Paul, Optatus

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Optatus Paul

Optatus Paul

43. und letzter Abt des Klosters Neuzelle 1803–1817

* 26. März 1746 Zwickau in Böhmen [Cvikov, Tschechien]
† 14. Nov. 1819 Neuzelle

Optatus Paul wurde am 26. März 1746 in Zwickau in Böhmen als Sohn des Fleischers und Ratskellermeisters Johann Peter Paul und dessen Ehefrau geboren und am folgenden Tag auf die Namen Johannes Petrus getauft. Er besuchte die Volksschule in Zwickau, dann höhere Schulen in Prag. Seit 1770 war er Novize im Konvent und legte die Profess am 8. Dezember 1771 ab. 1775 war er zunächst Sakristan, dann 1775 und 1776 Theologiestudent in Prag. Die Priesterweihe erhielt er 1776. 1777 bis 1796 war er Seelsorger in Neuzelle und in der weiten Diaspora der Niederlausitz und Brandenburgs. Er wurde als Kanzelredner gerühmt. Von 1796 bis zu seiner Abtwahl war er Kaplan im Frauenkloster St. Marienstern. Nach zweijähriger Vakanz wurde er am 26. Juli 1803 mit nur 17 von 32 Stimmen zum Abt erwählt, benediziert am 31. Juli 1803.

Optatus Paul wurde in eine schwere Zeit hinein zum Klostervorstand bestimmt. Die Ordensleitung in Cȋteaux war durch die Französische Revolution hinweggefegt worden, die Reichsdeputation hatte den Untergang aller geistlichen Herrschaften beschlossen und die böhmische Ordensprovinz bestand nur noch als Torso. Bald überzog Napoleon Deutschland und Soldaten zogen durchs Klosterland. Die handgreifliche Not, Überschwemmungen nach Deichbrüchen, konnte er lindern. Die Kirche hatte eine neue Turmspitze nötig, eine neue Orgel ließ er erbauen und andere Gebäude erneuern. Die Spaltung im Konvent jedoch konnte er nicht überwinden.

1813 kehrte der Krieg zurück und forderte seinen Tribut in Form von Kontributionen und Seuchentoten. 1815 eignete sich Preußen auf dem Wiener Kongress die Niederlausitz an. Die Aufhebung war damit beschlossene Sache, doch erst sehr spät reagierte der Abt und versuchte mit Schreiben und Boten den Untergang des Klosters abzuwenden. Auf Kabinettsorder vom 8. Dezember 1816 und Aufhebungsurkunde der Regierung Frankfurt (Oder) vom 25. Februar 1817 wurde das Kloster am 26. Februar 1817 aufgehoben. Der Abt wurde seines Amtes enthoben und musste alle Ehrenzeichen abgeben, durfte aber weiterhin in der Abtei wohnen bleiben. Er starb am 14. November 1819 und wurde am 17. November 1819 in der Äbtegruft der Josephskapelle beigesetzt.

Winfried Töpler


Daten:

Vest.: 1770; Prof.: 8. Dez. 1771; Sac.: 1776; Abbas: el. 26. Juli 1803, ben. 31. Juli 1803.

Literatur:

Martin, Erwin: Abt Optatus Paul. In: Mittheilungen des Nordböhmischen Excursions-Clubs. 1. Heft März 1902, 25. Jg. S. 1–24. · Mauermann, Franz Laurenz: Das fürstliche Stift und Kloster Neuzell. Regensburg 1840, ND Kamp-Lintfort 1993, S. 191–203. · Theissing, Heinrich: Die Äbte von Neuzelle. Ein Abriß der Klostergeschichte. In: Neuzelle. Festschrift zum Jubiläum der Klostergründung vor 700 Jahren. 1268–1968. Hrsg. v. Joachim Fait und Joachim Fritz, Leipzig u. München 1968, S. 70–73. · Töpler, Winfried: Das Zisterzienserkloster Neuzelle und die weltlichen und geistlichen Mächte 1268–1817. Berlin 2003. · Töpler, Winfried: Album Neocellense oder Verzeichnis der Mönche von Neuzelle. Teil 2 Vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Aufhebung des Klosters. In: Neuzeller Studien 3. In Vorbereitung.

Zitierempfehlung: Paul, Optatus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 14.1.2013, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Paul,_Optatus