Ratzenböck, Wilhelm

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Wilhelm Ratzenböck OCist

Wilhelm Ratzenböck OCist

70. Abt des Zisterzienserstiftes Wilhering 1948–1965

* 18. Juli 1900 Traberg
† 22. Feb. 1966 Wels

Wilhelm Ratzenböck wurde am 18. Juli 1900 als Sohn eines Schuhmachers in der Stiftspfarre Traberg geboren. Er war ein Neffe des Wilheringer Priors und späteren Missionsabtes Justinus Wöhrer, auf dessen Namen er auch getauft wurde. Wie auch seine Brüder Hans und Ferdinand besuchte Justinus Ratzenböck als Externer das Untergymnasium im Zisterzienserstift Wilhering und maturierte, da das Stiftsgymnasium damals noch keine Oberstufe hatte, am Linzer Staatsgymnasium. Am 19. August 1920 trat er als Novize in das Stift Wilhering ein, studierte Theologie in St. Florian und Mehrerau und kam 1925 als Kooperator in die Stiftspfarren Zwettl und Vorderweißenbach. Neben der Kaplanstätigkeit in Vorderweißenbach erarbeitete er eine alttestamentliche Dissertation, mit der er 1935 von der Universität Salzburg zum Doktor der Theologie promoviert wurde.

Nach seiner Promotion von Abt Gabriel Fazeny als Novizenmeister ins Kloster zurückberufen, musste er schon nach einem Jahr die entlegene Stiftspfarre St. Johann in Niederösterreich übernehmen, wo er auch während der Zeit des Zweiten Weltkriegs und der Aufhebung des Stiftes Wilhering ausharrte. Im Herbst 1946 kehrte Wilhelm Ratzenböck als Prior in das Stift zurück. Außerdem unterrichtete er Religion am Stiftsgymnasium, das nun Klasse für Klasse wieder aufgebaut wurde. Am 13. August 1948 wurde er zum Abt gewählt.

Abt Wilhelm stand dem Stift Wilhering 17 Jahre lang vor. Seine Amtszeit ist geprägt durch den personellen und baulichen Aufschwung der Nachkriegszeit. 22 Professkleriker und vier Laienbrüder legten in dieser Zeit ihre ewigen Gelübde ab. Im Stift ließ Abt Wilhelm den Westflügel der bereits in der Barockzeit geplanten, aber bis dahin nicht weitergeführten Stiftsanlage ausbauen. Dadurch wurde es möglich, das Gymnasium mit allen acht Klassen zu führen und die Schülerzahl von etwa 100 auf ca. 260 zu erhöhen. Ein neu errichteter Gymnasialbau ermöglichte bessere Unterrichtsbedingungen und schuf im überbelegten Südtrakt Platz für neue Internatsräume.

Schon seit einigen Jahren schwer zuckerkrank, legte Abt Wilhelm Ratzenböck sein Amt am Schutzengelsonntag 1965 (5. September) nieder und starb schon ein halbes Jahr später, am 22. Februar 1966, im Krankenhaus Wels. Er wurde in der Wilheringer Äbtegruft beigesetzt.

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Daten:

Vest.: 19. Aug. 1920; Sac.: 1925; Abbas: el. 13. Aug. 1948; res. 5. Sep. 1965.

Werke:

Die Steuern bei den Hebräern zur Zeit der ersten Könige. Oberweißenbach, 1932 (128 S.).

Literatur:

Dr. Wilhelm Justinus Ratzenböck, 70. Abt des Stiftes Wilhering (1900-1966) in memoriam, in: CistC 78 (Juli 1966), S. 125–126 · Dr. Wilhelm Justinus Ratzenböck, 70. Abt des Stiftes Wilhering (1900-1966) in memoriam, in: Jahresbericht. Stiftsgymnasium Wilhering 56 (1966), S. 4–5.

Zitierempfehlung: Ratzenböck, Wilhelm, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 9.5.2016, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Ratzenb%C3%B6ck,_Wilhelm