Smeulders, Henricus

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Henricus Smeulders
Photographie von Jules-Ernest Livernois, Kanada 1883/84

Henricus Smeulders OCist

frz. Joseph-Gauthier-Henri Smeulders

Generalprokurator OCist 1871–1892, Titularabt von Vallis Pontis

* 13. Mai 1826 Mol, Belgien
† 28. Juni 1892 Rom

Henricus Smeulders, Taufname Josef Walter, wurde 1826 in Mol in Belgien geboren. Nach dem Abitur 1843 trat er, 17-jährig, in die erst wenige Jahre zuvor wiederbegründete Abtei St. Bernhard in Bornem ein, legte am 22. Dezember 1844 die Profess ab und empfing am 25. Mai 1850 in Bornem die Priesterweihe. Nach einem Doktoratsstudium am Collegium Romanum (der heutigen Gregoriana) in Rom 1858 zum Doktor der Theologie promoviert (Thema: De Gratia), wurde Smeulders vom damaligen Generalabt Teobaldo Cesari als Lehrer an die Lehranstalt (Collegio) des römischen Klosters Santa Croce in Gerusalemme geholt und am 17. August 1860 vom Kardinalpräfekten der Indexkongregation zum Konsultor bestellt[1][2]. Am 30. Oktober 1861 kehrte er auf Wunsch seines Abtes Robertus van Ommeren in sein Professkloster Bornem zurück und lehrte auch dort Theologie, bis ihn 1863 der Generalabt wieder nach Rom berief, damit er seine Vorlesungen in Santa Croce wieder aufnehme. Daneben war er von 1858 bis 1865 auch Bibliothekar in Bornem.

In Rom wurde Henricus Smeulders Mitarbeiter des damaligen Prokurators Girolamo Bottino (1803–1871) bei der Herausgabe der Schriften Papst Honorius' III. (Honori III. opera omnia, Paris 1879–1882). Außerdem war er neben seiner Professur auch Ratgeber und Sekretär des Generalabts, den er – nicht zuletzt wegen seiner Sprachkenntnisse – auf dessen Visitationsreisen nach Frankreich, Österreich-Ungarn und Belgien begleitete (1863–1864, 1867). Beim Generalkapitel 1867 fungierte er als Kapitelsekretär und arbeitete 1869 in der dazu geschaffenen Kommission an der Erstellung des neuen Kalendarium Cisterciense mit. Auf diese Weise sammelte Smeulders wichtige Erfahrungen in der Ordensleitung und wurde daher nach dem Tod des Prokurators Bottino († 8. Mai 1871) vom Leitungsgremium der italienischen Zisterzienserkongregation – auf Vorschlag des Generalabts Cesari – zu Bottinos Nachfolger gewählt (24. Mai 1871). In dieser Funktion siedelte Smeulders von Santa Croce in die Abtei San Bernardo alle Terme um, die kurz darauf von der neuen italienischen Regierung aufgehoben wurde. Nur wenige Mönche konnten zur Betreuung der Pfarrgemeinde im Kloster wohnen bleiben; auch der Generalprokurator erhielt durch den Einfluss des belgischen Gesandten ein kleines Zimmer, das ihm als Wohnung und Amtssitz genügen musste.

Von San Bernardo aus arbeitete Smeulders, dem Generalabt Cesari weitgehend freie Hand bei der Regelung von Ordensangelegenheiten ließ (Maurer 263), als Generalprokurator für den Orden und als Konsultor für drei vatikanische Kongregationen (Index (seit 1860), Propaganda Fide (5. Nov. 1879), Riten (28. Juli 1882)). Als Vertreter des Zisterzienserordens beim hl. Stuhl hatte Smeulders in diesen Jahren bedeutenden Einfluss auf die Wiederherstellung der italienischen, belgischen und schweizerisch-deutschen Zisterzienserkongregationen (observantia communis), die endgültige Bestätigung der Konstitutionen der Kongregation von Sénanque (observantia media) und die Vorbereitungen zur Abtrennung der strengen Observanz (»Trappisten«) vom Gesamtorden. Auch bei den Generalkapiteln 1880, das Gregorio Bartolini, und 1891, das den Hohenfurter Abt Leopold Wackarž zum Generalabt wählte, spielte er eine Schlüsselrolle (Maurer 264–265). Gegen seinen Willen, aber auf Betreiben Cesaris, war er am 20. April 1878 zum Oberen von San Bernardo alle Terme bestimmt und zum Titularabt von Valdiponte (Vallis Pontis) ernannt worden und hatte am Pfingstsonntag, dem 9. Juni 1878, die Abtbenediktion erhalten (Maurer 264).

Ende 1883 reiste Henricus Smeulders im Auftrag Papst Leos’ XIII. als Apostolischer Delegat nach Kanada, um die Laval-Universität in Québec und Montréal zu prüfen, Streitigkeiten innerhalb der kanadischen Kirche zu schlichten und die Verhältnisse zu ordnen. Über ein Jahr, bis Ende Dezember 1884, blieb er in Kanada, begleitet von seinem Sekretär, dem späteren Generalabt Amedeus de Bie, und erwarb sich dort großes Ansehen. Im Herbst 1885 nach Rom zurückgekehrt, nahm er dort seine Arbeit als Prokurator und Oberer des Konvents von San Bernardo wieder auf. Zusätzlich bestellte ihn am 21. Januar 1887 noch eine weitere Kongregation, die für die Bischöfe und Ordensleute, zu ihrem Konsultor; am 29. November 1889 folgte die Kongregation des Konzils.

