Panschab, Justin

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Justin Panschab OCist

Justin Panschab OCist

Abt des Zisterzienserstiftes Lilienfeld 1899–1930

* 25. Dez. 1859 Brünn, Mähren
† 29. Dez. 1930 Lilienfeld

Abt Justin Panschab, Taufname Johannes (Evangelist), war der Sohn eines Handschuhmachermeisters; sein Onkel Ferdinand war Domdekan in Brünn und Regens des Priesterseminars. Er besuchte das Gymnasium in Brünn und studierte Philosophie und Theologie in St. Pölten 1878 bis 1882. Nach der Priesterweihe 1882 war er Kooperator in Annaberg 1882, Katechet in Schrambach 1884 bis 1887, Schaffer 1885 bis 1887, Pfarrvikar in Kaumberg 1887, Prior und Pfarrvikar in Lilienfeld 1890 bis 1899, Mitglied des Bezirksschulrates in Lilienfeld 1897 und 1904. Am 25. Mai 1899 unter dem Vorsitz von Generalvikar Abt Theobald Grasböck von Wilhering zum Abt gewählt, wurde er am 28. Mai von Diözesanbischof Johannes Rößler von St. Pölten in der Stiftskirche benediziert.

Nach seinem Amtsantritt begann Abt Justin, von 1901 bis 1920 auch Bauamtsleiter, eine rege Bautätigkeit: Wasserleitungsbau und Kanalisation im Stiftsbereich 1900, Bau des Elektrizitätswerkes, das 1902 in Betrieb genommen wurde, Neuerrichtung des Sägewerkes, das 1904 in Betrieb ging. Anlässlich des 700jährigen Gründungsjubiläums 1902 stellte das Stift in Lilienfeld-Stangental unentgeltlich Baugründe zur Errichtung eines Krankenhauses zur Verfügung, das Abt Justin 1903 einweihte. In Lilienfeld Neubau des Hauses am Platzl mit dem Postamt und im Dörfl das Haus für den Gemeindearzt, in Wien Neubau des Hauses Tulpengasse 2 und Modernisierung des Hauses Krugerstraße 4, Neubau des Pfarrhofes in Unterretzbach 1904 bis 1908, Restaurierung der Pfarrkirche in Ramsau 1901 bis 1905 nach Plänen des Architekten Dominik Avanzo und der Pfarrkirche Wilhelmsburg 1910 bis 1913. In Mitterbach Neubau der Kirche, eingeweiht durch Abt Justin 1915 zu Ehren des hl. Klemens Maria Hofbauer. Gefördert wurde der Bau durch den Wallfahrtsverein der Wiener Männer. Das 700jährige Gründungsjubiläum des Stiftes wurde am 24. August 1902 festlich begangen.

Der Erste Weltkrieg 1914 bis 1918 brachte große Einschränkungen und Entbehrungen. Abt Justin war bemüht, nach Kräften Hilfe zu leisten. Im Konvent wurde ein Lazarett eingerichtet, zugleich machte sich der Abt um die Kriegsfürsorge verdient. Kriegshandlungen ereigneten sich in Lilienfeld nicht. Große Unruhe erhob sich jedoch unter den Arbeitern der benachbarten Industriebetriebe auf Grund der Lebensmittelknappheit; sie suchten wiederholt das Stift heim. Vor allem hoffte man, größere Lebensmittelvorräte zu erbeuten. 1916 wurde in das aufgelassene Lazarett im Konvent Militär einquartiert. Zu Kriegsende nahm die Unruhe unter den Soldaten und der Arbeiterschaft so sehr zu, dass Abt und Konvent im März 1918 gezwungen waren, für einige Tage das Stift zu verlassen. Die Bedrohung durch die aufständische Arbeiterschaft zog sich noch bis 1922 hin.

Abt Justin feierte 1924 sein 25jähriges und 1929 sein 30jähriges Abtjubiläum im Kremserhof. In den Jahren 1923 und 1925 hatte der Abt ernste Resignationsabsichten, auf Drängen eines überwiegenden Konventteils blieb er schließlich bis zu seinem Tod im Amt.

Abt Justin stand mit zahlreichen Kunstschaffenden seiner Zeit in Verbindung und wurde in diesem Fach gern um Rat gefragt. Vor allem das Bemühen um Frieden und gegenseitiges Verständnis unter den ihm Anvertrauten zeichnete ihn aus. Abt Justin litt im Alter unter Nervenentzündung und Asthma, weshalb er nur noch wenig in der Öffentlichkeit auftrat. Er starb am 29. Dezember 1930 und wurde am 2. Jänner 1931 in der Äbtegruft auf dem Ortsfriedhof beigesetzt.

Eugen Müller


D:

Vest.: 17. Sep. 1877; Prof.: 18. Sep. 1878, 25. Sep. 1881; Sac.: 16. Juli 1882; Abbas: el. 25. Mai 1899, ben. 28. Mai 1899.

L:

Müller, Eugen: Professbuch des Zisterzienserstiftes Lilienfeld. St. Ottilien: EOS, 1996, S. 392–394.

Normdaten:

GND: 1025021649 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Eugen Müller: Panschab, Justin, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 21.11.2014, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Panschab,_Justin