, 209.
- ↑ Siegismund Justus Ehrhardt: Presbyterologie des Evangelischen Schlesiens Band 4. Liegnitz: J.G. Pappäsche, 1789, S. 538
Literatur:
Erdinger, Anton: Geschichte des aufgehobenen Cisterzienser-Stiftes Säusenstein in Niederösterreich, in: Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich, Band 10, Wien 1876, S. 237 · Freytag, Hermann: Veit Nuber, ein Bayer […], in: Die Preussen auf der Universität Wittenberg und die nichtpreussischen Schüler Wittenbergs in Preußen von 1502–1602. Leipzig 1903, S. 108 [1] · Freytag, Hermann: Die Beziehungen Danzigs zu Wittenberg in der Zeit der Reformation, in: Zeitschrift des Westpreußischen Geschichtsvereins (ZWestprGV) 38 (1898), S. 1ff. · Kötz, Gustav: Die Danziger Konkordienformel über das heilige Abendmahl, Notel genannt, und ihre Apologie (1561–1567). H. Jaeger, 1901 (Inauguraldissertation, philosophische Fakultät der Universität Königsberg i. Pr.). Königsberg: H. Jaeger, 1901 · Neß, Dietmar: Schlesisches Pfarrerbuch. Zweiter Band: Regierungsbezirk Breslau, Teil II. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2014, ISBN 978-3-374-03975-3, S. 354 · Baron, Bernhard M.: Veit Nuber, in Literaturportal Bayern, 2014 [2] (Abruf 12. Dez. 2025).Vorlage:Page.name: NUBER, Vitus OCist – Biographia Cisterciensis
