Pirchan, Sigismund

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Sigismund Pirchan

Sigismund Pirchan

Abt des Stiftes Hohenfurt 1426–1442; Weihbischof des Bistums Passau 1441–1472

* um 1390 Rosenberg, Böhmen [Rozmberk nad Vltavou, Tschechien]
† 15. Juni 1472 Enns-Lorch, Oberösterreich

Sigismund Pirchan (Birkhahn) wurde am Ende des 14. Jahrhunderts in Rosenberg geboren („natione de Rosenberg“) und war deutscher Herkunft. Über seine Eltern ist nichts bekannt. Er erscheint 1414 als Mönch des Zisterzienserstiftes Hohenfurt. Zur Zeit der Hussitenkriege – das Stift wurde am 24. Mai 1422 von hussitischen Horden in Brand gesteckt – war er wohl Großkellner und musste mit dem Konvent das Kloster verlassen und in Krumau [Český Krumlov] Schutz suchen. Dort wurde er nach der Resignation des Abtes Pribislaus (Přibík) am 4. Mai 1426 zum Abt gewählt.[1] Da es wegen des Krieges in Böhmen keinen Bischof gab, wurde er in Passau benediziert und kehrte in der zweiten Jahreshälfte 1436, nachdem sich die Lage dort beruhigt hatte, nach Hohenfurt zurück.

In der Folgezeit tritt er wiederholt als Gesandter und „Rat“ des in Krummau residierenden Ulrichs von Rosenberg auf, den er wahrscheinlich schon 1433 zum Konzil in Basel begleitete. Ulrich von Rosenberg sandte den Abt zum Kaiser nach Bruck in die Schweiz und zum Konzil, um Geldmittel zum Kampf gegen die Hussiten zu besorgen.

1436 nach Hohenfurt zurückgekehrt, tritt Abt Sigismund urkundlich nur wenig in Erscheinung. 1441 erneut zum Konzil gesandt, wurde er dort nach dem 13. November 1441 von Gegenpapst Felix V. unter Beibehaltung der Abtei zum Titularbischof von Salona i.p.i. (Amfissa in Griechenland) und Weihbischof in Passau ernannt. Da die Doppelfunktion aber gegen die Ordensregeln verstieß, drangen die Hohenfurter Kapitularen auf eine Neuwahl, die 1442, nachdem Abtbischof Sigismund die Unterstützung der Rosenberger verloren hatte, in der Person Sigismunds II. auch erfolgte. Auch die Zahlung der von Papst Felix zugesagten Pension ließ Abt Johann von Morimond 1453 als gegen die Ordenssatzungen verstoßend einstellen und forderte die Pontifikalien zurück, die Bischof Sigismund aus dem Kloster mitgenommen hatte.

Sigismund Pirchan unterwarf sich nach Felix’ V. Rücktritt 1449 dem rechtmäßigen Papst Nikolaus V. und behielt seine Bischofswürde, mit der er einige Weiheakte vornahm. U.a. rekonziliierte er 1445 das Stift Schlägl mit Kirche, Kreuzgang und Kapellen und weihte im folgenden Jahr den neu erbauten Chor im Zisterzienserkloster Baumgartenberg. Auch in Hohenfurt trat er noch einmal in Erscheinung als er mit Erlaubnis der Administratoren des Prager Erzbistums am 28. Oktober 1465 in der Stiftskirche zwei Altäre weihte, wohl ein Zeichen seiner späten Aussöhnung mit dem Kloster.

In seinen letzten Lebensjahren scheint er aus Alters- und Gesundheitsgründen keine Pontifikalhandlungen mehr vorgenommen zu haben. Er lebte in seiner Residenz in Lorch bei Enns, wo er wohl auch starb, am 15. Juni 1472, über 80 Jahre alt. Sein Grab fand er in der St. Lorenzkirche, wo sich sein Grabstein erhalten hat. Das Kircheninventar aus dem Jahr 1472 vermerkt, dass man dem Weihbischof einen Kelch mit ins Grab gegeben habe („... item ain zinan kelich dem Weichbischof in das Grab gegeben“).

gge, März 2017

  1. „Anno 1426 factus est abbas D. Sigismundus pirchan natione de Rosenberg, et fuit electus in abbatem uno mense ante mortem praedicti D. Pribyslai et in abbatem Pataviae consecratus.“ Urkunde im Stiftsarchiv Wilhering, zitiert nach Xenia Bernardina III, S. 338.

Daten:

Abbas: el. Mai 1426, res. 1442; Ep.: 1441.

Literatur:

Kaindl, Dominik: Geschichte des Zisterzienserstiftes Hohenfurt in Böhmen. Hohenfurt, 1930, S. 34–35 · Schmidt, Valentin: Abt Sigismund Pirchan († 1472) aus Hohenfurt, Bischof von Salona. Ein Beitrag zur Geschichte des Basler Konzils, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige Bd. 33 (1912) S. 643–652 · Ebner, Johannes: Sigismund Pirchan Episcopus tit. Salonensis († 15. Juni 1472), in: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines Bd. 149, 1 (2004) S. 469–477.

Zitierempfehlung: Pirchan, Sigismund, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 17.4.2017, URL: http://www.biocist.org/wiki/Pirchan,_Sigismund