Pyrker, Johann Ladislaus

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Johann Ladislaus Pyrker
Portrait von Friedrich Lieder

Johann Ladislaus Pyrker

56. Abt von Lilienfeld, Bischof von Zips (Spišská Kapitola), Patriarch von Venedig und Erzbischof von Erlau (Eger)

* 2. Nov. 1772 Lángh, Ungarn
† 2. Dez. 1847 Wien

Ursprünglich trug Pyrker den Namen Johann Pircher. Er war Sohn des Gutsverwalters der Grafen Zichy in Lángh. Als Sohn deutschsprachiger Eltern in Ungarn wuchs er zweisprachig auf. Um etwa 1816 wandelte er seinen bisherigen Familiennamen in „Pyrker“ um, weil ein Adeliger namens Pyrker von Felsö-Eör die Familie Pircher als Verwandte anerkannte.

Zunächst besuchte Johann das Gymnasium in Stuhlweißenburg (Székesfehèrvár) und die philosophische Lehranstalt in Fünfkirchen (Pécs). Von 1790 bis 1792 war er Beamter in der Statthalterei in Ofen (Buda). Ein ehemaliger Zisterzienser von Hohenfurt empfahl ihm den Eintritt in das Stift Lilienfeld. Im Oktober 1792 trat er in Lilienfeld ein und erhielt den Ordensnamen Ladislaus. Nach dem Noviziat studierte er im Priesterseminar St. Pölten Theologie. 1796 wurde er zum Priester geweiht. Er war im Stift Lilienfeld Ökonomiedirektor (1798–1807), Kämmerer und Waldmeister (1800–1807). In seiner Zeit als Pfarrer von Türnitz (1807–1811) konnte er während der Napoleonischen Kriege durch sein geschicktes Verhandeln mit dem französischen General das Niederbrennen des Marktes Türnitz verhindern. Einige Monate nach einem verheerenden Brand im Stift Lilienfeld wurde Pyrker 1811 als Prior in das Stift gerufen. Bereits 1812 wählten ihn seine Mitbrüder zu ihrem Abt. In seiner Zeit als Abt des Stiftes Lilienfeld erwies er sich vor allem als tüchtiger Ökonom, der das Stift wieder aufbaute. Auf Einladung Kaiser Franz’ I. nahm er 1814/1815 auch an einigen Cercles des Wiener Kongresses teil. In seiner Zeit als Abt knüpfte Pyrker freundschaftliche Beziehungen zur kaiserlichen Familie. Mitunter betätigte sich Pyrker auch als Reisebegleiter für kaiserliche Prinzen durch die Gebirgswelt um Lilienfeld.

1818 bestimmte Kaiser Franz I. Pyrker zum Bischof der Diözese Zips. Dort setzte er sich in mehreren Mahnschreiben besonders für die Katechese und für einen unbescholtenen Lebenswandel des Klerus ein. Er gründete mit kaiserlicher Unterstützung die erste Lehrerbildungsanstalt der Slowakei und visitierte viele – selbst weit entlegene – Pfarren seiner Diözese.

1820 berief Kaiser Franz I. vor allem auf Empfehlung des Vizekönigs Lombardo-Venetiens, Erzherzog Rainers, Pyrker zum Patriarchen von Venedig und Primas von Dalmatien. Pyrker setzte gegen den Widerstand vieler Geistlicher die Pflicht zur Sonntagspredigt durch und förderte sehr das Schulwesen. Durch seine engen Kontakte zum Kaiser konnte er den Venezianern die Rückgabe mancher einstigen Rechte erwirken (Dobersberger 268.288).

1826 wurde Pyrker von Kaiser Franz I. zum Erzbischof von Erlau und Obergespan des Heveser Komitats ernannt. In Erlau gründete Pyrker eine Lehrerbildungsanstalt und ließ von 1831 bis 1837 eine neue Kathedrale im klassizistischen Stil errichten. Er nahm seine politische Verantwortung im restaurativ – Habsburg treuen Sinn wahr. Gleichzeitig erlebte er bereits die angespannte innenpolitische Lage Ungarns vor dem Revolutionsjahr 1848.

