Pertl, Wilhelm

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Wilhelm Pertl

Wilhelm Pertl

Abt des Klosters Gotteszell 1689–1716

† 19. Mai 1716

Wilhelm Pertl aus Straubing wurde am 8. Juni 1689 als Prior zum Abt der Zisterzienserabtei Gotteszell (Cella Dei) gewählt. Mit ihm war nach seinen beiden aus dem Mutterkloster Aldersbach stammenden Vorgängern Gerhard Hörger und Bonifatius Hiltprand wieder ein aus dem Professstand von Gotteszell hervorgegangener Konventuale auf den Abtstuhl gelangt, was auch bis zur Säkularisation des Klosters so bleiben sollte.

Abt Wilhelm I. war ein hervorragend begabter, tatkräftiger und von großem Selbstbewusstein getragener Mann (Eberl), an dessen Strenge sich manche Konventualen anfangs gestoßen zu haben scheinen scheinen. So beantragte Ende 1692 der damalige Prior Nivardus Koch beim Vaterabt in Aldersbach (Engelbert Fischer) wegen Reibereien mit dem Abt eine Reisegenehmigung. Jedoch stand Abt Wilhelm bald überall in Ansehen und Geltung, auch in höheren Laienkreisen und bei den benachbarten weltlichen Behören.

Als eine Hauptaufgabe stellte sich Abt Wilhelm die Verbesserung der Schule und des höheren wissenschaftlichen Unterrichts im Kloster, zunächst um eine tiefere Ausbildung der Novizen zu gewährleisten, die er anfangs noch auf die Schule der Abtei Aldersbach schicken musste. nach Heranbildung eigener Lehrkräfte ging er daran, zeitweise personell von Aldersbach unterstützt, neben den theologischen Kursen für Klosterzwecke eine allgemeine höhere Schule für humanistische und philosophische Studien nach dem Muster der Jesuitenkollegien einzurichten, deren guter Ruf bald auch Zöglinge aus Adelskreisen anzog. Das hohe Ansehen des Klosters zeigte sich auch im Eintritt adeliger Novizen.

In der Öffentlichkeit trat Abt Wilhelm persönlich v.a. bei festlichen Gelegenheiten hervor, u.a durch regelmäßige Beteiligung an der Fronleichnamsprozession in München. 1713 führte er die Skapulierbruderschaft in der Klosterkirche ein.

Durch die strikte Eintreibung der Gefälle und sorgfältige Eigenwirtschaft war die Abtei wirtschaftlich in gutem Zustand. Der Bierabsatz des Brauhauses erstreckte sich auch auf die weitere Umgebung, was nicht überall gern gesehen war. Da die Brau- und Wirtschaftsgerechtigkeit, obwohl vom Landesherrn bestätigt, immer wieder angefochten wurde, wandte sich Abt Wilhelm deswegen an Kaiser Josef I., der dem Kloster mit Erlass vom 3. Oktober 1707 insbesondere das Recht des Bierverschleißes und der Taferngerechtigkeit zuerkannte. Zu den regelmäßigen Einkünften kamen dann noch außerordentliche Vermögenszuwächse durch Erbschaften. Der Ankauf der Herrschaft Eisenstein, dessen Pfarrseelsorge das Kloster damals durch einen Expositus versah, scheiterte jedoch trotz der guten Vermögensverhältnisse am zu hohen Kaufpreis.

Da der günstige Vermögensstand es Klosters auch durch die kriegssteuern (Türkensteuer 1690/91, spanischer Erbfolgekrieg 1701-1704) nicht wesentlich erschüttert wurde, konnte Abt Wilhelm die Einnahmen zum Um- und Ausbau der klostergebäude verwenden. An das Konventgebäude ließ er einen Flügelbau nach Westen mit Torüberbau anfügen und den Prälatenstock, der einen Teil des Flügels bildete, durch einen auf vier Steinsäulen ruhenden Erkeranbau verschönern. Die Stall- und Wirtschaftsgebäudeanlage im Südteil des Wirtschaftshofes wurde von Grund auf und in größerem umfang neu errichtet, um den gesamten Ökonomiebetrieb zusammenzufassen. Dabei wurde auch das bis dahin außerhalb der Hofanlage stehende Klosterwirtshaus in den Neubau eingefügt. Auch das dem Kloster gehörende Haus mit Getreidespeicher in Deggendorf wurde zu einem besseren Absteigequartier für den Abt umgestaltet und mit einer Hauskapelle ausgestattet. Die Klosterschwaige auf dem Vogelsang wurde erweitert, der Birkhof (Spirkhof) offenbar verkauft. Zur Ausgestaltung der Klosterräume und der kirche beschäftigte Abt Wilhelm, wie eine Notiz aus dem Kloster Seligenthal bezeugt, offenbar längere Zeit einen Kunstmaler, der 1698 im Pertls Auftrag auch für Seligenthal ein Tafelgemälde anfertigte.

Abt Wilhelm Pertl starb nach nahzu 27-jähriger Regierung am 19. Mai 1716 im 58. Professjahr. Seine Grabplatte dient heute als Bodenbelag in der linken Seitenkapelle der Klosterkirche. Sein Nachfolger wurde Wilhelm Grafsturm, der das Kloster fast 44 Jahre regierte.

gge, Sep. 2019


Daten:

Abbas: el. 5. Juni 1689.

Literatur:

Lindner, Pirmin: Monasticon metropolis Salzburgensis antiquae : Verzeichnisse aller Aebte und Pröpste der Klöster der alten Kirchenprovinz Salzburg. Salzburg : Pustet, 1908 · Eberl, Anton: Geschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters Gotteszell im Bayerischen Wald. Deggendorf : Nothhaft, 1935; erweiterte Neuauflage 2019, bes. S. 71–74.

Zitierempfehlung: Pertl, Wilhelm, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 3.12.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Pertl,_Wilhelm