Schnabel, Michael

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Michael II. Schnabel OCist

Michael Schnabel

52. Abt des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz 1637–1658; Generalvikar der österr. Zisterzienserklöster 1639–1658

* 17. Sep. 1607 Pfaffstätten
† 24. März 1658

Michael Schnabel wurde als als Sohn verarmter Stiftsuntertanen in Pfaffstätten, Niederösterreich, geboren. Nach dem Tod des Vaters 1616 nahm sich das Stift seiner an. Als Sängerknabe kam er ins Kloster und wurde in Musik und in den Wissenschaften unterrichtet. 1624 legte er die Profess ab. Zum Studium wurde er an die Wiener Universität geschickt, wo er 1631 Baccalaureus der Philosophie wurde. Im September 1631 feierte er seine Primiz.

Auf Bitten des dortigen Abtes Balthasar Huebmann ging er in das Stift Neuberg und lehrte dort bis 1634 Logik und Moral. Als der Heiligenkreuzer Abt Christoph Schäfer von der Verwaltung des Stiftes suspendiert worden war, wurde Michael Schnabel vom Generalvikar der österreichischen Ordensprovinz, Abt Ignaz Krafft von Lilienfeld, als Subprior in Heiligenkreuz eingesetzt (Nov. 1634 bis 1636). Am 20. Februar 1636 legte er an der Wiener Universität die Rigorosen aus der gesamten Theologie ab, weigerte sich aber die Doktorwürde anzunehmen. Wenige Wochen nach dem Tode des Abtes Christoph, am 8. September 1637, wählten die Kapitularen den noch jungen Mann zum Abt. Am 20. September wurde er installiert und am 25. November infuliert.

In Abt Michaels II. Regierungszeit begann der Aufstieg des Stiftes „zu einer neuen Blüte klösterlichen Lebens“ (Pexa 110–114, zitiert nach Schücker, K. Scheffer S. 2). Er achtete sehr auf die Disziplin und den Gottesdienst. Besonders machte er sich aber durch die Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse verdient, die eine umfangreiche Bautätigkeit erlaubten. Zwar hatte auch Abt Michael unter den widrigen Zeitumständen zu leiden – Kriegen, Aufständen, Kontributionen, Einquartierungen, Missernten, Unwettern und Seuchen (Pest 1644), doch blieb er unermüdlich tätig.

1643 erhob er im Zuge der Gegenreformation Heiligenkreuz zu einer eigenen Pfarre, die er mit Stiftsgeistlichen besetzte. Auch die Wirtschaftsführung, die unter seinen Vorgängern von weltlichen Beamten versehen wurde, übergab er Stiftsmitgliedern. 1653 konnte Schnabel die Bewohner des stiftseigenen Ortes Steinbruch in Ungarn, die dem Stift seit 1608 die Untertänigkeit verweigerten, „zur Pflicht des Gehorsams zurückführen“ (Koll 118).

Als Bauherr vollendete er den Bau des Konventgebäudes, ließ den Meierhof und andere Wirtschaftsgebäude (Getreidespeicher, Sägemühle) errichten und vergrößerte den Konventgarten. Er ließ die Stiftswälder vermessen und die Grenzen der Stiftsländereien berichtigen. 1650 veranlasste er den Wiederaufbau der 1548 völlig zerstörten Grangie Trumau, deren Herrenhaus einen schlossähnlichen Charakter erhielt (beendet 1667). 1651 kaufte er das Gut Niederleis und 1652 das Gut Sparbach. Für Niederleis überließ der Kaiser der Abtei „wegen des Eifers, den sie für die Erhaltung der katholischen Religion und in Verdrängung der Protestanten erwiesen hatte“, das Patronatsrecht, das er bis dahin selbst ausgeübt hatte.

Abt Michael reiste zum Generalkapitel nach Cîteaux, das ihn zum Generalvikar der österreichischen Zisterzienserklöster ernannte. In dieser Eigenschaft visitierte er viele Klöster in Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain. – Eigenhändig ordnete er das Stiftsarchiv.

Michael Schnabel starb am 24. März 1658. Er hinterließ das Stift schuldenfrei und in bestem Zustand (Koll 120).

gge


Genealogie:

V.: Johann Schnabel († 1616); M.: Martha Schnabel.

Daten:

Vest.: 30. Nov. 1622; Prof.: 1. Jan. 1624; Primiz: Sep. 1631; Abbas: el. 8. Sep. 1637, inst. 20. Sep. 1637, ben. 25. Nov. 1637.

Werke:

Memorabilia (…) circa statum monasterii Sanctae Crucis. Autograph aus dem Jahr 1637.

Literatur:

Beiträge zur Geschichte der Cistercienser-Stifte. Wien : A. Hölder, 1891, S. 76. · Watzl, Florian: Die Cistercienser von Heiligenkreuz, Graz 1898, S. 69–70. · Koll, Malachias: Das Stift Heiligenkreuz in Österreich. Wien 1834, S. 117–120. · Gsell, Benedikt: Die Abtei Heiligenkreuz in Nieder-Oesterreich, in: Brunner, Sebastian: Ein Cisterzienserbuch. Würzburg 1881, S. 52ff., bes. S. 94–95. · Pexa, Aelred: Abt Michael Schnabel von Heiligenkreuz als Generalvikar der österr. Cistercienserklöster 1639–1658. Diss. 1927.

Zitierempfehlung: Schnabel, Michael, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 28.9.2012, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Schnabel,_Michael