Pfyffer von Wyer, Cäcilia

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Anna Maria Cäcilia Pfyffer von Wyer

Cäcilia Pfyffer von Wyer

32. Äbtissin des Klosters Rathausen 1683–1702

* 1638
† 21. Aug. 1702 Rathausen

Anna Maria Cäcilia Pfyffer von Wyer, von Luzern, war eine Tochter des Landvogts Franz Pfyffer, Bruder ihrer Amtsvorgängerin Basilissa Pfyffer von Wyer. Das Datum ihrer Profess ist nicht überliefert, dürfte aber im Jahr 1656 anzusetzen sein. Am 23. Oktober 1683 im Alter von 45 Jahren unter dem Vorsitz des Einsiedler Abtes Augustin Reding[1] (auf Einladung des Internuntius Cherufino Cherufini) zur Äbtissin gewählt, wurde sie am 24. Oktober 1683 von Fürstabt Reding benediziert. Gleichzeitig legten zwei Novizinnen ihre Profess ab und eine Kosttochter wurde eingekleidet.

Mit ihr setzte eine rege Bautätigkeit ein. 1685 wurden das Amtmann- und das Kaplanshaus gebaut und mit vielen Glasgemälden ausgestattet, 1702 der Pfarrhof in Emmen neu errichtet, dessen Fertigstellung sie aber nicht mehr erlebte. 1697 wurde in der inneren Kirche der Chor der Schwestern renoviert, d.h. der Boden erneuert. Im selben Jahr erhielt die Klosterkirche zwei neue, von ihren Brüdern und Schwagern gestiftete Altäre, außerdem erstmals eine Orgel. Auch verschiedene Kunstschätze wurden angeschafft, u.a. die berühmte, von dem Luzerner Goldschmied Franz Ludwig Hartmann angefertigte Rathauser Monstranz. Die 1515 geschnitzte Piéta aus der Wallfahrtskirche St. Jost in Blatten erhielt das Kloster von dem Bildhauer Michael Hartmann zum Geschenk. Auch die Musikpflege stand in hoher Blüte. Zur Unterrichtung der Schwestern engagierte die Äbtissin mehrere Musiklehrer, die mit Erlaubnis des Nuntius auch die Klausur betreten durften.

Mehrere Male nahm Äbtissin Cäcilia fremde Klosterfrauen auf, deren Kloster abgebrannt war oder die vor einem Krieg hatten fliegen müssen. 1694 brannte das Waschhaus ab. Mithilfe ihres Schwagers, des Schultheißen Johann Rudolf Dürler (Ehemann ihrer Schwester und Bruder ihrer Nachfolgerin Cäcilia Basilissa Dürler) gelang es, Rathausen (wie auch Eschenbach) wieder mit dem Zisterzienserorden und der Abtei St. Urban zu verbinden. 1699 erhielt der Abt von St. Urban das Visitationsrecht in Rathausen zurück, wenn auch formal nur ad delegationem des Legaten.[2] Darauf hatten schon ihre drei unmittelbaren Vorgängerinnen und Fürstabt Reding hingearbeitet.[3] 1701 empfing Abt Antoine de Reynold von Hauterive (später Lützel) in der Klosterkirche von Nuntius Piazza die Benediktion.

Äbtissin Cäcilia war eine tapfere, große Frau und sehr beliebt. Auch Nuntius Piazza trauerte um sie. Als er sie auf dem Sterbelager besuchte, verließ er sie weinend, heißt es in der Chronik. Sie starb am 21. August 1702 im Alter von 63 Jahren nach langem Todeskampf und wurde am 23. August von Abt Josef Zurgilgen von St. Urban feierlich bestattet. Bei ihrem Tod zählte der Konvent 50 Klosterfrauen, acht Laienschwestern und zwei Tischtöchter.[4] Im Nekrolog heißt es über sie: Regnavit cum summa laude per 19 annos.

gge, Juli 2018

  1. Fürstabt Reding war ihr Cousin. Seine Mutter war eine geborene Pfyffer von Altishofen.
  2. Die vollständige Inkorporation in den Orden erhielt das Kloster erst 1955 unter Äbtissin Ludwigis Baumgartner
  3. Der Fürstabt war sogar nach Rom gereist, dort aber am Widerstand der Kardinäle gescheitert.
  4. Das war seit der Reform des Klosters Ende des 16. Jahrhunderts ein Höchststand, der bis 1753 gehalten werden konnte.

Daten:

Prof.: 1656; Domina: el. 23. Okt. 1683, ben. 23. Okt. 1683.

Literatur:

750 Jahre Zisterzienserinnenabtei Rathausen-Thyrnau 1245–1995, [Thyrnau]: Abtei Thyrnau, 1995 · Verzeichnis aller Schwestern der Zisterzienserinnenabtei Rathausen-Thyrnau 1245–1995. [Thyrnau]: Abtei Thyrnau, 1995 · Zisterzienserinnenkloster Rathausen, in: Helvetia Sacra III/3 · Haid, Kassian: Die Reihe der Äbtissinnen von Rathausen 1245–1945: zum Siebenjahrhundert-Jubiläum des Klosters Rathausen 1245–1945, in: Der Geschichtsfreund: Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz, Bd. 99 (1946), S. 193–229.

Zitierempfehlung: Pfyffer von Wyer, Cäcilia, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 19.7.2018, URL: http://www.biocist.org/wiki/Pfyffer_von_Wyer,_C%C3%A4cilia