Renner, Augustin

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Augustinus Renner

Augustin Renner

33. Abt des Zisterzienserstiftes Rauden in Oberschlesien 1753–1783

* 10. Mai 1716 Schönwald
† 29. Sep. 1783 Urbanowitz

Augustin Renner betrieb seine Gymnasialstudien bis zur Logik einschließlich in Breslau. Profess 8. Dez. 1738. Studium der Philosophie und Theologie im Stift. Er verteidigte öffentlich mit Lob Thesen aus der ganzen Theologie. Ein halbes Jahr nach der Priesterweihe 1743 wurde er in die Seelsorge nach Matzkirch geschickt; auch leitete er die Ökonomie in Dobieschau, wurde Küchenpräfekt und war einige Jahre Provisor. Am 19. August (Nowack 29) oder September (Potthast 115) 1753 zum Abt gewählt[1], wurde Renner am 18. Oktober als solcher installiert. Fürstbischof Schaffgotsch infulierte ihn am 15. August 1754 und erhielt dafür 200 Goldgulden.

Verliefen auch die ersten zwei Jahre von Renners Regierungszeit friedlich, gestatteten es die Umstände dem Abt doch nur einmal, sich für längere Zeit vom Stift zu entfernen, und zwar vom 3. März bis 2. Juli 1768, als er mit Erlaubnis Friedrichs des Großen in Begleitung des Raudener P. Stanislaus Misura und des Prälaten Konstantin Haschke von Heinrichau zum Generalkapitel nach Cîteaux reiste.

Nach dem Ausbruch des Dritten Schlesischen Krieges (1756–1763) begann seine schwere Zeit. Das Stift musste so große Geldsummen zahlen und solche Mengen an Getreide, Mehl und Speck abliefern, dass man sich fragte, wie es noch existieren und die Mönche ernähren konnte. Auch der 1763 eingetretene Friede brachte keine Erleichterung: Steuern, Zehnten und andere Verpflichtungen, die nur mit den größten Kosten erfüllt werden konnten, belasteten die Stiftskasse; u.a. sollte das Kloster ein Schiff auf der Oder unterhalten und Maulbeerplantagen zur Zucht von Seidenraupen anlegen. Lindenbäume mussten an den öffentlichen Wegen gepflanzt, außerdem mehrere Handwerksbetriebe errichtet werden (u.a. eine Bleiche, eine Ölmühle und eine Drahtzieherei).

Trotz der hohen Auflagen erholte sich das Kloster bald wieder. Um 1770 waren die Finanzen wieder soweit geordnet, dass Abt Augustin von 1771 bis 1773 die baufällige Pfarrkirche in Matzkirch erneuern und von Ignaz Raab SJ aus Troppau mit wertvollen Bildern ausmalen lassen konnte. Das Pfarrhaus hatte er schon vor dem Krieg neu erbauen und die Kirche in Schönwald 1755—1757 mit einen neuen Turm versehen lassen. 1774 ließ er das Schlösschen in Stodol »zur Erholung und Bequemlichkeit seiner Mönche« umbauen und durch den Maler Franz Anton Sebastiani ausmalen, der auch die Tafelbilder im großen Saal der Abtei Rauden anfertigte. Renners weiteren Bauplänen setzte sein Tod ein Ende. – Nachdem Diebe durch einen Einbruch in die Sakristei dem Stift einen Schaden von etwa 15.000 Gulden verursacht hatten, ersetzte ihn Abt Renner durch die Anschaffung kostbarer neuer Ornate.

Als König Friedrich mit Edikt vom 28. August 1773 die Anlegung neuer Dörfer in Schlesien verfügte, ließ auch Abt Renner 1776 nicht weit von Rauden eine Kolonie von zehn Stellen aussetzen, die nach ihm Rennersdorf genannt wurde. Überhaupt stand Abt Augustin mit Friedrich dem Großen in gutem Einvernehmen, der ihm zahlreiche Gunstbeweise erwies. Als der Monarch 1779 Oberschlesien besuchte, nahm er seinen Rückweg über Rauden und unterhielt sich während des Pferdewechsels mit dem Abt. Als König Friedrich 1782 nach einer Truppenbesichtigung in Cosel eine große Tafel hielt, entsandte er einen Boten an Renner und entschuldigte sich, dass er ihn nicht eingeladen habe, versprach aber dieses in Zukunft niemals mehr zu vergessen. So wurde Renner denn auch am 20. August 1783 zur königlichen Tafel nach Cosel gebeten, wo sich der König zum Erstaunen aller Anwesenden unter vier Augen mit ihm unterhielt.

Abt Augustin Renner starb am 29. September 1783 in Urbanowitz, auf dem Weg nach Breslau zu einem Gegenbesuch beim Regierungspräsidenten Oberschlesiens. Seine Leiche wurde nach Rauden übertragen und in der Äbtegruft beigesetzt. – Der Chronist des Klosters Rauden betont die allgemeine Beliebtheit des Abtes, eines »guten Herrn, freundlich gegen die Brüder und gewohnt mit Milde die Geister zu leiten«, tadelt aber auch, dass »infolge seiner Milde Laxheiten Eingang« in das Klosterleben gefunden hätten (Nowack 30).

gge

  1. Die 31 wahlberechtigten Mönche hatten dem König einen Dreiervorschlag zu unterbreiten, aus dem König Friedrich (der Große) P. Augustin Renner auswählte.

D:

Prof.: 8. Dez. 1738; Sac.: 1743; Abbas: el. 19. Aug. oder Sep. 1753, inst. 18. Okt. 1753, ben. 15. Aug. 1754.

L:

Nowack, Alfons: Die Priester der Zisterzienserabtei Rauden OS. 1682–1810 (1856). Breslau: Kommissionsverlag der Ostdeutschen Buchhandlung, 1935, S. 29–30. · Potthast, August: Geschichte der Ehemaligen Cistercienserabtei Rauden in Oberschlesien. Leobschütz: R. Bauer, 1858, S. 115–122.

Zitierempfehlung: Renner, Augustin, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 11.10.2011, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Renner,_Augustin