Reiss, Lucia

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Lucia Reiss

Lucia Reiss OCist

44. Äbtissin des Klosters Lichtenthal 1974–1989

* 05. Juni 1913 Furtwangen
† 14. Aug. 1989 Baden-Baden

Lucia Reiss, Taufname Emma, wurde 1913 als jüngstes der sechs Kinder der Eheleute Theodor und Pauline Reiss in Furtwangen im Schwarzwald geboren. Von 1928 bis 1930 besuchte sie die Mädchenschule der Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal in Baden-Baden, die sie mit der Mittleren Reife verließ. Das Abitur machte sie an der städtischen Oberrealschule in Baden-Baden, dem heutigen Markgraf-Ludwig-Gymnasium. Im April 1933 trat sie als Postulantin in die Abtei Lichtenthal ein, wurde am 5. Januar 1934 als Novizin eingekleidet und legte am 6. Januar 1938 die feierliche Profess ab.

Nach dem Noviziatsjahr und der Profess studierte sie (in Zivil) von 1935 bis 1940 Germanistik, Geschichte und Englisch in Freiburg, Münster und Straßburg und wurde 1944 in Straßburg bei dem bekannten Professor Hermann Heimpel mit einer grundlegenden „Studie zur Wirtschafts- und Verfassungsgeschichte des Zisterzienserinnen-Klosters Lichtenthal (1245–1803)“ zum Doktor der Philosophie promoviert.

1947 ernannte sie die neugewählte Äbtissin Adelgundis Lohrmann zu ihrer Stellvertreterin (Priorin). 1954 übernahm sie zusätzlich als Rektorin die Leitung der Mädchenschule des Klosters, an der sie schon vorher als Lehrerin unterrichtet hatte. Am 7. August 1974 zur Äbtissin gewählt und am Fest Kreuzerhöhung (14. September) von Bischof Dr. Hermann Schäufele benediziert, nahm sie sich mit Tatkraft der äußeren Aufgaben an.

Technisch interessiert und offen für Neuerungen ließ sie schon damals die Klosterbuchhaltung auf EDV umstellen und andere technische Geräte anschaffen. Ende der 1970er-Jahre veranlasste sie einen umfassenden Umbau der seit der Aufgabe der Landwirtschaft leerstehenden Ökonomiegebäude, bei dem sie auch selber Hand anlegte. Es entstanden neue Werkstätten für die Paramentenstickerei, die Weberei, die Goldschmiede und die Grafikabteilung. Daneben wurde die umfangreiche Buch- und Kunsthandlung eröffnet. Weiterhin entstanden Tagungs- und Seminarräume, mehrere Gästezimmer und 1979/80 das Oratorium, eine Hauskapelle für die Gäste. 1980 wurde die Mädchen-Grund- und Hauptschule zur koedukativen Grundschule umgewandelt und damit auch für Jungen zugänglich.

Äbtissin Lucia starb am 14. August 1989 in Baden-Baden auf dem Transport ins Krankenhaus an akutem Herzversagen. Zu ihrer Nachfolgerin wurde Adelgundis Selle gewählt.

gge, April 2018


Daten:

Vest.: 5. Jan. 1834; Prof.: 6. Jan. 1935, 6. Jan. 1938; Abbatissa: el. 7. Aug. 1974, ben. 14. Sep. 1974; Dev.: Per crucem ad lucem – Durch das Kreuz zum Licht.

Werke:

Studien zur Wirtschafts- und Verfassungsgeschichte des Zisterzienserinnen-Klosters Lichtenthal, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 96 (1948), S. 230–306 (Universität Straßburg, 1944).

Literatur:

Reufsteck, Lucia: Maria Lucia Reiss 1913–1989 ; Äbtissin der Cistercienserinnen-Abtei Lichtenthal, in: Zwischen Suppenküche und Allee, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Baden-Baden, 2012, S. 164–171 · 750 Jahre Kloster Lichtenthal 1245–1995. Festschrift zum Klosterjubiläum. Eigenverlag Abtei Lichtenthal, Baden-Baden 1995, S. 68–69 · Nachruf · Sterbebild.

Normdaten:

GND: 1032753048 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Reiss, Lucia, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 14.5.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Reiss,_Lucia