Schneidt, Ambrosius

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Ambrosius Schneidt

Ambrosius Schneidt

40. Abt des Zisterzienserklosters Himmerod 1596–1612

† 29. Dez. 1612

Ambrosius Schneidt aus Cochem hatte das Studium der Humaniora an der Stiftsschule in Emmerich absolviert. 1562 wurde er Kaplan und Sekretär des Abtes Johann von Briedel. 1579 protestierte er als Beichtvater der Zisterzienserinnen in der alten Leer zu Koblenz gegen die durch den Trierer Erzbischof beabsichtigte Verlegung des Klosters auf die Rheininsel Niederwerth, die ein Jahr später durchgeführt wurde. Seit Herbst 1580 war er Rent- und Speichermeister in Himmerod. 1595 ernannte ihn Generalabt Edmond de la Croix von Cîteaux zum Beichtvater der Zisterzienserinnen von Löwenbrücken bei Trier.

Bei der Abtswahl am 16. November 1596 – Abt Johannes Roder war am 30 Oktober gestorben – erhielt Schneidt bereits im ersten Wahlgang die Stimmenmehrheit der 23 Kapitulare. Die Wahl leiteten die Trierer Benediktineräbte von St. Marien und St. Martin, als erzbischöflicher Kommissar war Weihbischof Petrus Binsfeld erschienen. Infolge der Kriegs- und Pestgefahr in der Region waren bei der Wahl keine Ordensvertreter zugegen gewesen. Deshalb erklärte Abt Denis Largentier von Clairvaux, der im September 1598 sein Tochterkloster visitierte, die Wahl für ungültig. Als jedoch der Konvent auf seiner Entscheidung beharrte, bestätigte der Vaterabt den Erwählten und ließ ihn durch seinen Assistenten, Abt Matthias Durrus von Villers-Bettnach, in die Regierung des Klosters einsetzen. Die Benediktion hatte Ambrosius bereits am 14. September 1597 in der Trierer Dominikanerkirche durch Weihbischof Petrus erhalten. Dieser Vorfall veranlasste den neuen Erzbischof von Trier, Lothar von Metternich, solche Visitationen für die Zukunft zu verbieten.

Die schwierige Wirtschaftslage des Klosters geht aus einem Schuldschein von 1598 hervor, worin der Abt von den vielen Steuern, Überfällen, langwierigen Kriegen und Missernten spricht. Im Winter 1602 und 1604 wurde Himmerod wiederum von holländischem Kriegsvolk geplündert und verwüstet; zum Glück hatte man kurz vorher die Wertgegenstände in Sicherheit gebracht. 1609 wurde der Hof Winterbach bei Kordel für 750 Gulden an die Grafen von Kesselstatt verkauft. Ambrosius leitete die Abtswahlen in Heisterbach (23. September 1597, Johannes Buschmann) und in Eberbach (26. Juni 1600, Valentin Molitor). 1608 übertrug ihm Abt Claude Masson von Morimond im Einvernehmen mit Clairvaux die Visitation und Reform der kurtrierischen Zisterzienserinnenklöster St. Thomas, Machern, Niederwerth, Rosenthal, Allerheiligen in Oberwesel und Wallersheim mit Ausnahme von Löwenbrücken, das unter der Jurisdiktion von Morimond bleiben sollte.

Abt Ambrosius, weithin geschätzt als Schönschreiber und Illuminator, bereicherte die Bibliothek durch Abschreiben von Handschriften und Inkunabeln, die er mit kunstvollen Initialen und Randleisten ausmalte. Für den Trierer Erzbischof und Kurfürsten Lothar von Metternich fertigte er ein kostbares, mit Miniaturen geschmücktes Messbuch (Missale). Der kunstsinnige und bescheidene Abt starb am 29. Dezember 1612 und wurde im Kapitelsaal beigesetzt. Sein Grabstein aus rotem Sandstein, der ihn mit Kukulle, Stab und Mitra zeigt, befindet sich heute in der Abteikirche Himmerod.

gge, Mai 2018


Daten:

Abbas: el. 16. Nov. 1596, ben. 14. Sep. 1597.

Literatur:

Schneider, Ambrosius: Die Cistercienserabtei Himmerod von der Renaissance bis zur Auflösung 1511–1802. Köln: Wienand, 1976, S. 7–9 · Ders.: Die Äbte der Cistercienserabtei Himmerod, in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 12 (1960), S. 53–74 · Wellstein, Gilbert: Abt Ambrosius Schneidt von Himmerod, in: Cistercienser Chronik 41 (1929), S. 128–136.

Zitierempfehlung: Schneidt, Ambrosius, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 8.6.2018, URL: http://www.biocist.org/wiki/Schneidt,_Ambrosius