Seyp, Bernardus

Bernardus Maria van de Seyp

Bernardus Maria van de Seyp

3. Abt der Zisterzienserabtei Achel 1882–1891

* 11. Aug. 1833 Delft, Niederlande
02. Jan. 1920 Partridge Green, Horsham, Sussex

Bernardus Maria van de Seyp, Taufname Bernardus Mattheus, wurde am 11. August 1833 in Delft als Sohn von Joannes Mattheus van de Seyp und Anna Maria Niehuis geboren. Er besuchte das Knabenseminar Hageveld und das Kolleg in Weert.

Obwohl er schon nach dem Schulabschluss den Wunsch hatte, Kartäuser zu werden, trat er am 11. August 1856 als Novize in das Zisterzienserpriorat (1871 Abtei) strengerer Observanz Achel ein, wo er den Ordensnamen Bernardus-Maria annahm. Am 20. August 1857 legte er seine Profess ab und empfing am 2. Juni 1860 die Priesterweihe. 1873 wurde er Novizenmeister, am 5. Mai 1880 Prior; am 20. Juni 1882 wurde er zum Abt gewählt und am 13. August 1882 von Bischof Doutreloux – da er den Menschenandrang im Kloster nicht haben wollte – in Lüttich benediziert. In Achel feierten die Trappisten ein stilles Fest.

Die Amtszeit von Abt Bernardus-Maria markiert den Beginn einer Ära, die sowohl von Erfolgen als auch von Kontroversen geprägt war. Der Zustrom neuer Mitglieder zwischen 1882 und 1891 war so beträchtlich, dass er drei Tochterklöster gründete: Echt und Diepenveen 1883 sowie Rochefort (Namur) 1887. Zudem ließ er für seine eigene Gemeinschaft eine neue Kirche errichten und die Klosteranlagen erweitern. Zur Seite standen ihm dabei Malachias Verstraaten als Prior und Cellerar und der Laienbruder Bonifacius Veldmans, ein ehemaliger Zuave, als Bauzeichner und Maurer. Dank eines effizienten Systems zur Einwerbung von Spenden gelang es ihm, all diese Bauvorhaben ohne finanzielle Belastung zu finanzieren, dazu kamen die Einnahmen aus der Landwirtschaft (bis 1914 blieb die Heuernte die Haupteinnahmequelle). Infolgedessen konnten die drei Tochterklöster bis 1891 in den Rang eines Priorats erhoben werden. 1886 wurde eine neue Druckerei angeschafft, um selbst die Statuten (1887) sowie die erforderlichen Chorbücher (1889 und 1890) drucken zu lassen – ein Unterfangen, das ihm erhebliche Schwierigkeiten bereitete.

Seine großen Erfolge ließen nichts von dem unglücklichen Ausgang erahnen, der folgen sollte. Da er dem inneren Gebetsleben eine höhere Bedeutung beimaß als der äußeren Strenge, stellte er die geistlichen Bedürfnisse des Einzelnen über die rigiden Anordnungen des Kapitels der Belgischen Trappistenkongregation (Kongregation von Westmalle), zu der Achel gehörte. Davon zeugen die große Sorgfalt, mit der er die zahlreichen Novizen persönlich im Gebet unterwies, sowie die Akribie, mit der er die Kandidaten für das Klosterleben auswählte. Dies wurde ihm zum Vorwurf gemacht und weckte – sowohl in Rom als auch in Westmalle – den Verdacht, der Abt beabsichtige die Gründung einer eigenen Kongregation. Seine freundschaftlichen Beziehungen zu Bornem und zum Generalprokurator Henricus Smeulders OCist in Rom ließen zudem befürchten, er könne – mit oder ohne seine Klöster – zur observantia communis überwechseln, zumal er auch der geplanten Vereinigung der drei Trappistenkongregationen, die 1892 zustande kam, ablehnend gegenüberstand, weil er befürchtete, dass viele der von Abt Rancé eingeführten Regularien der Einheit geopfert würden.

Abt Benedictus Wuyts von Westmalle betrachtete die Angelegenheit vornehmlich aus der Perspektive seiner Autorität als Generalvikar und sah sich verpflichtet, die Freiheiten einzuschränken, die sich sein 'untergeordneter' Abt genommen hatte. Während der Regularvisitation im Juni 1891 sprach der Visitator faktisch ein Misstrauensvotum gegen den Abt von Achel aus. Dieser reichte daraufhin seinen Rücktritt ein und bat um die Erlaubnis, in den Kartäuserorden übertreten zu dürfen. In einem „Memoriael“ – einem 13 x 10 cm großen Band mit 44 Seiten – hatte er sein Wirken als Abt festgehalten. Er verließ Achel am 11. Juni 1891 endgültig und erwartete das Indult für seine Versetzung, die ihm mit Datum 16. August 1891 gewährt wurde.

Am 6. Oktober 1891 erhielt der ehemalige Abt in der Grande Chartreuse in Frankreich (die er schon 1884 besucht hatte) das Ordensgewand als Kartäuser und legte an demselben Datum in den Jahren 1892 und 1895 seine beiden Professen ab; nach seiner Ausweisung aus Frankreich infolge der Combes-Gesetze hielt er sich von 1902 bis 1905 in Zepperen bei Sint Truiden (Limburg) auf, bevor er zur Kartause St. Hugh’s (St. Hugh’s Charterhouse) in Horsham, Sussex, aufbrach. Dort starb er am 2. Januar 1920 im 87. Lebensjahr.

gge, Juli 2026


Daten:

Vest.: 11. Aug. 1856; Prof.: 20. Aug. 1857; Sac.: 2. Juni 1860; Abbas: el. 20. Juni 1882, ben. 13. Aug. 1882, res. 11. Juni 1891; Dev.: Charitas omnia suffert (Die Liebe erträgt alles).

Literatur:

Nationaal Biografisch Woordenboek, Teil 9, Sp. 703–704 (D. De Jong) · De Achelse Kluis, 1846–1946. Achel: Sint Benedictus-Abdij, 1946, S. 42–46.

Zitierempfehlung: Seyp, Bernardus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 19.07.2026, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Seyp,_Bernardus

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