Schäfer, Christoph

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Christoph Schäfer OCist

Christoph Schäfer

Schäffer

51. Abt des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz 1615–1637

* um 1578 Olmütz
† 10. Aug. 1637 Wien

Christoph Schäfer wurde um 1578 als Sohn einer adeligen Familie in Olmütz geboren. Er studierte am Collegium Germanicum in Rom, machte in Cîteaux das Noviziat und legte 1604 in Heiligenkreuz die Profess ab. Bald darauf wurde er zum Priester geweiht und an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert.

Im Kloster hatte er unter Abt Paul Schönebner einige Widrigkeiten zu leiden und suchte daher 1609 Zuflucht bei seinem Conprofessen Abt Matthias Gülger in Rein, von dem er zum Präfekten der in Graz studierenden Reiner Junioren ernannt wurde. Abt Matthias sandte Schäfer auch nach Cîteaux, um beim Generalabt die Absetzung Schönebners als Generalvikar der österreichischen Zisterzienserklöster durchzusetzen, was ihm auch gelang.

Schäfer hielt sich bis zum Tod Schönebners in Rein auf. Danach wurde er auf kaiserlichen Befehl als Temporalien-Administrator in Heiligenkreuz eingesetzt (15. Okt. 1613) und, nachdem er die schlechte wirtschaftliche Lage des Stiftes wieder etwas verbessert hatte, am 18. Januar 1615 zum Abt gewählt (Benediktion 25. März 1615).

Durch den Abbau der Schulden, deren größter Teil bei den Landeskassen abzutragen war, und durch die Klugheit und Geschicklichkeit, die Abt Schäfer als zweimaliger gewählter Verordneter der Stände zu Wien in öffentlichen Angelegenheiten bewies, erwarb er sich bei Kaiser Ferdinand II. soviel Vertrauen, dass dieser ihn zum Kriegskommissär bestimmte und das Stift mit aller Kraft bei seinen alten Rechten und Privilegien beschützte. Diesem kaiserlichen Schutz ist es auch großenteils zuzuschreiben, dass die Protestanten (Dreißigjähriger Krieg) das Stift selbst verschonten; nur in den Pfarren Alland und Sittendorf verursachten sie großen Schaden.

Im Stift selbst hatte Abt Christoph mit vielen Unglücksfällen zu kämpfen. 1620 verheerten die Polen und Mährer das Land Österreich jenseits der Donau, worunter auch die dort gelegenen Stiftsgüter zu leiden hatten. 1621 verwüsteten die aufständischen Ungarn (Bethlen Gábor) die Ortschaften Wilfleinsdorf, Trumau, Thallern und Pfaffstätten. 1623 brannte der Meierhof beim Kloster ab und 1627 nach einem Blitzschlag der Kirchturm, das Kirchendach und ein großer Teil der Stiftsgebäude.

Abt Christoph konnte von Kaiser Mathias die Bestätigung aller Privilegien des Stiftes erhalten und mehrere früher veräußerte Güter wieder an das Stift zurückbringen, geriet aber durch die Unglücksfälle und den Wiederaufbau, u.a. eines neuen Konventsgebäudes mit Winterrefektorium, in große Schulden. Der dadurch verursachte Konflikt führte dazu, dass viele Konventsmitglieder das Stift verließen und in anderen Klöstern hospitierten, Abt Christoph selber war zwei Jahre von seinem Amt suspendiert, bis die ganze Angelegenheit auf Anordnung Kaiser Ferdinands II. durch den Bevollmächtigten des Ordens, Abt Ignaz Krafft von Lilienfeld, beendet und entschieden wurde.

1623 wurde Abt Schäfer gegen die Bestimmungen der albertinischen Stiftungsurkunde der Universität als erster Ordensgeistlicher Rector magnificus der Wiener Universität. Das Generalkapitel ernannte ihn zum Generalvikar des Ordens, als der er einige Reformen durchführte. Zweimal wurde er zum Verordneten der niederösterreichischen Landstände gewählt.

Abt Christoph Schäfer starb nach schwerer Krankheit am 10. August 1637 im Stiftshof in Wien. Sein Leichnam wurde in der Stiftskirche begraben (durch den Abt von Goldenkron, Johann Benzius, einen ehemaligen Professen von Heiligenkreuz).

gge, Aug. 2012


Literatur:

Watzl, Florian: Die Cistercienser von Heiligenkreuz, Graz 1898, S. 63. · Beiträge zur Geschichte der Cistercienser-Stifte. Wien : A. Hölder, 1891, S. 76. · Koll, Malachias: Das Stift Heiligenkreuz in Oesterreich. Wien, 1834, S. 115–117. · Gsell, Benedikt: Die Abtei Heiligenkreuz in Nieder-Oesterreich, in: Brunner, Sebastian: Ein Cisterzienserbuch. Würzburg 1881, S. 52ff., bes. S. 92–94.

Zitierempfehlung: Schäfer, Christoph, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 11.11.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Sch%C3%A4fer,_Christoph