Paul II. (Lilienfeld)

Paul II.

Paul II.

13. Abt des Zisterzienserstifts Lilienfeld 1302/03–1316

09. Juli 1316

Abt Paulus ist höchstwahrscheinlich mit dem 1300 genannten Cellerar Paulus identisch[1]. Zum Abt des Zisterzienserstiftes Lilienfeld gewählt wurde er zwischen dem 12. März 1302, dem Tag der letztmaligen urkundlichen Erwähnung seines Vorgängers Albert (Albero), und dem 12. Mai 1303, dem Tag seiner eigenen ersten Erwähnung, wahrscheinlich Ende 1302.

Während seiner Amtszeit erwarb das Stift noch viele Weingärten, besonders bei Klosterneuburg und Pfaffstätten, obgwohl Herzog Rudolf III. verordnet hatte, dass die Klöster ohne landesfürstliche Erlaubnis keine weiteren Güter kaufen dürften. Durch einflussreiche Fürsprecher erlangte Abt Paul jedoch die Erlaubnis dafür. So gestattete der Herzog am 1. Mai 1303 für die 100 Talente, die seine Mutter, Königin Elisabeth, dem Kloster für Kleideranschaffungen gegeben hatte, Weingärten in Pfaffstätten und Krems zu erwerben, und desgleichen am 29. Mai 1309 auf Bitten seiner Mutter und Schwester Agnes, Königin von Ungarn, den Ankauf solcher in Klosterneuburg.

Auch wohlhabende Angehörige von Stiftsmitgliedern machten Schenkungen, wobei auch das Siechenhaus und der Konvent durch Aufbesserungen bei Tisch bedacht wurden. Dazu kamen noch zahlreiche Stiftungen zu Jahrtagen. Am 20. April 1316 bestätigt schließlich König Friedrich dem Kloster alle Rechte, Freiheiten und Besitzungen, wie sie Herzog Leopold VI. und alle späteren Regenten gewährt hatten,

Abt Paul visitierte zusammen mit Abt Petrus I. von Göttweig 1311 das Benediktinerkloster Kleinmarizell unter Abt Herbord. Das Siechenhaus wurde während seiner Amtszeit vergrößert, wie aus den Schenkungsurkunden zu entnehmen ist, und die Befestigung von Wilhelmsburg wurde zum Teil durchgeführt.

Abt Paul wird zwischen dem 12. Mai 1303 bis zum 24. April 1316 namentlich genannt. In Rechtshandlungen mit dem Stift Zwettl ist er am 1. Februar 1304 in Wien und am 6. Dezember 1312 in Retz genannt. Er dürfte ein sehr gewandter und beim Königshaus angesehener Mann gewesen sein, was die Durchsetzung des großen Landerwerbs mit Hilfe prominenter Fürsprecher beweist. Auch traten in seiner Periode mehrere Männer aus wohlhabenden Familien in Lilienfeld ein.

Abt Paulus starb am 9. Juli 1316 und wird als ein tätiger, wachsamer und in seinen Unternehmungen meist glücklicher Klostervorstand geschildert.

gge, Nov. 2020

  1. Dafür spreicht auch der Eifer, mit dem er später als Abt noch Weingärten ankaufte.

Daten:

Abbas: el. 1302.

Literatur:

Tobner, Paul: Das Stift Lilienfeld 1202–1902. Zur Erinnerung an die Feier des 700jährigen Jubiläums dieses Cistercienserstiftes. Wien, 1902, S. 93ff. · Müller, Eugen: Professbuch des Zisterzienserstiftes Lilienfeld (= Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige. Ergänzungsband. Nr. 38). St. Ottilien: EOS, 1996, ISBN 3-88096-628-1, S. 67, Nr. 483.

Zitierempfehlung: Paul II. (Lilienfeld), in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 19.11.2020, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Paul_II._(Lilienfeld)

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