Salem

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Reichsabtei Salem


ehem. Kloster Salem, Nordfassade des Abteigebäudes
Foto: F. Bucher, cc-by-sa-2.0
Ort: Salem im Linzgau (Baden-Württemberg)
Observanz: OCist
gegründet: 1134
aufgehoben: 1802
Mutterabtei: Lützel
Tochterklöster: Raitenhaslach (1143), Wettingen (1227), Königsbronn (1303)
Web: www.salem.de/start/

Ehemalige Zisterzienserabtei in der heutigen Gemeinde Salem im Linzgau (Baden-Württemberg); ehemals eine der wohlhabendsten und bedeutendsten reichsunmittelbaren Abteien des Bodenseeraums; aufgelöst 1802.

Geschichte

Die 1134 entstandene Zisterze Salem war vom elsässischen Lützel aus eingerichtet worden. Sie war eines der ersten Zisterzienserklöster in Deutschland und entstand unter staufischer Beteiligung. In einem Diplom König Konrads III. (1138–1152) von 1142 erhielt das Kloster Königsschutz und, damit verbunden, die Vogtei der deutschen Herrscher. Die daraus resultierende Königs- bzw. Reichsunmittelbarkeit der Zisterze prägte auch die enge Anlehnung des Klosters an die staufischen Herrscher während der Amtszeit Abt Eberhards von Rohrdorf (1191–1240).

Gegen landesherrschaftliche Konkurrenz und auf der Grundlage einer umfangreichen geschlossenen Grundherrschaft zwischen oberer Donau und Bodensee (Grangien- und Rentenwirtschaft) sowie eines straff organisierten Klosterstaates für mitunter (1310) mehr als 300 Mönche konnte das Kloster auch im späten Mittelalter seine reichsunmittelbare Stellung erhalten, die nochmals 1521 auf dem Wormser Reichstag Kaiser Karls V. (1519–1558) bestätigt wurde. In der frühen Neuzeit war Salem auf den Reichstagen vertreten und Mitglied der Prälatenbank des schwäbischen Reichskreises. Durch die Reformation ging Besitz in Nürtingen an das Herzogtum Württemberg verloren, eine versuchte Eingliederung Salems durch den Konstanzer Bischof scheiterte spätestens 1562. Nach der Brandkatastrophe von 1697 begann man mit dem barocken Neubau der Klosteranlage (Kaisersaal von 1708, Speisesaal mit Kachelofen von 1733, Ostflügel des Kreuzgangs mit Bilderzyklus zu Bernhard von Clairvaux von um 1766), die gotische Abteikirche, die vom Brand verschont geblieben war, wurde zwischen 1774 und 1784 klassizistisch umgestaltet. Hinzu kamen der Bau der Birnauer Wallfahrtskirche (am Bodensee, 1746–1750) und der Innenausbau des abteilichen Schlosses Kirchberg (bei Immenstadt).

Der umfangreiche Grundbesitz des Klosters war in der frühen Neuzeit schon längst in Form einer Rentengrundherrschaft organisiert, in der die Mönchsgemeinschaft die niedere und hohe Gerichtsbarkeit besaß. Der Klosterbesitz war nach Ämtern gegliedert (z.B. das Oberamt in Salem für das „unterbergische Land“ mit 22 Orten und 3800 Untertanen, das Oberamt in Ostrach mit 14 Orten und 1300 Einwohnern usw.).

Die Reichsabtei Salem wurde 1802 aufgehoben, der Mönchskonvent 1804. Das Kloster selbst und der Großteil seines Besitzes kam an die Markgrafen von Baden, die die Klostergebäude als Wohnsitz für die nicht regierenden Familienmitglieder nutzten („Familienfideikomiss“). 1920 wurde in Salem eine Reformschule gegründet, 2008/09 ist das Salemer Schloss Hauptverhandlungsmasse im Kompromiss zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem Haus Baden.

Michael Buhlmann


Quellen und Literatur:

Knapp, Ulrich: Auf den Spuren der Mönche. Bauliche Zeugen der Zisterzienserabtei Salem zwischen Neckar und Bodensee, Regensburg 2009. · Rösener, Werner: Reichsabtei Salem. Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte des Zisterzienserklosters von der Gründung bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts (= Vorträge und Forschungen, Sonderbd. 13), Sigmaringen 1974. · Schneider, Reinhard (Hg.): Salem. 850 Jahre Reichsabtei und Schloss, Konstanz 1984.

Zitierempfehlung: Salem, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 17.2.2016, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Salem