Siegl, Meinrad

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Meinrad Siegl

Meinrad Siegl OCist

Abt des Stiftes Osek in Böhmen 1886–1911

* 16. Okt. 1842 Stengles, Böhmen [Kamenec, Tschechien]
† 16. Nov. 1911 Ossegg, Böhmen [Osek, Tschechien]

Meinrad Siegl, Taufname Wenzel, wurde am 16. Oktober 1842 als Sohn eines Wirtschaftsbesitzers in einem stattlichen Bauernhaus im böhmischen Stengles geboren. Er besuchte die einklassige Volksschule seines Heimatortes und die Hauptschule in Joachimsthal [Jáchymov]. Da er die Prüfung für die vierte Hauptschulklasse mit Auszeichnung ablegte, gaben ihn seine Eltern 1853 in das von den Zisterziensern des Stiftes Ossegg [Osek] geführte Gymnasium in Komotau [Chomutov].

Am 25. September 1863 trat er unter Abt Athanasius Bernhard als Novize in das Stift Ossegg ein, legte am 28. September des folgenden Jahres die zeitlichen Gelübde ab und erhielt dabei den Ordensnamen Meinrad. Die feierliche Profess folgte am 29. September 1867. Er studierte Theologie am bischöflichen Seminar in Leitmeritz [Litoměřice] und an der Universität Innsbruck (1865–1867). Am 21. Dezember 1867 von Bischof Vahala von Leitmeritz zum Priester geweiht, feierte er am Weihnachtsfest 1867 seine erste hl. Messe.

In den folgenden Jahren wurde er mit verschiedenen Aufgaben betraut: 1868 wurde er Kustos der Stiftsbibliothek, am 23. September 1869 Novizenmeister und Bibliothekar. In dieser Stellung legte er Kataloge und Inventare an und stellte in der Stiftsbibliothek eine neue Ordnung her. Aus dieser Zeit stammt auch sein Beitrag über das Zisterzienserstift Ossegg in Sebastian Brunners Cistercienserbuch. 1882 wurde er von Abt Ignaz Krahl zum Subprior ernannt und nach dessen Tod am 26. Oktober 1886 zum Abt gewählt und am 28. Oktober benediziert.

In vielfältiger Weise sorgte der Abt für die Marktgemeinde und den Pfarrsprengel Neu-Ossegg, besonders im Schulwesen. 1887 stellte das Stift das Areal für einen neuen Friedhof zur Verfügung, den der Abt am 1. November 1887 einweihte. Als 1896 eine Wasserleitung angelegt wurde, gab er unentgeltlich das Grundstück für das Reservoir. Außerdem bewilligte er der Gemeinde die Errichtung einer Badeanstalt und dem Gebirgsverein die Markierung von Wanderwegen durch die Stiftswaldungen. Mehrfach gab er zu gemeinnützigen Zwecken höhere Geldsummen, auch für die Ausstattung der Knabenschule und der Mädchen-Volks- und Bürgerschule, für die er ein neues Gebäude errichten ließ. Zum Bau der Gewerbeschule wurde der Bauplatz zur Verfügung gestellt. Bei der Verstaatlichung des Gymnasiums in Komotau konnte er vertraglich durchsetzen, dass die zisterziensischen Lehrkräfte vom Staat übernommen wurden und baute, da diese ihre Wohnungen im Gymnasium räumen mussten, ein neues Haus für sie.

In den auswärtigen Pfarreien wurden die Gebäude restauriert, sämtliche Patronatskirchen neu ausgemalt, alle Orgeln erneuert und für die Pfarrkirche in Maria-Ratschitz ein neues Werk mit pneumatischer Mechanik angeschafft. Die baufällig gewordene Filialkirche in Libkowitz [Libkovice] ließ er abreißen und eine neue erbauen, obwohl der Staat anerkannt hatte, dass das Stift als Patronatsherr der Pfarrei für den Kirchbau nicht zuständig wäre.

