Sept-Fons

Notre-Dame de Sept-Fons

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Abtei Sept-Fons (Foto: Pethrus, cc by-sa 4.0)
B.M.V. de Sancto Loco ad Septem Fontes
Ort: Diou, Dép. Allier, Frankreich
Observanz: Zisterzienser OCSO
gegründet: 1132
aufgehoben: 1791–1845
Primarabtei: Clairvaux
Mutterabtei: Fontenay
Web: www.abbayedeseptfons.com/

Zisterzienserabtei der strengeren Observanz in Diou, Dép. Allier, Frankreich, rund 34 km östlich von Moulins in Richtung Paray-le-Monial; gegründet 1132, 1791 säkularisiert, 1845 wiederbesiedelt durch Verlegung des Konvents von Le Gard.

Geschichte

Die heute im französischen Bistum Moulins gelegene Abtei wurde 1132 von Guichard und Guillaume de Bourbon aus dem Haus Bourbon-Lancy gestiftet. Von Zisterziensermönchen der Abtei Fontenay besiedelt, gehörte sie damit zur Filiation von Clairvaux. Dank der Großzügigkeit der Stifter sowie des Tatendrangs von Abt und Gemeinschaft konnten Kirche und Klostergebäude rasch fertiggestellt werden. Doch nach der anfänglichen Freigebigkeit schienen die Stifter und Freunde das Kloster zu vernachlässigt zu haben; die Mönche sahen sich gezwungen, Teile ihres Landes zu verkaufen, um den Lebensunterhalt zu sichern. Bis zur Reform 1663 überstieg die Zahl der Ordensleute nie fünfzehn. Ursprünglich war das Kloster unter dem Namen „Notre-Dame de Saint-Lieu“ bekannt; erst nach einem Jahrhundert kam der Zusatz „Sept-Fons“ hinzu – abgeleitet entweder von sieben Quellen oder von sieben Kanälen, die Wasser zur Abtei leiteten. Papst Hadrian III. stellte das Kloster 1158 unter seinen Schutz, und Alexander III. bestätigte die Gründung 1164 per Bulle.

Die Reform zur strengeren Observanz

Nach der Mitte des 15. Jahrhunderts blieb die Abtei von den unaufhörlichen Kriegen nicht verschont; häufig sahen sich die Mönche gezwungen, das Kloster zu verlassen, während es geplündert und seine Gebäude zerstört wurden. Unter diesen Umständen hielt unweigerlich eine gewisse Nachlässigkeit in der Klosterdisziplin Einzug. 1656 wurde Eustache de Beaufort im Alter von 20 Jahren zum Kommendatarabt ernannt. In den ersten sieben Jahren zeigte sich keine Besserung, doch dann führte er 1663 eine radikale Reform ein. Da seine Mönche – es waren nur noch vier – die neue Regel nicht akzeptieren wollten, wurden sie mit einer Pension entlassen. Es dauerte nicht lange, bis sich eine Reihe von Novizen um Aufnahme bewarb. Sie wurden – da es in Sept-Fons noch kein Noviziat gab – nach La Trappe geschickt, um dort unter Abt Armand-Jean de Rancé ihr Noviziat zu absolvieren. Auch Dom Eustache suchte den berühmten Reformer im Jahr 1667 auf, um Rat und Beistand zu erbitten.

Im 18. Jahrhundert wurde Sept-Fons mit königlicher Unterstützung (u.a. Eingliederung des Kaulitenpriorats Val-de-Choues 1762) runter Abt Dorothée Jalloutz in größerem Maßstab wiederaufgebaut; die Blütezeit dauerte an, bis das Kloster während der Französischen Revolution 1791 beschlagnahmt und die Mönche vertrieben wurden. Zwei dabei ums Leben gekommene Mönche, der Prior Paul Charles und der Infirmar Elie Desgardins, wurden 1995 seliggesprochen. Der letzte Abt, Bernard Sallmard de Montfort, starb 1823 in Paris. Die Reform von Sept-Fons überlebte die Revolution, indem der ehemalige Mönch Eugène Huvelin 1817 im Kloster Bellevaux in der Franche-Comté einen neuen Konvent strenger Observanz begründete, der bis heute im Kloster Tamié weiterbesteht.

Neubesiedlung 1845

Als die aus Darfeld gekommenen ’Trappisten’ der Abtei Le Gard 1845 gezwungen waren, ihr Kloster aufzugeben, erwarb ihr Abt, Dom Stanislas Lapierre, die Gebäude der alten Abtei Sept-Fons, verlegte seine Gemeinschaft dorthin und ließ Kirche und Klostergebäude restaurieren.

