Schrappeneder, Andreas

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Andreas Schrappeneder

Andreas Schrappeneder

41. und letzter Abt des Stiftes Säusenstein 1752–1788

* 9. Dez. 1716 Stronsdorf, Niederösterreich
† 3. Mai 1788 Säusenstein, Niederösterreich

Andreas Schrappeneder besuchte das Gymnasium in Nikolsburg [Mikulov] und wurde am 3. November 1733 als Novize im Zisterzienserstift Säusenstein eingekleidet. Am 3. November 1734 legte er die Profess ab und wurde am 17. Juli 1740 Priester. Nachdem er einige Zeit im Kloster tätig gewesen war, kam er 1743 als Pfarradministrator in seinen Geburtsort, wo er sich neben der Seelsorge auch durch das Ordnen des Pfarrarchivs und die Sicherung der Pfarrrechte verdient machte. Am 3. Februar 1752 nach kurzem Wahlgang zum Abt gewählt, wurde er am 6. Februar 1752 in der Stiftskirche von Abt Robert Leeb von Heiligenkreuz unter Assistenz der Äbte Dominik Peckenstorfer von Lilienfeld und Raimund Schedelberger von Wilhering infuliert. Abt Raimund als Vaterabt ratifizierte noch am selben Tag einen Vertrag zwischen dem Abt und dem Konvent, nach dem die Kapitularen die Erträge eines Stiftungskapitals erhalten sollten, dafür aber ihre Kleidung selbst beschaffen mussten.

Abt Andreas setzte die erfolgreiche Arbeit seiner Vorgänger Malachias Ziegelböck und Roman Mayerl fort. Auf die wissenschaftliche Bildung des Klosternachwuchses bedacht, richtete er ein Hausstudium für Philosophie und Theologie ein und vermehrte die Bibliothek um zahlreiche gelehrte Werke. Die Decke des Bibliotheksaales ließ er mit Gemälden und Bildhauerarbeiten schmücken. Wie es damals üblich war, ließ er am Ende des Schuljahres die Studenten unter der Leitung eines Professors öffentliche Disputationen halten und die dabei verteidigten Thesen im Druck veröffentlichen.[1]

Die Bauarbeiten am neuen Klostertrakt, den er um mehrere Zimmer vergrößern ließ, brachte er zum Abschluss, ließ den Brunnen im Klosterhof mit einer Steinfassung umgeben, den Boden der Stiftskirche mit Marmor auslegen und auf den Hochaltar einen neuen vergoldeten Tabernakel setzen. Außerdem schaffte er viele wertvolle Kaseln an und ließ 1769 den Pfarrhof in Gottsdorf bauen. 1766 nahm er am Provinzkapitel der österreichischen Zisterzienser in Zwettl teil und war dort bei der Wahl des Abtes Rainer Sigl am 24. April 1776 zugegen. Auch zu den Prälaten der anderen niederösterreichischen Klöster unterhielt er gute Beziehungen. Dem Melker Abt Urban Hauer hielt er nach dessen Tod 1785 die Exequien. 1777 zum Verordneten des niederösterreichischen Prälatenstandes gewählt, gehörte er dem Verordnetenkollegium an, bis dieses 1784 durch kaiserliches Dekret mit der niederösterreichischen Landesregierung vereinigt wurde.

Andreas Schrappeneder war ein mustergültiger Abt, theologisch gebildet und gewandt in der Führung der Geschäfte, achtenswert als Mensch, Priester und Ordensmann. Er starb am 3. Mai 1783 im Alter von 71 Jahren an einer Lungenentzündung und einem Schlagfluss und wurde am 6. Mai, da die Gruftbestattung untersagt war, auf dem Friedhof an der Stiftskirche beerdigt. Sein Grab ist nicht erhalten. Nach seinem Tod gestattete Kaiser Josef II. keine Abtwahl mehr und bestimmte stattdessen am 21. Mai 1789 Abt Ambros Rixner OSB von Seitenstetten zum Administrator der Temporalien. Die Abtei Säusenstein war damit aufgehoben.

gge, April 2017

  1. Der Titel einer solchen lautet: Philosophia eclectica publicae disputationi exposita, in Celeberrimo et Antiquissimo Monasterio Sac. et ab origine exempti Ord. Cist. D. M. V. de Valle Dei (vulgo) Seisenstein Mense Septembr. die X et XI. AE. V. (Aerae vulgaris) MDCCLV.

Daten:

Vest.: 3. Nov. 1733; Prof.: 3. Nov. 1734; Sac.: 17. Juli 1740: Abbas: el. 3. Feb. 1751, ben. 6. Feb. 1751.

Literatur:

Erdinger, Anton: Geschichte des aufgehobenen Cisterzienser-Stiftes Säusenstein in Niederösterreich (Fortsetzung), in: Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich, Band 11, Wien 1877, S. 13–31, hier: 17–21.

Web:

Totenrotel, in: Die Totenrotelsammlung von St. Emmeram, Band 9, 1786–1790, 1790.

Zitierempfehlung: Schrappeneder, Andreas, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 3.5.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Schrappeneder,_Andreas