Oechsle, Kaspar

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Kaspar Oechsle

Kaspar Oechsle

auch Oexle

Zisterzienser; letzter Abt der Reichsabtei Salem; Reichsprälat; Generalvikar der oberdeutschen Zisterzienserkongregation.

* 24. Feb. 1752 Schömberg bei Rottweil
† 21. Juni 1820 Schloss Kirchberg, Immenstaad

Johann Nepomuk Oechsle war der Sohn des Orgelbauers Samuel Oexle. Er besuchte das Gymnasium in Salem, trat 1770 in das Kloster ein und wurde 1778 zum Priester geweiht. Er war Abtsekretär, unterrichtete am Klostergymnasium und erweiterte als Bibliothekar die Klosterbibliothek auf 30.000 Bände.

Nach dem Tod seines Vorgängers Robert Schlecht wurde er am 11. März 1802 im dritten Wahlgang zum Abt von Salem gewählt. Wegen einer Formulierung in der päpstlichen Bestätigungsurkunde verweigerte ihm der Konstanzer Bischof die Benediktion, die dann schließlich der im Exil in Augsburg lebende Bischof von Valence, Gabriel Melchior de Messey, vornahm. Am 15. September erhielt Abt Kaspar aus Rom die Vollmachten seines Vorgängers Robert Schlecht über die Oberdeutsche Kongregation.

Abt Kaspars Regierung endete schon im November 1802, als eine Besitzergreifungskommission der Markgrafen von Baden, denen das Reichsstift Salem als Ausgleich für den Verlust linksrheinischer Gebiete zugesprochen worden war, die Abtei und ihre Grundherrschaft beschlagnahmte. Abt Oechsle behielt noch zwei Jahre lang die Verwaltung des Klosters. Am 23. November 1804 musste er Salem verlassen und erhielt zum Wohnsitz auf Lebenszeit das zum Stift gehörende Schloss Kirchberg am Bodensee, wo er – meist in Fortführung alter Klostereinrichtungen – mehrere wohltätige Stiftungen gründete.

In den Wirren der napoleonischen Kriege brachte Oechsle die wertvolle Salemer Monstranz nach Schömberg, wo sie sich heute noch befindet. Nach Napoleons Sturz 1815 versuchte er auf die Verantwortlichen des Wiener Kongresses Einfluss zu nehmen und die Rechte seiner Abtei wiederherzustellen. Er korrespondierte unter anderem mit Kaiser Franz I., Papst Pius VII. und Fürst Metternich; Kaiser Franz traf er sogar persönlich in Memmingen.

Der Verzicht Oechsles auf alle Rechte an den bis dahin zur Oberdeutschen Zisterzienserkongregation gehörenden Schweizer Klöstern am 3. Oktober 1806 machte den Weg frei zur Errichtung der Schweizer Kongregation durch das päpstliche Breve In sublimi Apostolicae Sedis Specula.

Verehrt als wohltätiger Menschenfreund und »Vater der Armen« starb Abt Kaspar am 21. Juni 1820 in Kirchberg und wurde im Salemer Münster, seit 1808 Pfarrkirche, bestattet.

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Daten:

Vest.: 1770; Prof.: 21. Nov. 1771; Sac.: 20. Sep 1778; Abbas: el. 11. März 1802, ben. 5. Sep. 1802.

Werke:

Praecipua theologiae et historiae ecclesiasticae capita: quae salemii pro exercitatione litteraria, Salem, 1787 · Theses ex universa philosophia ss. theologiae prodroma: B. V. M. Monasterio de Salem publicae disputationi subjectae praeside Alexandro Pelhamer … defendent Melchior Falger, Marianus Sillmann et Casparus Oexle. [S.l.]: Literis Salemitanis, 1772.

Literatur:

Walter, Leodegar: Abt Caspar Oechsle von Salem: 1802–1804, gest. 1820. CistC 59 (1952) 92–100 und 61 (1954) 35–43. · Brüning, Rainer: „Zum Wohl des Vaterlandes?: Abt Caspar Oexle und die badische Inbesitznahme des Klosters Salem (1802–1804)“, in: Säkularisation am Oberrhein. Ostfildern: Thorbecke, 2004, S. 115–128. · HS III/3, S. 374–375

Normdaten:

GND: 11711006X · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Oechsle, Kaspar, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 25.11.2014, URL: http://www.biocist.org/wiki/Oechsle,_Kaspar