Sapieha, Bernhard

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Bernhard Sapieha

Bernhard Sapieha

poln.: Bernard Paweł Franciszek Sapieha herbu Lis; lit.: Povilas Pranciškus Sapiega

Abt des Klosters Paradies 1694–1715; Bischof von Samogitien 1715; Staatssekretär des Großherzogtums Litauen

~ 23. April 1657 Schurawno, Ukraine
01. Okt. 1715 Kodeń

Bernhard Sapieha, Taufname Paulus Franciscus, vom Wappen Lis, getauft am 23. April 1657) war ein Sohn des litauischen Großschreibers Jan Fryderyk Sapieha (1618–1664) und seiner Frau Konstancja Herburt; seine Brüder waren Kazimierz Władysław Sapieha (1650–1703), Großschatzmeister von Litauen, und Mikołaj Leon Sapieha (1644–1685), Woiwode von Bracław in Podolien.

Er studierte an den Jesuitenkollegien in Lemberg und Warschau und unternahm danach eine Reise durch Westeuropa, wo er Italien, Frankreich (1678/9), die Niederlande und Deutschland besuchte. 1679 nach Polen-Litauen zurückgekehrt, wurde er Soldat, nahm wahrscheinlich Ende 1683 an der Expedition des litauischen Heeres in die Slowakei und nach Ungarn teil und wurde Oberst. Im Januar 1684 befehligte er ein Regiment Dragoner, nahm aber seinen Abschied aus der Armee und schlug die kirchliche Laufbahn ein. Am 1. Mai 1686 erhielt er die Minores und wurde am 25. März 1688 zum Priester geweiht.

Im September 1688 wurde er Pfarrer in Kodeń, hielt sich aber oft am königlichen Hof auf, wo er großes Ansehen und die Protektion des Königspaares genoss. Er war Kanoniker in Warschau (bereits 1690, trat Anfang Januar 1699 zurück) und Vilnius (18. Juli 1689, verzichtete 1692), Kustos in Płock, Kantor in Vilnius (bereits 1690) und Scholaster in Sandomierz vom 26. Juni 1693 bis 1695.

Politisches Wirken

In den Jahren 1692 bis 1695 bemühte er sich mit der Hilfe einflussreicher Verwandter und der Königin um das Bistum Samogitien (heute Kaunas), erhielt es aber nicht, da König Jan Sobieski die Position des Adelsgeschlechts Sapieha in Samogitien nicht stärken wollte und seine Zustimmung verweigerte. Auch ein Kanonikat in der Diözese Ermland blieb ihm 1693 verwehrt. Bei der Zusammenkunft des polnischen Parlaments (Sejm) in Grodno 1693 erhielt er die Position des Staatssekretärs des Großherzogtums Litauen, wahrscheinlich wegen der irrtümlichen Nachricht vom Tod des Amtsinhabers Wincenty Wołłowicz.

Viele Jahre kämpfte er um den Titel und führte ihn in den Jahren 1694 bis 1695 unberechtigt. Um das Missverständnis zu beseitigen, bot ihm König Jan Sobieski am 5. Mai 1695 das Amt des Referendarius Lithuaniae an, das Sapieha jedoch ablehnte. Nach dem Tod Wołłowicz’ 1698 bewarb er sich beim neuen König August II. erneut um die Staatssekretärsstelle, erhielt sie aber wegen der starken anti-sapiehaschen Opposition wieder nicht. Erst am 18. April 1704 erhielt er auf die Fürsprache des litauischen Großkanzlers Karol Stanisław Radziwiłł den ersehnten Posten, begab sich auch im Januar 1705 zur Eidesleistung nach Krakau, jedoch war König August schon nach Sachsen zurückgekehrt. Möglich ist, dass er den Eid vor dem Senatrat ablegte, an dem er im März teilnahm.

Im März 1707 trat er unter familiärem Druck aus der Czeresier Linie in Leisnig bei Leipzig an die Seite des Gegenkönigs Stanisław Leszczyński, der ihn vor dem 18. April 1707 für das Bistum Chełmno nominierte. Da er nicht aus eigener Überzeugung mit König Leszczyński verbunden war, wechselte er Ende August 1709 in Babimost wieder in das Lager Augusts II. und kehrte nach Polen und in sein Amt als Staatssekretär zurück. Beim allgemeinen Konzil in Warschau 1710 nahm er unter anderem an einer Audienz des Nuntius am 24. Februar 1710 teil und verlas einen Brief des Thrones an den Senat.

Kirchliche Karriere

Bereits 1694 war Sapieha zum Abt des Zisterzienserklosters Paradies (Paradyż) bei Danzig gewählt worden[1], nachdem er als P. Bernhard in den Orden eingetreten war. Am 16. Januar 1708 wurde er Generalkommissar des Zisterzienserordens in Polen. Anfang Februar und März 1708 nahm er am Provinzkapitel teil; 1710 leitete er das Provinzkapitel in Bienieszew, in dem er aufgefordert wurde, zwei Klöster für philosophische und theologische Studien für die polnische Provinz zu benennen.

Am 16. Dezember 1713 erhielt er das Bistum Samogitien, für das er am 21. Januar 1715 vom Papst präkonisiert wurde, verbunden mit der Erlaubnis, die Abtei Paradies noch für fünf Jahre zu behalten. Die Bischofsweihe empfing er vor dem 2. Mai 1715 in der Theatinerkirche in Warschau durch den Apostolischen Nuntius Girolamo Grimaldi, Erzbischof von Edessa (Urfa) in partibus. Sapieha war verpflichtet, die Bischofsresidenz in Wornie/Varniai renovieren zu lassen, ein Priesterseminar einzurichten und ein Präbende für einen Theologen und einen Pönitentiar (Bußkanoniker) beim Domkapitel einzurichten.

Vom Nuntius zum Mitglied der Kommission für die Visitation des Kamaldulenserklosters in Wigry ernannt, nahm er jedoch nicht mehr an dessen Aktivitäten teil. Er starb nach langer Krankheit am 1. Oktober 1715 in Kodeń und wurde dort beigesetzt. Sein Neffe Jan Fryderyk Sapieha (1680–1751) ließ ihm ein Grabmonument errichten. Er hinterließ ein nachlässig geführtes Tagebuch aus dem Jahr 1694, das wenig Informationen über öffentliche Ereignisse und den Autor selbst enthält (Arch. Radziwiłłów, Journal II, Band 60, S. 179–296).

Er trug den Titel eines päpstlichen Thronassistenten und hatte in Kodeń, dem Familiensitz der Sapieha, einen Altar und einen Pfarrhof errichten lassen.

gge, Okt. 2019

  1. Bestätigt durch Kaiser Leopold mit Datum Laxenburg, 23. Mai 1701.

Daten:

Sac.: 25. März 1688; Abbas: el. 1694; Ep.: praec.: 21. Jan. 1715.

Literatur:

Rachuba, Andrzej: Sapieha h. Lis Paweł Franciszek (w zakonie Bernard), in: Polski słownik biograficzny, Bd. 35. Warszawa-Kraków, 1994, S. 148–149.

Zitierempfehlung: Sapieha, Bernhard, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 20.10.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Sapieha,_Bernhard