Vielfach in Anspruch genommen und erschöpft, bat Smeulders auf dem Generalkapitel 1891 in Wien um seine Entpflichtung, wurde jedoch einstimmig wiedergewählt.[3] Nur sein Amt als Hausoberer von San Bernardo konnte er am Sonntag Quinquagesima (16. Feb.) 1891 dem Pfarrer von S. Bernardo und gewählten Präsidenten der italienischen Kongregation Bernardo dell’Uomo übergeben. Er starb am 28. Juni 1892 an einem Herzschlag und wurde auf dem Friedhof von S. Lorenzo (Campo Verano) in Rom beigesetzt.

Henricus Smeulders hat, obwohl gelehrt und wissenschaftlich gebildet, keine bedeutenden Schriften hinterlassen, war aber – als Generalprokurator und Vertreter beim hl. Stuhl in einer der Schaltzentralen des Ordens tätig und mit wichtigen kirchlichen Angelegenheiten betraut – eine der einflussreichsten Gestalten des Zisterzienserordens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

gge, Feb. 2011, rev. Feb. 2014

  1. Über einen konkreten Zensurfall, in dem Smeulders ein Gutachten (mit Forderung nach Indizierung) schrieb, vgl. den Aufsatz „Alois Pichler (1833–1874) auf dem 'Index der verbotenen Bücher'“, in: Tobias Lagatz/Sabine Schratz (Hrsg.): Censor Censorum. Gesammelte Aufsätze von Herman H. Schwedt. Paderborn 2006, Seiten 231–253 (darin besonders S. 246–247 zu Smeulders).
  2. Eine Aufzählung der zahlreichen von Smeulders verfassten Indizierungsgutachten, darunter einige zu deutschen Kritikern des Vatikanischen Konzils von 1870, wie Döllinger aus München, Langen aus Bonn, findet sich in: Herman H. Schwedt, unter Mitarbeit von Tobias Lagatz: Prosopographie von Römischer Inquisition und Indexkongregation 1814–1917. Band 2 (L–Z). Hrsg. v. H. Wolf. Paderborn 2005, S. 1386–1390.
  3. Er selbst hatte seine Stimme P. Bonaventura Stürzer aus Mehrerau gegeben (vgl. Kronpaß, Immolata und Polykarp Zakar: Die Wahl Leopold Wackarz zum Generalabt. Vorgeschichte, Verlauf, Konsequenzen, wichtigste Dokumente des Generalkapitels vom Jahr 1891. ACi 36 (1980), S. 3–86, hier: S. 80, FN 39).

Daten:

Prof.: 22. Dez. 1844; Sac.: 25. Mai 1850; Abbas tit.: nom. 20. April 1878, ben. 9. Juni 1878; Dev.: Pie sobrie et juste vivamus.

Literatur:

Battista, Gregorio: Il procuratore generale dell’Ordine cistercense e la separazione dei Cistercensi Riformati (1890–1892), in: Analecta Cisterciensia 34 (1978), S. [330]–345 · Hene, Benedict: Todtentafel: S. Bernardo [Henricus Smeulders], in: Cistercienser Chronik 4 (1892) 252–253, 282–286, 318 · Herman H. Schwedt, unter Mitarbeit von Tobias Lagatz: Prosopographie von Römischer Inquisition und Indexkongregation 1814–1917. Band 1 (A–K), Band 2 (L–Z). Hrsg. v. H. Wolf. Paderborn 2005 (darin Bd. 2, S. 1386–1390 zu H. Smeulders) · Maurer, Pius: Generalabt Teobaldo Cesari (1804–1879), sein Leben und Wirken. ACi 63 (2013) 37–401, hier: 263–265. · Van Doninck, Benedictus (ed.): Obituarium Monasterii Loci Sancti Bernardi S. Ord. Cisterc. 1237–1900. Bornhem: Typis Lyrinensibus, 1901, S. 88: Henricus Smeulders · Zakar, Policarpo: Il Capitolo generale dell'Ordine cistercense del 1880. Preparazione e atti, in: Analecta Cisterciensia 34 (1978), S. [390]–422.

Weitere Literatur:

P. Landry: Compte-rendu d'une entrevue avec Son Ex. Dom Henri Smeulders, commissaire apostolique au Canada au sujet d'une requê te devant lui être presentée demandant une enquête canonique sur nos difficultés religieuses. Québec 1883. · Victor Livernois: A Son Excellence Dom Henri Smeulders, commissaire apostolique au Canada. Québec 1883. · Question Laval-Victoria : procédés officiels devant Son Excellence, Dom Henri Smeulders, commissaire apostolique au Canada. [Montréal : s.n, 1884]. – F[rédéric Alexandre Baillairgé]: Son Excellence Mgr Dom Henri Smeulders à Joliette : compte-rendu. Joliette : Impr. du College Joliette, 1885.

Bilder:

Galerie

Zitierempfehlung: Smeulders, Henricus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 6.4.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Smeulders,_Henricus