Reutter, Marian

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Abt Marian Reutter und das Lyceum in Szombathely Gemälde von István Dorfmeister, 1794/95 , Ungarische Nationalgalerie, Budapest

Marian Reutter OCist

58. Abt von Heiligenkreuz und 3. Abt von St. Gotthard

* 10. Jan. 1734 Wien
† 21. Okt. 1805 Wien

Marian Reutter, Sohn des kaiserlichen Hofkompositeurs und Kapellmeisters zu St. Stephan, Georg Reutter (d.J.), und seiner Frau Anna Theresia, erhielt seine musikalische Ausbildung im Kapellhaus zu St. Stephan, wo er mit dem jungen Joseph Haydn bekannt war. 1753 trat er (gemeinsam mit P. Clemens Scheupflug) in das Zisterzienserstift Heiligenkreuz ein und feierte 1757 seine Primiz. Anschließend lehrte er bis 1761 Theologie im Stift, war von 1766 bis 1768 und von 1776 bis 1778 Bibliothekar und Novizenmeister und Seelsorger in den Stiftspfarren Trumau (1761–1765 und 1768–1771) und Münchendorf (1771–1776 und 1778–1788), bis ihn Abt Alberik Fritz im Mai 1788 zum Prior ernannte. Nachdem das Stift 1790 nach dreijähriger Sedisvakanz von Kaiser Leopold II. die Wahlfreiheit wieder erhalten hatte, wählte ihn das Kapitel zum Abt.

Unter Abt Marians Regierung erhielt das Stift 1792 wieder die Erlaubnis Novizen aufzunehmen. 1793 wurde in Steinamanger (Szombathely) in Ungarn ein philosophisches Studium (Gymnasium) gegründet, für das Abt Marian die Verpflichtung übernahm, vier Professorenstellen mit Zisterziensern aus seinen Klöstern zu besetzen. Da nicht genug geeignete Stiftsangehörige zur Verfügung standen[1], nahm Abt Marian mehrere Geistliche aus aufgehobenen Klöstern auf und sandte Kleriker zum Studium nach Wien. 1802 wurde in Heiligenkreuz die gemeinsame Theologische Lehranstalt der vier damals bestehenden niederösterreichischen Zisterzienserklöster[2] errichtet, ebenso 1804 im Neukloster zu Wiener Neustadt ein Gymnasium, dessen Unterhalt und Personal die vier Klöster gemeinsam zu tragen hatten.

Abt Marian galt als guter Musiker und ausgezeichneter Violinist. Durch ihn kam der umfangreiche musikalische Nachlass seines Vaters nach Heiligenkreuz. Während seines Abbatiats baute der k.k. Hoforgelbaumeister Ignaz Kober die große Orgel in der Stiftskirche.

Reutter starb, die letzten Jahre seines Lebens erblindet, am 21. Oktober 1805 als Stiftssenior und Jubelprofess in Wien. Sein Leichnam wurde nach Heiligenkreuz überführt und auf dem Konventfriedhof beigesetzt. Nach rund zehnmonatigem Interregnum folgte ihm der Administrator Nikolaus Kasche im Amt.

Wenige Wochen nach Reutters Tod wurde das Stift durch den Durchmarsch von 30.000 Mann Franzosen und die übrigen Besitzungen durch große Kontributionen schwer belastet. Wurde das Kloster auch nicht im eigentlichen Sinne geplündert, so wurden doch alle seine Vorräte an Wein und Frucht fast bis zur Neige erschöpft. Ebenso empfindlich war für das Stift der kaiserliche Befehl, dem Stift Neukloster in Wiener-Neustadt zu seiner besseren Subsistenz entweder das Gut Trumau abzutreten, oder eine bare Summe von achtzigtausend Gulden für immer zu übergeben, ohne Anspruch auf Ersatz. Heiligenkreuz, das durch die letzten beiden Äbte finanziell wieder vollkommen saniert war, entschloss sich zu Letzterem (1806).

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  1. Es waren nur drei, darunter der spätere Abt von Pilis-Pásztó Theophil Schumann. Die vier Stellen wurden daher mit Weltpriestern besetzt, die von Heiligenkreuz bezahlt wurden.
  2. Zwettl, Neukloster, Heiligenkreuz und Lilienfeld

Daten:

Prof.: 2. Juli 1753; Prim.: 23. Jan. 1757; Abbas: el. 10. Nov. 1790.

Werke:

Panegyricus Divi Evangelistae coram antiquissimae, 1756 · Lob- und Ehrenrede auf die hl. Jungfrau Maria und Martyrerin Caecilia, 1763 · Lobrede auf den heiligen Kilianus, Apostel und Martyrer der Franken, 1766.

Bibliographie:

Koll, Malachias: Das Stift Heiligenkreuz in Österreich. Wien: Beck, 1834, S. 129–131. · Gsell, Benedikt: Die Abtei Heiligenkreuz in Nieder-Oesterreich, in: Brunner, Sebastian: Ein Cisterzienserbuch. Würzburg 1881, S. 52ff., bes. S. 103–104. · Heiligenkreuz, in: Beiträge zur Geschichte der Cistercienser-Stifte. (= Xenia Bernardina III), Wien : A. Hölder, 1891 · Watzl, Florian: Die Cistercienser von Heiligenkreuz, Graz 1898, S. 186–187. · Österreichisches Musiklexikon Bd. 4, sub verbo Reutter, Familie. Wien: Österr. Akademie d. Wissenschaften, 2005.

Zitierempfehlung: Reutter, Marian, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 28.9.2012, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Reutter,_Marian