Petit, Jérôme

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Jérôme Petit

Jérôme Petit

Abt und Reformator von N.-D. de l'Étoile 1621–1635

* 19. Dez. 1586 Châlons-en-Champagne
† 25. Okt. 1635 N.-D. de l'Étoile, Archigny, Vienne

Jérôme Petit stammte aus Châlons in der Champagne und war ein Bruder seines späteren Nachfolgers Placide Petit und ein Verwandter des Abtes Jean Petit von Cîteaux. Über sein Leben gibt ein in der Bibliothèque nationale aufbewahrtes Manuskript Auskunft, das vermutlich von seinem Neffen und Nachfolger Claude Petit verfasst wurde.

Als Vierzehnjähriger wurde er von seinem Vater in das Noviziat der Abtei Montiers-en-Argonnes gegeben und legte dort die Profess ab. Um 1603 nahm ihn Abt Denis Largentier mit nach Clairvaux, wo er seine Gelübde erneuerte. Um 1604 absolvierte er seine klassischen Studien bei den Jesuiten in Verdun, um 1608 studierte er Theologie am Collège Saint-Bernard in Paris. Am 2. September 1612 übertrug ihm Abt Nicolas Boucherat von Cîteaux die Vorlesungen über die Hl. Schrift am Collège, am 23. März 1613 wurde er zum Priester geweiht. 1614 war er Beichtvater bei den Zisterzienserinnen von Villers-Canivez und La Blanche in der Normandie.

Auf Bitten des Abtes Octave Arnolfini, der seine Unterstützung bei der Reform der Abtei Châtillon in Lothringen benötigte, wurde Petit um 1617 aus der Normandie abberufen und ging nach Châtillon. Von dort rief ihn Abt Largentier um 1619 als Novizenmeister nach Clairvaux zurück und machte ihn später auch zu seinem eigenen geistlichen Führer. Auf der Reise nach Clairvaux machte Petit in Cheminon Station, wo er mit Abt Étienne Maugier zusammentraf. Im Dezember 1620 gehörte Petit zu den fünf Kandidaten für die Koadjutorwahl in Clairvaux (gewählt wurde Claude Largentier) und übernahm im Dezember 1621 die Abtei Étoile bei Châtellerault im Poitou. Von dort aus war er vielfach im Sinne der strengen Observanz tätig.

Am 11. März 1623 unterzeichnete er in Paris die Ordonnanz des von Rom mit der Reform der Zisterzienser beauftragten Kardinals La Rochefoucauld und wurde vom Generalkapitel zum Promotor für die Provinz Poitou ernannt (im Amt bestätigt im Mai 1628). Im Juli 1624 nahm er mit drei weiteren Äbten und sechs Oberen oder Delegierten im Kloster Vaux-de-Cernay an einer Oberenversammlung der strengen Observanz teil, die die Statuten der strengen Observanz kodifizierte. Im Juli 1625 gehörte er zu den sieben Kandidaten, die von der Mehrheitsfraktion für die Abtnachfolge in Cîteaux favorisiert wurden. Am 6. Juli 1631 assistierte er in Eymoutiers mit dem 1981 seliggesprochenen Kommendatarabt Alain de Solminihac von La Chancelade bei der Benediktion des Abtes François de Tautal von Grandmont. Am 8. November 1633 nahm er mit 26 weiteren Oberen an einer Konferenz mit Kardinal Rochefoucauld in Paris teil, ebenso am 2. Mai 1634. Im selben Jahr assistierte er mit Abt Étienne Maugier dem Kardinal bei der Visitation des Collège Saint-Bernard und war am 19. Mai mit Abt Maugier bei einem Treffen des Kardinals mit dem Abt von Cîteax dabei. Am 15. september 1634 ernannte ihn Kardinal Rochefoucauld zum ersten Assistenten des zum Generalvikar der strengen Observanz bestellten Abtes Maugier.

Einem weiteren Wirken im Sinne der strengen Observanz machte Petits früher Tod ein Ende, der am 25. Oktober 1635 in seiner Abtei L’Étoile eintrat, in Anwesenheit des Abtes Pierre Tassin von La Colombe. Er wurde am folgenden Tag begraben, bei Nacht und ohne Aufsehen, um seinen Tod geheimzuhalten, da man befürchtete, der König würde die Abtei wieder einem Kommendatarabt übergeben. Als der Leichnam am 30. Oktober 1636 im Auftrag seines Nachfolgers Charles Bourgeois exhumiert wurde, um ihn in der Abteikirche neu beizusetzen, wurde er unverwest vorgefunden. Sein Grab ist nicht erhalten; die Gallia Christiana gibt seine Grabinschrift wieder.

gge, Feb. 2019


Daten:

Sac.: 23. März 1613; Abbas: Dez. 1621.

Literatur:

Dimier, Anselme: Un cistercien châlonnais…, Jérôme Petit, abbé de l'Etoile, in: Mélanges à la mémoire du Père Anselme Dimier, Bd. I, hg. von Benoît Chauvin, Arbois (1987), S. 727–730. · Garda, Claude: Vie inédite de Dom Jérôme Petit, Abbé de l'Etoile, l'un des Promoteurs de l'Étroite observance, in: Cîteaux : Commentarii cistercienses 38 (1987), S. 34–58 · Ders.: Dom Jérôme Petit, abbé de l’Étoile, d’heureuse mémoire, restaurateur de l’abbaye au XVIIe siècle, in: Les Amis de Villesalem (compte rendu de l’Assemblée générale du 6 juillet 1986), S. 9–23, und in: Les Amis de l’Étoile, 1997, 24 S. · Les fioretti de Dom Jérôme Petit, Abbé de l’Étoile, in: Les Amis de l’Étoile, n° 13, 1er semestre 2002, p. 19–26

Zitierempfehlung: Petit, Jérôme, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 26.2.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Petit,_J%C3%A9r%C3%B4me