Pyrker besuchte seit 1817 regelmäßig Gastein zu Kuraufenthalten. Um den Kurbetrieb auch in Hofgastein zu ermöglichen, setzte er 1828 durch seine Kontakte zum Kaiser und durch die Gründung einer Aktiengesellschaft den Bau einer Thermalwasserleitung nach Hofgastein durch.

Mit großer Leidenschaft betätigte sich Pyrker zeit seines Lebens als Dichter. Er schrieb historische Dramen (Die Korwinen, Karl der Kleine, Zrínis Tod) und Gedichte. Vor allem die epischen Werke „Tunisias oder Kaisers Carl V. Heeresfahrt nach Afrika“ und „Rudolph von Habsburg“ brachten ihm den Namen „Homer der Habsburger“ ein. Er pflegte Kontakte zu vielen Dichtern seiner Zeit und gehörte zum Salonkreis der Schriftstellerin Karoline Pichler. Er förderte verschiedene Künstler, unter ihnen auch Franz Grillparzer, Josef Danhauser und Franz Schubert. Letzterer vertonte Pyrkers Werke „Das Heimweh“ und „Die Allmacht“. 1844 wurde Pyrker Ehrenmitglied der Ungarischen Akademie, 1847 war er einer der 40 Gründungsmitglieder der österreichischen Akademie der Wissenschaften. Er war zudem Ehrendoktor der theologischen Fakultät in Würzburg und der philosophischen Fakultät in Jena (Dobersberger 546).

Pyrker starb im 76. Lebensjahr in Wien. Sein Leichnam wurde auf seinen kurz vor seinem Tod geäußerten Wunsch hin am Lilienfelder Ortsfriedhof bestattet. Sein Herz ruht in der Krypta der Kathedrale von Erlau.

Pius Maurer


Daten:

Vest.: 20. Okt. 1792; Prof.: 24. Mai 1795; Ord. Sac.: 4. Dez. 1796; Abbas: el. 8. Juli 1812; Ord. Episc.: 18. April 1819.

Werke:

Historische Dramen. Die Korwinen. Karl der Kleine. Zrínis Tod, Wien 1810. · Tunisias oder Kaisers Carl V. Heeresfahrt nach Afrika, Wien 1820. · Perlen der heiligen Vorzeit, Ofen 1821. · Rudolf von Habsburg, Wien 1825. · Legenden der Heiligen auf alle Sonn- und Festtage des Jahres, Wien 1842. · Bilder aus dem Leben Jesu und der Apostel, Leipzig 1842. · Oestreich. Eine Volkshymne. Heil dir, o theures Vaterland!, Salzburg 1842. · Gebet. Ich preis im Staub Dich, o Herr, Wien 1842. · Lieder der Sehnsucht nach den Alpen, Stuttgart 1845.

Quellen:

Sermo … Joannis Ladislai Pyrker de Felsö Eör … ad clerum, populumque pastorali suae curae creditum, occasione suae inaugurationis, Levoča 1819 · Epistola Pastoralis Joannis Ladislai Pyrker de Felsö Eör Miseratione Divina Patriarchae Venetiarum Primatis Dalmatiae, Wien 1821 · Epistola Pastoralis ad vener. Clerum dioecesis Agriensis, Erlau 1828 · Johann Ladislaus Pyrker, Mein Leben, hrsg. v. Aladar Paul Czigler, Wien 1966.

Literatur:

Müller, Eugen: Profeßbuch des Zisterzienserstiftes Lilienfeld, St. Ottilien 1996, bes. S. 330–332 · Dobersberger, Roland: Johann Ladislaus Pyrker 1772–1847, St. Pölten – Wien 1997.

Normdaten:

GND: 11874304X · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Pius Maurer: Pyrker, Johann Ladislaus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 16.8.2012, URL: http://www.biocist.org/wiki/Pyrker,_Johann_Ladislaus