1847 wurde Lapierre zum Generalvikar der Kongregation der „Alten Reform von Notre-Dame de La Trappe“ (Kongregation von Sept-Fons) gewählt, die sich an den Konstitutionen des Abtes de Rancé orientierte. Als die drei Kongregationen auf dem Generalkapitel 1892 zu einem einzigen Orden der Zisterzienser der strengeren Observanz vereinigt wurden, wählte man den damaligen Abt von Sept-Fons, Dom Sebastian Wyart, zum ersten Generalabt und wenig später auch zum Abt von Cîteaux.

20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert bewahrte Dom Wyarts Nachfolger, Dom Jean-Baptiste Chautard (1899–1935) die Abtei vor dem durch die Pleite der Brauerei seines Vorgängers Wyart verursachten Ruin und trotzte den antiklerikalen Gesetzen von 1903, indem er durch persönliche Vorstellung bei Ministerpräsident Clemenceau die schon beschlossenene Schließung der meisten Klöster verhinderte. Mit seinem Buch L’Âme de tout Apostolat („Die Seele allen Apostolats“) übte er einen nachhaltigen Einfluss auf Generationen von Priestern und Laien aus.

Während des Zweiten Weltkriegs war die im besetzten Gebiet liegende Abtei 1940 bis 1944 zum Teil von den Deutschen besetzt; die Kommunität blieb vor Ort und bemühte sich, das klösterliche Leben so gut es ging aufrechtzuerhalten. Der damalige Abt war Marie Godefroy, ein Lothringer.

Tochtergründungen

Gab es in Mittelalter und früher Neuzeit keine Tochtergründungen, wuchs die Abtei im 19. Jahrhundert rasch und gründete Tochterklöster in Frankreich (Chambarand, Mérignat) sowie im Ausland (Notre-Dame des Îles in Neukaledonien (1877), Latrun in Palästina (1890), Consolation in China (1883), Beagle Bay in Australien (1892, durch Verlegung von Neukaledonien), Maristella in Brasilien (1904 als Fortsetzung von Chambarand). Trotz Rückschlägen, etwa in Neukaledonien (1877–1890) und Australien (1892–1900), beteiligte sich die Abtei an der Wiedergründung von Cîteaux (1898) und Orval in Belgien (1926, als Fortsetzung von Maristella). Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sie ihre Gründungstätigkeit fort: 1968 erneut in Neukaledonien (aufgegeben 2001), 2002 Nový Dvůr in der Tschechischen Republik, 2025 Badi im Senegal.

Bauten

Von den ersten Gebäuden hat sich so gut wie nichts erhalten. Die von Abt Dorothée Jalloutz errichteten Gebäude stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das Kloster erstreckt sich beidseits der von einem Dachreiter überragten Klosterkirche mit klassizistischer Fassade. Die Klostermauer aus dem 18. Jahrhundert ist 3,3 km lang und weist vier Türme auf.

Die Kirche wurde 1955 modern umgestaltet, 2009 im Inneren renoviert und wieder geweiht.

Sept-Fons heute

Heute (Stand 2025) leben in Sept-Fons ca. 70 Mönche unter der Leitung des Abtes Thomas Getti (seit 2024, bis 2022 Patrick Olive), ca. 15 weitere helfen auswärts in anderen Klöstern und Gründungen.

Lebensgrundlage der Abtei ist vor allem die Herstellung von Konfitüren und Nahrungsergänzungsmitteln, d.h. Weiterentwicklungen des berühmten „Germalyne“ (ein 1932 entwickeltes Nahrungsergänzungsmittel auf Weizenkeimbasis), ferner die Landwirtschaft auf rund 100 Hektar Nutzfläche für den Anbau von Tierfutter (Mais, Getreide, Leguminosen, Heu) und Einstreu. Zum Betrieb gehört auch eine Herde von etwa 80 Rindern, deren Milch für die Käseherstellung bestimmt ist.

Äbte und Obere

siehe Äbteliste

gge, Juli 2026


Literatur:

Histoire de Notre-Dame de Saint-Lieu-Sept-Fons (2 Bände): 1. Lamy, Firmin: L’Ancien Sept-Fons (1132–1789). Moulins, Crépin-Leblond, 1937; 2. Beaumont, Étienne: Sept-Fons moderne et contemporain (1789–1936). Moulins, Crépin-Leblond, 1937 · Obrecht, Edmond: Sept Fons, in: The Catholic Encyclopedia, Bd. 13. New York: Robert Appleton Company, 1912 · Manrique, Angelus: Annales cisterciences (Lyon, 1642) · Gallia christiana, Band IV.

Zitierempfehlung: Sept-Fons, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 16.07.2026, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Sept-Fons