Richter, Petrus

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Petrus II. Richter

Petrus Richter

Pětr Rychtar

38. Abt des Klosters Neuzelle 1695–1703

* 21. Jan. 1667 Kannewitz, Oberlausitz
† 18. Jan. 1726 Ossegg, Böhmen [Osek]

Geboren wurde Petrus II. Richter in Kannewitz in der Oberlausitz als Sohn von Petrus und Gertrudis Richter und erhielt zur Taufe am 21. Januar 1667 den Namen Petrus. Er dürfte sorbischer Nationalität gewesen sein. Über seine Schulbildung ist nichts bekannt. Er trat in Neuzelle ein und legte 1689 die Ordensprofess ab. 1692 bis 1694 studierte er Theologie in Prag und erhielt 1694 die Priesterweihe. In Neuzelle muss er sich schnell das Vertrauen des Abtes (Eugen Haumann) erworben haben, so dass er zum Prior ernannt wurde. Am 10. Februar 1695 unterzeichnete er eine Grundstücksübereignung als Prior.

Als während eines Besuchs des Generalvikars, Abt Andreas Trojer von Plaß, Abt Eugenius Haumann am 5. März 1695 plötzlich starb, wurde sofort und ohne Rücksprache mit dem Kaiser die Neuwahl angesetzt. Aus ihr ging Petrus Richter als neuer Abt hervor. Damit war er innerhalb eines Jahres Priester, Prior und Prälat geworden. Am 8. Oktober 1695 bestätigte der Kaiser die Wahl.

Wie bei seinem Vorgänger sind von Abt Petrus vor allem die wirtschaftlichen Aktivitäten überliefert. Er baute die Vorwerke aus, bereinigte viele Grenzstreitigkeiten und konnte im 16. Jahrhundert verpfändete Güter wieder an das Kloster bringen. Aber bereits nach sieben Jahren ging seine Amtszeit zu Ende. Wegen Konkubinats resignierte er am 6. November 1702 vor Konvent und Generalvikar, musste aber noch im Amt bleiben bis zur Bestätigung durch den Kaiser. Die offizielle Resignation erfolgte am 10. April 1703, auf die sofort am nächsten Tag die Wahl des neuen Abtes (Conradus Proche) erfolgte. Der resignierte Abt lebte dann in Jungbunzlau (Mladá Boleslav), Hohenfurt (Vyšší Brod), Brünn (Brno), Saar (Žďár nad Sázavou) und Ossegg (Osek), wo er am 18. Januar 1726 starb.

Winfried Töpler


Literatur:

Mauermann, Franz Laurenz: Das fürstliche Stift und Kloster Neuzell. Regensburg 1840, ND Kamp-Lintfort 1993, S. 140–143. · Theissing, Heinrich: Die Äbte von Neuzelle. Ein Abriß der Klostergeschichte. In: Neuzelle. Festschrift zum Jubiläum der Klostergründung vor 700 Jahren. 1268–1968. Hrsg. v. Joachim Fait und Joachim Fritz, Leipzig u. München 1968, S. 59–60. · Töpler, Winfried: Das Zisterzienserkloster Neuzelle und die weltlichen und geistliche Mächte 1268–1817. Berlin 2003. · Ders.: Album Neocellense oder Verzeichnis der Mönche von Neuzelle. Teil 2 Vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Aufhebung des Klosters. In: Neuzeller Studien 3. In Vorbereitung.

Zitierempfehlung: Richter, Petrus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 17.1.2013, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Richter,_Petrus