Sommer, Wolfgang

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Wolfgang Sommer

Wolfgang Sommer

1. Abt des Stiftes Schlierbach 1620/21–1625

* um 1585 Steiermark
† 30. Juli 1625

Wolfgang Sommer wurde nach dem Reiner Totenbuch in der späteren (1607) Reiner Stiftsfarre Gratwein geboren, nach der Schlierbacher Tradition aber in Stainz. Er war Prior des Stiftes Rein. 1620 von Abt Matthias Gülger mit zwei weiteren Patres[1] zur Übernahme der von Kaiser Ferdinand II. dem Orden zurückgegebenen ehemaligen Frauenabtei Mariensaal im Kremstal entsandt, kam er nach Schlierbach und wurde am 12. Juli 1621 (Zeller) durch den Statthalter Adam Graf Herberstorff und die Äbte von Kremsmünster (Anton Wolfradt) und Wilhering (Georg Grill) feierlich installiert.

Die in ein seit 64 Jahren leerstehendes und finanziell nicht besonders gut ausgestattetes Kloster eingezogenen Zisterzienser hatten ein schwieriges Aufbauwerk vor sich. Obwohl sich der Kremsmünsterer Abt Anton Wolfradt, bis zur Wiederbesiedlung auch Administrator von Schlierbach, noch immer als Herr des Klosters Schlierbach fühlte, gelang es Abt Wolfgang, seine Position zu sichern und das Kloster zu konsolidieren. Für die Stiftskirche schaffte er drei Altäre und eine neue Bestuhlung an und stellte Personal ein. Da eine der Bedingungen für die Rückgabe des Klosters an den Zisterzienserorden gewesen war, das Stift mit Priestern zu besetzen, die die gegenreformatorische Rekatholisierung des oberen Kremstals durchführen konnten, ersetzte er in den Stiftspfarren Kirchdorf und Wartberg die Weltpriester durch Ordenspriester, die er, da der eigene Konvent noch zu klein war, aus den Zisterzienserklöstern Zwettl (P. Valentin Zimmermann, Kirchdorf) und Bildhausen (P. Johannes Radner, Wartberg) nehmen musste.

Ein früher Tod nach kurzer Krankheit machte Abt Wolfgangs Wirken ein jähes Ende. Er starb schon nach fünfjähriger Regierung, am 29. oder 30. Juli 1625 und wurde am 3. August 1625 in der (alten) Klosterkirche vor dem Hauptaltar beigesetzt. Da wegen der Bauernaufstände vorläufig an eine Abtwahl nicht zu denken war, folgte seinem Tod ein zweijähriges Interregnum, in dem P. Markus Codracius von Rein das Stift Schlierbach verwaltete, bis 1627 mit Johann Franz Keller wieder ein Abt installiert werden konnte.

gge, Juni 2017

  1. Jakob Wagenpaur von Rein und Georg Seyrl von Zwettl.

Daten:

Abbas: inst. 12. Juli 1621.

Literatur:

Etzlstorfer, Hannes: Die Kunstsammlungen des Stiftes Schlierbach, in: Keplinger, Ludwig (Red.): 650 Jahre Stift Schlierbach, Schlierbach 2005, S. 18–20 · Hofinger, Benedict: Schlierbach, in: Beiträge zur Geschichte der Cistercienserstifte, Wien 1891, S. 392–405, bes. S. 401 · [Zeller, Florian]: Das Zisterzienserstift Schlierbach im Kremstale, Schlierbach [1920], S. 26–27.

Zitierempfehlung: Sommer, Wolfgang, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 9.11.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Sommer,_Wolfgang