Auch für das Stift selbst und seinen ausgedehnten Besitz tat Abt Meinrad viel. Um den Wasserbedarf des Stiftes und der modernisierten Stiftsbrauerei zu sichern, ließ er 1891 eine neue Wasserleitung anlegen. Dabei wurden auch die unter Abt Hieronymus Besnecker angelegten Wasserfontainen im Stiftsgarten wieder instandgesetzt. Im Kloster selbst ließ er die Gemäldegalerie ordnen und die schadhaften Bilder durch einen Fachmann restaurieren und förderte auch die Vermehrung der Stiftsbibliothek. Anstelle der seit Jahrhunderten üblichen Figuralmusik in der Stiftskirche führte er den altkirchlich-gregorianischen Choralgesang ein. In der Stiftskirche ließ er die Altäre renovieren und mehrere neue Paramente anschaffen (u.a. den sog. Jubiläumsornat anlässlich der 700-Jahrfeiern des Stifts 1896)[1]. Zu diesem Anlass erschien auch das Album ossecense oder Verzeichnis der Mitglieder des Cistercienser-Stiftes Ossegg vom Jahre 1645–1896.

Wie alle Ossegger Äbte war Abt Meinrad Visitator der Frauenklöster Marienstern und Marienthal in der Lausitz und wurde 1890 zum Assistenten der österreichisch-ungarischen Zisterzienserkongregation gewählt. Er war wirklicher Konsistorialrat sowie wirkliches oder korrespondierendes Mitglied mehrerer wissenschaftlicher und literarischer Vereine und Gesellschaften. Kaiser Franz Josef I. zeichnete ihn als infulierten Landesprälaten des Königreichs Böhmen mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens aus.

Er starb in der Nacht vom 15. auf den 16. November 1911, nachdem er noch am 26. Oktober – seiner Kränklichkeit halber in aller Stille – sein 25jähriges Regierungsjubiläum gefeiert hatte. Zu seinem Nachfolger wurde der Gymnasialprofessor Theobald Scharnagl gewählt.

gge, Sep. 2009, rev. April 2017

  1. Das Jubiläumsornat bestand aus zwei Kaseln, zwei Pluvialen, vier Dalmatiken, einem Gremiale und einem Velum für die Pontifikalämter sowie 13 Kaseln für die Ordensbrüder zur Verwendung an den höchsten Festen. Die Paramente waren von den Zisterzienserinnen des Klosters Mariastern-Gwiggen bei Bregenz aus echtem, schwerem Goldbrokat gefertigt, und mit in Seide und Gold auf echtem Goldstoff gestickten Bildern verziert. Der Pontifikalornat trug 31 einzelne Figuren und drei Gruppenbilder, die 13 Kaseln trugen Darstellungen der Rosenkranzgeheimnisse mit Ausnahme der Geburt Christi und Mariae Krönung, die beide auf den Pontifikalkaseln ihren Platz fanden. Die Kosten beliefen sich auf knapp neuntausend Gulden.

Daten:

Vest.:25. Sep. 1863; Prof.: 28. Sep. 1864, 29. Sep. 1867; Sac.: 21. Dez. 1867; Abbas: el. 26. Okt. 1886, 28. Okt. 1886.

Werke:

Cistercienserstift Ossegg, in: Sebastian Brunner (Hg.): Ein Cisterzienserbuch. Würzburg 1881, Seite 280—353.

Literatur:

700Jährige Jubiläumsfeier des Stiftes Ossegg, in: Cistercienser Chronik 9 (1897), S. 79–84 · Nachruf, in: Cistercienser Chronik 24 (1912), S. 29ff. · Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 33 (1912), S. 200f. · Egerländer biografisches Lexikon : mit ausgewählten Personen aus dem ehemaligen Reg[ierungs].-Bez[irk]. Eger / bearb. und hrsg. v. Josef Weinmann. Männedorf : Weinmann, 1985–1987, 2 Bde · ÖBL 1815–1950, Bd. 12 (Lfg. 57), S. 243 (H. Reitterer)

Normdaten:

GND: 117364584 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Siegl, Meinrad, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 17.4.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Siegl,_Meinrad