Schillinger, Candidus

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Candidus Schillinger

Candidus Schillinger

Abt des Stiftes Rein 1673–1684

† 28. Aug. 1684 Vorau

Candidus Schillinger, Taufname Johann Friedrich, aus Leoben, war nach der Profess 1657 im Zisterzienserstift Rein und der Priesterweihe Pfarrer von St. Martin in Deutsch-Feistritz. Nach dem Tod des Abtes Balthasar Stieber († 23. April 1673) wurde er am 10. Juni 1673 unter dem Vorsitz des Lilienfelder Abtes Matthäus Kolweiß (als Delegat des Vaterabtes Alberich Degen von Ebrach) zum Abt gewählt und am nächsten Tag von Generalvikar Klemens Scheffer von Heiligenkreuz benediziert. Assistenten waren Abt Kolweiß und Abt Leopold Fölsch von Neuberg. Am 19. August 1673 wurde der neugewählte Abt in den steirischen Landtag eingeführt. Er war Visitator und Generalvikar des Ordens für Kärnten und Krain, landständischer Verordneter und seit 1683 Steuerkommissär für das Viertel zwischen Mur und Drau.

Abt Candidus übernahm das Stift mit hohen Schulden, die er auch während seiner Regierungszeit nicht verringern konnte. Trotzdem entfaltete er eine rege Bautätigkeit. Da Rein von der 1679/80 in Graz grassierenden Pest verschont geblieben war, wurde 1681 die Sebastianikapelle (Pestkapelle) gebaut. Die alte Gruft wurde erbaut und die alte Sakristei barockisiert. Für die sieben Altäre der Stiftskirche erreichte er 1676 von Papst Clemens X. ein Ablassbreve. Am 15. Oktober 1673 assistierte Abt Candidus in der Hofkirche in Graz bei der Hochzeit des Kaisers Leopold I. mit Claudia Felicitas von Tirol. Am 20. August 1683 hielt Abraham a Sancta Clara in Rein die Predigt zum Bernhardsfest, die im folgenden Jahr im Druck erschien. Während der Zeit der Türkenbelagerung diente das Stift Rein auch Flüchtlingen aus österreichischen Zisterzienserklöstern als Zufluchtsort, darunter auch der spätere Heiligenkreuzer Abt Gerhard Weixelberger, der am 23. April 1685 in Rein zum Priester geweiht wurde.

Der bei seinen Konventualen beliebte Abt Candidus starb nach dem von ihm gehaltenen Pontifikalamt zum Augustinifest 1684 im Chorherrenstift Vorau am Schlag. Sein Leichnam wurde nach Rein überführt, sein Herz in Vorau beim Altar des hl. Augustinus bestattet. Zu seinem Nachfolger wurde Alanus Matt gewählt.

gge, Nov. 2017, rev. Juni 2018


Daten:

Prof.: 3. Juni 1657; Abbas.: el. 10. Juni 1673, ben. 11. Juni 1673.

Literatur:

Schücker, Walter: Abt Klemens Scheffer von Heiligenkreuz als Vater Abt und Generalvikar der österreichischen Zisterzienserklöster. Theol. Diss. Wien 1941 · Wind, Martin: Die Äbte von Rein. In: Stift Rein 1129–1979. 850 Jahre Kultur und Glaube. Rein, 1979 · Brandt, Veronika: Das Zisterzienserkloster Rein in den Jahren 1640 bis 1710: das Wirken der Äbte Balthasar Stieber, Candidus Schillinger, Alan Matt und Jakob Zwigott. Diss. Univ. Graz, 1979.

Zitierempfehlung: Schillinger, Candidus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 19.6.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Schillinger,_Candidus