Hieronymus von Reitzenstein
Zisterzienser der Abtei Langheim; Weihbischof in Bamberg 1474–1503
* um 1420
† 16. Juli 1503 Bamberg
Hieronymus tammte aus der oberfränkischen Adelsfamilie der Herren von Reitzenstein. Er trat um 1440 in die Zisterzienserabtei Langheim ein und studierte an den Universitäten Heidelberg (ab 1446) und Köln (ab 1454), „in der h. schrift doctor“. 1462 wurde er Pfarrer der Langheimer Patronatspfarrei Altenkunstadt[1], 1472 Professor der Theologie im Kloster (Jäck). Als 1474 der Bamberger Weihbischof Johann Goldener resignierte, bestimmte Bischof Georg von Schaumberg Reitzenstein zum Nachfolger. Dieser reiste unverzüglich nach Rom, um die päpstliche Bestätigung zu erhalten.
Mit Datum 16. November 1474 zum (Titular-)Bischof von Athyra in Thrakien ernannt (heute Büyükçekmece im europäischen Teil der Türkei), wurde er am 18. Dezember in der Kirche S. Maria dell’Anima in Rom von Bischof Giacomo OESA konsekriert. 1497 verzichtete er auf Altenkunstadt[2] und erhielt von Papst Innozenz VIII. als Kommende auf Lebenszeit die Bamberger Pfarrei St. Martin, die seitdem mit dem Amt des Weihbischofs verbunden blieb (Inkorporation durch Papst Alexander VI. am 17. Oktober 1497). Reitzenstein übte in den nahezu drei Jahrzehnten seines Wirkens im ganzen Bistum Pontifikalfunktionen aus. Unter anderem weihte er am 25. Oktober 1500 die (inzwischen durch einen barocken Neubau ersetzte) Valentinikapelle in Unterleiterbach.
Er starb am 16. Juli 1503. Sein Grab befand sich mit denen der ihm folgenden Weihbischöfe in der alten, gotischen St.-Martinskirche am heutigen Maxplatz in Bamberg, die samt ihren Gräbern und Grabmälern 1804 im Zuge der Säkularisation zerstört wurde.[3] Die Inschriften der metallenen Grabtafeln und die Beschreibung der Grabmäler sind jedoch überliefert. Von der Tafel des Weihbischofs Hieronymus ist eine farbige Abbildung im Archiv des Historischen Vereins Bamberg aufbewahrt.[4] Sein Jahrtag in Langheim war nach dem dortigen Nekrologium der 19. März.[5]
gge, Juni 2025
- ↑ Bamberg, Staatsarchiv, Kloster Langheim Urkunden 1462 X 14, in: Monasterium.net, URL <https://www.monasterium.net/mom/DE-StABa/Langheim/1462_X_14/charter>, accessed 2025-06-03+02:00
- ↑ 1500 bis 1515 wird Maternus von Reitzenstein als Pfarrvikar (vicarius perpetuus) genannt, wohl sein Verwandter (Pfarrarchiv Altenkunstadt).
- ↑ Dominikus Willi, Päpste, Kardinäle und Bischöfe aus dem Cistercienser-Orden, S. 55, Nr. 268, sagt, er wäre am 19. März 1484 gestorben und im Kreuzgang des Klosters Langheim „ante aram vicinam suggestui“ bestattet worden, was aber wohl eine Verwechslung ist. Gestützt wird diese Angabe auf die von Tezelin Halusa in der Cistercienser Chronik 19 mitgeteilten Nekrologischen Notizen aus Kloster Langheim von Georg Strobl, CistC 19 (1907), S. 289–295, hier: S. 291.
- ↑ Die Inschrift lautet: Reverendissimus Dominus Dr. Hieronimus De Reitzenstein, S. S. Theologiae Doctor, Suffraganeus Bambergensis Anno Domini 1503 Die Decima Sexta Julii (Der hochehrwürdige Herr Hieronimus von Reitzenstein, der hochheiligen Theologie Doktor, Weihbischof von Bamberg, 1503 am 16. Tag des Juli).
- ↑ Max Heid: Kirchenschiff oder Chor. Zur Baugeschichte der Pfarrkirche Lichtenfels, in: Geschichte am Obermain Band 7, Jahresgabe 1971/72, Selbstverlag des Colloquium Historicum Wirsbergens, S. 101ff., hier: S. 109–110.
Daten:
Ep. tit. Naturensis: nom. 16. Nov. 1474, cons. 18. Dez. 1474.Literatur:
Gatz, Erwin (Hg.)/Brodkorb, Clemens (Bearb.): Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches 1448 bis 1648. Ein biographisches Lexikon, Berlin 1996, S. 577 (Egon Johannes Greipl) · Guttenberg, Erich von: Das Bistum Bamberg (Germania Sacra A. F. Abt. 2: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz), Berlin 1937 (ND Berlin 1963) S. 292–293 · Kist, Johannes: Hieronymus von Reitzenstein O. Cist., Weihbischof von Bamberg (1474–1503), in: Bericht des Historischen Vereins für die Pflege der Geschichte des ehemaligen Fürstbistums Bamberg 90, 1950, S. 322–327 · Bauer, Lothar: Das Epitaph des Bamberger Weihbischofs Hieronymus von Reitzenstein († 1503) in Alt-St. Martin, in: Fränkisches Land. 11. Jahrgang Nr. 4, 1969.Vorlage:Page.name: REITZENSTEIN, Hieronymus OCist – Biographia Cisterciensis
