Peter, Leonhard

Leonhard Peter

Leonhard Peter OCist

Zisterzienser der Abtei Mehrerau; Gymnasialprofessor, Schulpräfekt; Konventualprior von Untermais 1932–1958

* 28. Feb. 1873 Willisau LU
01. Sep. 1958 Südtirol

Leonhard Peter, Taufname Eugen, wurde 1873 als Sohn des Josef Peter und der Anna geborene Unternährer in Willisau im Schweizer Kanton Luzern geboren. Er besuchte die Schulen bzw. Kollegien in Beromünster, Sarnen und Mehrerau, wo er 1891 unter Abt Maurus Kalkum in das Noviziat eintrat. Bei der Profess 1892 erhielt er den Namen Leonhard zu Ehren des damaligen Bischofs von Basel, Leonhard Haas (1833–1906), mit dem seine Familie besonders verbunden war. Von 1892 bis 1893 studierte er mit anderen Mehrerauer Fratres Philosophie in der kurz zuvor gegründeten Abtei Marienstatt im Westerwald und von 1893 bis 1897 Theologie an der Hauslehranstalt in Mehrerau, wo er 1895 die feierliche Profess ablegte. Bei seiner Primiz am 23. August 1896, predigte und assistierte ihm sein geistlicher Vater Bischof Leonhard Haas von Basel-Lugano. Die Festpredigt hielt sein älterer Bruder, Pfarrer Christian Peter von Triengen.

Nach Abschluss des Theologiestudiums unterrichtete er an den Schulen des Kollegiums S. Bernardi in Mehrerau Latein, Deutsch, Geschichte und Geographie. Von 1900 bis 1902 Subprāfekt des Kollegiums, übernahm er 1902 (bis 1906) als Präfekt dessen Leitung. Dann wurde er wiederum in der Schule selbst eingesetzt. Von 1917 bis 1918 versah er den Beichtigerposten im Kloster Eschenbach in seinem Heimatkanton Luzern und von 1918 bis 1921 in Mariazell-Wurmsbach im Kanton Sankt Gallen. Nach Mehrerau zurückgekehrt, war er zuerst als Präses der Marianischen Kongregation am Kollegium tätig, die er durch Gründung verschiedener Sektionen ausbaute; für die Studenten verfasste er in dieser zeit das Büchlein Sodalis Marisstellanus. Vom Frühjahr 1922 bis Herbst 1923 war er Subprior und vom 15. November 1922 bis zum 14. August 1931 Novizenmeister. Nachdem das Gymnasium Mehrerau für sämtliche Klassen das Öffentlichkeitsrecht erhalten hatte und daher nur noch Lehrer mit staatlicher Lehramtsprüfung unterrichten durften, erwarb er noch, obwohl schon fast sechzig Jahre alt, die staatlich anerkannte Befähigung zum Religionsunterricht an den österreichischen Mittelschulen.

Neben seiner Schul- und Erziehungstätigkeit war P. Leonhard oft im Beichtstuhl und auf der Kanzel tätig, nicht nur im Kloster, sondern auch aushilfsweise in den Pfarreien Vorarlbergs und der benachbarten Schweiz, wo er zudem in mehreren Klöstern und Kollegien Exerzitien und Einkehrlage hielt. Darüberhinaus führte er einen umfangreichen Briefwechsel. Als Autor verfasste er Beiträge zur Geschichte seines heimatlichen Klosters St. Urban, Aufsätze zur Literaturgeschichte von Zisterziensern oder zur Gründungsgeschichte von Klöstern, insgesamt über ein Dutzend Abhandlungen, die in der Cistercienser Chronik und in einer Festschrift zu Ehren des P. Gregor Müller (Bregenz 1926) veröffentlicht sind, außerdem Aufsatzstudien im Programm des Kollegiums St. Bernardi 1915/16, Aufsätze in den Mehrerauer Grüßen und nicht wenige Beifräge für die Monatsrosen und für das Vaterland. Im Bücherkatalog für die katholische Schweiz erschienen rund 550 Rezensionen von P. Leonhard. Dazu war er noch Mitredaktor des Katalogs empfehlenswerter Jugend- und Volksschriften.

Am 17. September 1932 wurde er auf Bitten des Abtes Stephan Mariacher von Stams in Tirol) zum Oberen des bisherigen Stamser Pfarrwidums Untermais bei Meran bestellt, das er mit einigen Zisterzienser-Patres aus Stams zu einem Kloster umformen sollte. nach einem Jahr wurde das Kloster Untermais zum selbständigen Priorat erhoben und P. Leonhard zum Konventualprior ernannt. Die Patres dort waren ausschließlich in der Pfarrseelsorge tätig. Die Pfarrei Untermais zählte an die 15.000 Seelen, zwei Drittel davon Italiener, nur ein Drittel Sudtiroler, die Prior Peter als neutraler Schweizer zu betreuen hatte. Dort gründete er auch die erste deutsche Pfadfindergruppe in Südtirol, mit denen er, obwohl schon weit über 70 Jahre alt, noch Zeltausflüge auf die Berge unternahm.

1953 erlitt er einen Schlaganfall (erholte sich aber wieder) und vor Silvester 1957 bei einem Versehgang einen schweren Sturz, bei dem er sich mehrere Rippen brach. Schließlich in ein Heim von Barmherzigen Schwestern eingeliefert, stürzte er dort am 30. August 1958 erneut und zog sich einen komplizierten Oberarm- und Oberschenkelbruch zu. Er starb am 1. September 1958 und wurde am 4. September auf dem Friedhof Untermais beerdigt.

gge, Jan. 2021


Daten:

Vest.: 22. Aug. 1891; Prof.: 23. Aug. 1892, 1895; Subdiac.: 8. Sep. 1895; Diac.: 28. Juni 1896; Sac.: 10. Aug. 1896; Prim.: 23. Aug. 1896.

Werke:

s. Bibliographie.

Literatur:

Mehrerauer Grüße NF 10, Januar 1959, S. 7–5 (P. Kolumban Spahr) · Willi, Dominikus: Album Wettingense. Bregenz 1904, Nr. 922, S. 219.

Zitierempfehlung: Peter, Leonhard, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 2.01.2021, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Peter,_Leonhard

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